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StartseiteKultur heute"Auch der Kunstmarkt ist Moden unterworfen"01.09.2020

Kunsthändler Tobias Meyer über den Reiz teurer Bilder"Auch der Kunstmarkt ist Moden unterworfen"

104 Millionen für einen Picasso, 120 für ein Bild von Edvard Munch. Reiche Sammler und Sammlerinnen hängen sich die Stars der Szene ins heimische Wohnzimmer. Ihre Motivation ist häufig ähnlich: "Sie möchten an der Großartigkeit dieses Kunstwerks teilhaben", sagte Kunsthändler Tobias Meyer im Dlf.

Tobias Meyer im Gespräch mit Stefan Koldehoff

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Der Auktionator Tobias Meyer versteigert 2012 Edvard Munchs Bild "Der Schrei" bei Sotheby´s (imago images / Xinhua)
Tobias Meyer versteigert das berühmte Bild "Der Schrei" von Edvard Munch- das für 120 Millionen den Besitzer wechselte (imago images / Xinhua)
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Tobias Meyer hat viele Jahre bei Christie’s und Sotheby’s in London und New York die ganz teuren Kunstwerke versteigert. Picassos "Jungen in Blau" zum Beispiel oder Munchs weltberühmten "Schrei". Bilder, die normalsterbliche und normalverdienende Menschen nur aus einiger Ferne im Museum ansehen können. Inzwischen ist er selbstständig, aber arbeitet immer noch für reiche Sammlerinnen und Sammler. Die Motivation teuere Kunst zu kaufen, liegt unter anderem darin "die Brillanz zu bewundern", so Meyer.

Besondere Angebote

Sein Mentor, der Verleger Si Newhouse, habe selbst viel von Kunst verstanden, er konnte sie erfassen. "Intellektuell und intuitiv." Wenn Käuferinnen und Käufer nicht zu den Auktionen kommen können, "dann bringt man das Werk schon mal nach New York oder Hongkong."

In einer Glaskugel spiegelt sich die Adriaküste, die im Hintergrund nur unscharf zu sehen ist. (imago images / Shotshop) (imago images / Shotshop)Gesprächsreihe – nah und fern
Nähe und Distanz sind keine feststehenden Größen. Wo das eine aufhört und das andere beginnt, empfindet jeder anders. Und jede Disziplin, jede Kunstgattung geht auf ihre Weise damit um.

Weibliche Sammlerinnen sind sehr interessant, "weil sie nie an sich zweifeln. Und das Faktische spielt bei Männern eine größere Rolle als bei Frauen."

Intime Nähe

Wer teure Kunst kaufe, sei auch an Wertsteigerung und Wiederverkauf interessiert. "Das ist sehr wichtig und auch eine faire Frage. Man muss den Respekt vor dem Geld nicht verlieren." Während vor zwanzig Jahren selbst Impressionisten aus der zweiten Reihe noch viel Geld gebracht hätten, und ein Monet und ein Monet Wasserlilienbild noch gleich teuer waren, "sind heute die Lilien sehr viel teurer, weil sie die Ikonen des Künstlers sind. Mein Rat: Immer die beste Qualität kaufen." Auch nach Jahren im Geschäft, erzählt Tobias Meyer, ist die Nähe zu großen Kunstwerken immer noch faszinierend. "Wenn ein Bild mal von der Wand runterkommt, wird es viel intimer."

Tobias Meyer, geboren 1963 in Frankfurt am Main, zog in seiner Jugend mit seinen Eltern nach Wien. Mit vierzehn Jahren bot er das erste Mal selbst auf einer Kunstaktion und schon nach dem Abitur arbeitete er bei Christie`s. Sein Studium finanzierte er unter anderem auch mit einer Tätigkeit in einer Wiener Kunsthandlung. Es folgte eine Ausbildung in London. Nach drei Jahren wechselte er zur Konkurrenz Sotheby's, und seit 2013 ist er selbstständig. Tobias Meyer lebt inzwischen als Kunsthändler und Kunstberater in New York.

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