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StartseiteCorsoDer Loop - eine unendliche Geschichte30.10.2017

Kunstmuseum Wolfsburg Der Loop - eine unendliche Geschichte

Vom kreisrunden Apple-Firmensitz über Donna Summers endlosem Disco-Hit "I Feel Love" bis hin zum Nonstop-Film "Kiss" von Andy Warhol: Loops stecken überall. Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt in einer Ausstellung die Wiederholungen in allen künstlerischen Facetten.

Von Susanne Luerweg

Die Kunstinstallation "Infinity Mirrored Room - The Souls of Millions of Light Years Away, 2013" in der Ausstellung "Never Ending Stories" im Kunstmuseum in Wolfsburg  (picture alliance/dpa/Foto: Silas Stein/)
Wiederholungen sind Mittel und Topos der Ausstellung in Wolfsburg (picture alliance/dpa/Foto: Silas Stein/)
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Ein lautloses Kaminfeuer prasselt auf einem Bildschirm, auf unzähligen Zeitschriftencovern prangt in großen Lettern "Die Brigitte Diät" - bereits im Foyer des Kunstmuseums Wolfsburg wird der Besucher von Endlosschleifen empfangen. Denn der Loop ist überall. Wir stecken in Beziehungsloops, hängen in digitalen Endlosschleifen und politische Krisen kehren genauso immer wieder wie Abnehmtipps in Frauenzeitschriften. Direktor und Kurator Ralf Beil:

"Ziel, das ist natürlich ein großes, dass die Besucher sich der Zyklen und des ewigen Loops bewusst werden, auch der im eigenen Leben, vor allem der vermeidbaren und auch den negativen und im besten Fall daran auch etwas ändern. Es geht in diese Richtung, dass wir eingreifen wollen in die Diskussion."

"Der Loop ist ein zentrales Phänomen der Kulturgeschichte"

Die Ausstellung ist aber keine trockene Lehrstunde, sondern ein anregender Parcours mit Loops aus allen Epochen und allen Kunstrichtungen. So hängt eine Installation von Bruce Naumann auf der zwei Finger, geformt aus Leuchtröhren, immer wieder in ein Auge stoßen im selben Raum wie eine Arbeit von Max Beckmann. Vierzehn verschiedene Themenfelder umfasst die Schau: von Politik bis Film über Mensch und Maschine im Kreisverkehr bis hin zu Eros in der Endlosschleife am Beispiel von Andy Warhols Film "Kiss". Ralf Beil sagt:

"50 Minuten Film, in dem Frau-Mann, Mann-Mann, alle Variationen durchgespielt werden. Viele Filme sind ganz klar nach dem Prinzip Loop ausgesucht, aber ich habe das Prinzip unterbrochen, wenn es für mich inhaltlich potenzielle Endlosschleifen waren."

Die Kunstinstallation "Dunlop Geomax 100/90-19 57 M 360° 3X, 2013" des belgischen Künstlers Wim Delvoye steht in der Ausstellung "Never Ending Stories. Der Loop in Kunst, Film, Architektur, Musik, Literatur und Kulturgeschichte" im Kunstmuseum in Wolfsburg. (picture alliance / Silas Stein/ dpa)Die Kunstinstallation "Dunlop Geomax 100/90-19 57 M 360° 3X, 2013" des belgischen Künstlers Wim Delvoye steht in der Ausstellung "Never Ending Stories" im Kunstmuseum in Wolfsburg. (picture alliance / Silas Stein/ dpa)
 Ein lupenreiner Film-Loop ist dagegen die Arbeit von Omer Fast "Continuity", ein Video, in dem ein Ehepaar immer wieder seinen im Krieg gefallenen Sohn imaginiert. Ähnlich beeindruckend wie Anton Hennings Installation "The answer (my friend)". Ein Bild, das sich permanent dreht. Auf der einen Seite ein Selbstporträt des Künstlers, auf der anderen ein Totenkopf. Die Arbeiten sind nicht alle neu, nur in dieser Dichte so noch nie in einer Ausstellung zu sehen gewesen.

"Denn hier geht es ja um eine Beweisführung, dass die Endlosschleife, der Loop, ein zentrales Phänomen der Kulturgeschichte ist, gerade weil es die lineare Zeit durchbricht, durch ihre Kreisläufigkeit und Zirkularität. Und da wäre es absurd, wenn man da Werke in Auftrag gibt."

Gibt es die Endlosschleife?

Die Faszination der Endlosschleife zeigt sich schon in der Antike. Die Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt – im alten Ägypten als Ouroboros bekannt - wird in einer Art Schatzkammer präsentiert. Ein paar Räume später zeigt ein YouTube-Video eine Zooschlange, die sich tatsächlich verspeist. Eine Art physische Loop Erfahrung bietet die Bad-Installation von Gregor Schneider. 21 täuschend ähnliche Bäder, die jeweils immer nur einzeln durchschritten werden. Gregor Schneider sagt:

"In dieser Ausstellung hatte ich jetzt die Möglichkeit, diese 21 Bäder noch mal als ein endloser Gang anzuordnen, der natürlich nie ein endloser Gang sein kann, weil ein Mensch ja irgendwann auch stirbt. Je länger man sich im Detail auch wirklich mit Wiederholung beschäftigt, je stärker zweifelt man dran, dass es das überhaupt gibt."

Eine Frage drängt sich auf: Gibt es die Endlosschleife überhaupt? Und wenn man Dinge wiederholt, erlebt man sie tatsächlich identisch? Entwickeln wir uns wirklich weiter oder hängen wir einfach im Loop der Geschichte und merken es nicht? Die Ausstellung überlässt den Besuchern viel Deutungsspielraum, geht dicht bis an die Schmerzgrenze, so dass wohl jeder froh ist, wenn am Ende des Ausstellungs-Kreislaufs die Musik steht. Zu Donna Summers Disco-Klassiker und Endlos Loop "I Feel Love" darf und soll getanzt werden. Der Kurator Ralf Beil sagt:

"Das ist definitiv so, deswegen ist der Spiegelsaal eingerichtet. Er ist ganz leer, bis aufs Plattencover, und das ist eben auch ein Teil der Erfahrung, dass man ausbrechen kann, oder dass man die Loops realisieren kann. Das ist etwas ganz Wesentliches."

Die Ausstellung "Never Ending Stories - Der Loop in Kunst, Film, Architektur, Musik, Literatur und Kulturgeschichte" ist noch bis zum 18. Februar im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen.

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