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StartseiteKultur heuteMuseumsdirektorin Titz: Bei Portigon besteht kein Zeitdruck05.02.2015

KunstsammlungMuseumsdirektorin Titz: Bei Portigon besteht kein Zeitdruck

Susanne Titz, Direktorin des Museums Abteiberg, hat zur Besonnenheit beim Umgang mit der Portigon-Kunstsammlung aufgerufen. Es gebe keinen Zeitdruck, die im Besitz des WestLB-Nachfolgers befindlichen Kunstwerke zu verkaufen, sagte Titz im DLF. Man könne deshalb in Ruhe über Stiftungsmodelle oder die Beteiligung der Landesmuseen nachdenken.

Susanne Titz im Gespräch mit Burkhard Müller-Ullrich

Die Skulptur "Toleranz durch Dialog" des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida auf dem Rathausinnenhof in Münster am 1.1.2015 (imago / Rüdiger Wölk)
Die Skulptur "Toleranz durch Dialog" des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida ist ein Wahrzeichen der Stadt Münster - als Leihgabe der WestLB gehört sie heute der Portigon AG. (imago / Rüdiger Wölk)
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Burkhard Müller-Ullrich: Jetzt kommen wir zu einem kulturpolitischen Statement, das Günther Uecker heute auf seiner Pressekonferenz abgegeben hat. Er nannte nämlich den Umgang mit landeseigener Kunst in Nordrhein-Westfalen eine Schande. Damit steht er allerdings nicht allein, denn vielen kommt, wenn sie den Namen Portigon nur hören, die Galle hoch. Portigon ist, um es kurz zu machen, die Nachfolgegesellschaft der Pleite gegangenen WestLB, also der Westdeutschen Landesbank. Letztere hatte in ihren guten Zeiten eine tolle Kunstsammlung aufgebaut, knapp 400 Werke. Die sollen jetzt verkauft werden, weil das Land Geld braucht. Aber der Verkauf soll verhindert werden, weil das Land Kunst braucht. Heute Nachmittag lag dieser Gordische Knoten auf einem Runden Tisch im NRW-Kulturministerium, und Susanne Titz, die Direktorin des Museums Abteiberg in Mönchengladbach, war dabei. Wer war denn noch so dabei, Frau Titz?

Susanne Titz: Wir waren zu 22 und es waren sowohl Vertreter der Politik aus dem Landtag als auch Vertreter der Landesunternehmen, also all der Unternehmen, die aus der Westspiel, nein, aus der WestLB hervorgegangen sind beziehungsweise ursprünglich einmal als deren Tochterunternehmen da waren.

Müller-Ullrich: Sie wollten "Spielbank" sagen, das war schon ein naheliegender Versprecher. Wir haben es ja mit dem Kasino-Kapitalismus zu tun einerseits und andererseits gab es den Präzedenzfall dieser zwei Warhol-Bilder, die im Besitz der ebenfalls zum Land gehörenden Spielbank in Aachen waren. Wurde über einzelne Werke heute gesprochen?

Titz: Es wurde natürlich über einzelne Werke gesprochen, auch über die Stradivari. Es wurde aber generell darüber gesprochen, dass wir eine strukturelle Lösung brauchen, dass wir überlegen müssen, wie gehen wir mit solchen Werten um in Unternehmen, die unter Umständen jetzt gerade wie Portigon in einer Situation sind, wo man mit Unternehmensrecht, mit Aktienrecht, mit all dem konfrontiert ist. Und was wir gemerkt haben, in diesem großen Feld, das da heute diskutiert wurde: Es ist wirklich ein politischer Wille da, auch eine Lösung zu finden.

"Diese Lösung ist nicht ganz einfach"

Müller-Ullrich: Und wie soll die aussehen?

Titz: Diese Lösung ist nicht ganz einfach, weil aus all dem, was man über Portigon hört, natürlich auch immer die Frage dasteht, wer zahlt, wie kann eine Lösung gefunden werden. Es wurden ja auch in den vergangenen Wochen immer mal von verschiedener Seite Stiftungsmodelle ins Spiel gebracht. Das Ganze ist etwas aufwendiger zu entscheiden und wird jetzt analysiert, und es soll jetzt bald auch schon die nächste Sitzung geben, und es wurde signalisiert vom Kulturministerium, bis Sommer soll klar sein, wie man vorgeht.

"Kein Zeitdruck"

Müller-Ullrich: Das klingt nach Ergebnislosigkeit bis jetzt. Das Dilemma ist ja: Portigon hat einen Auftrag: Diese Sachen müssen verkauft werden, es muss irgendwie Geld zur Deckung der Defizite herangeschafft werden. Und ich frage mich, wie lange dauert es, bis man sagt, lieber Bund, rette uns?

Titz: Das weiß ich auch nicht, wie lang das dauert. Es ist so, dass kein Zeitdruck besteht. Wir haben heute erfahren, dass auf keinen Fall Portigon jetzt heute oder morgen verkaufen muss. Und das bedeutet, man kann sich jetzt über beispielsweise Stiftungsmodelle, die Frage, wie aus der Portigon auch Werke in kommunale oder in Landesmuseen gehen, über all das kann man jetzt in Ruhe nachdenken. Und man kann auch überlegen, wie die Politik darüber dann eine Entscheidung trifft, und die ist dann im Land auch darzustellen.

Müller-Ullrich: Zu "in Ruhe nachdenken" sagt man in Österreich "temporisieren", und das führt manchmal dazu, dass man nur wartet, bis die große Medienaufregung vorbei ist.

Titz: Ich gehe davon aus, dass von außen ein paar wertvolle Menschen am Tisch saßen, denen man gut zugehört hat und wo man bemerkte, dass von außen die Situation in Nordrhein-Westfalen und auch die Diskussionen der vergangenen vier, fünf Monate solche waren, die für die Kultur sehr gefährlich sind, und das wurde von außen jetzt noch mal wirklich sehr deutlich gemacht, wie aktiv und wie schnell und auch wie gründlich sich Nordrhein-Westfalen über seine kulturellen Werte Gedanken machen muss und dass es dafür Lösungen finden muss, wenn Unternehmen drohen, andernfalls Werke zu verkaufen.

Müller-Ullrich: Das war Susanne Titz, Direktorin des Museums Abteiberg in Mönchengladbach. Vielen Dank, dass Sie uns so schnell aus der Sitzung, die gerade noch stattgefunden hat, berichtet haben über das Schicksal der Portigon-Sammlung.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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