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StartseiteKultur heute"Den Pollock ein bisschen zur Seite geschoben"12.11.2018

Kunstsammlung NRW"Den Pollock ein bisschen zur Seite geschoben"

Mit dem Forschungsprojekt "Museum global" wollen Museen ihre Sammlungsgeschichte beleuchten. Im K20 in Düsseldorf werden Ergebnisse präsentiert, die den eurozentristischen Blick weiten sollen. Das sei "eine Art zweiter Wiedergutmachung", meint Kunstkritikerin Christiane Vielhaber im Dlf.

Christiane Vielhaber im Gespräch mit Michael Köhler

Uche Okeke; Nigeria; 1961; Oil on board; H x W: 92 x 121.9 cm (36 1/4 x 48 in.); Gift of Joanne B. Eicher and Cynthia, Carolyn Ngozi, and Diana Eicher (Smithsonian Institution)
Uche Okeke: "Ana Mmuo" (1961) (Smithsonian Institution)
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Eine weltbekannte, herausragende Sammlung der Klassischen Moderne sollte die Kunstsammlung NRW, heute K20, werden - eine Art MoMa für Nordrhein-Westfalen. Nur die besten Einzelwerke der europäischen und nordamerikanischen Malerei zwischen 1910 und 1960 wurden gekauft und gesammelt, eine klassisch westliche Sammlung.

"Perspektive grundlegend verändert"

Kein modernes Museum hatte damals eine globale Perspektive, gibt Direktorin Susanne Gaensheimer zu bedenken. "Heute haben sich aber die Rahmenbedingungen verändert. Auch in den Kunst- und in den Geisteswissenschaften hat sich eben die Perspektive vollkommen grundlegend verändert. Und man stellt heute die bei uns bislang gültige eurozentristische Haltung grundsätzlich infrage."

Das Forschungsprojekt "Museum global" der Kulturstiftung des Bundes forderte bedeutende Kunstsammlungen auf, nach der Entstehungsgeschichte ihrer jeweiligen Sammlung zu fragen. Stiftungschefin Hortensia Völckers nannte als Antrieb: "Wirklich sich mit ihrer eigenen Sammlung zu beschäftigen, um zu studieren, was wurde eigentlich nicht gesammelt."

"Warum hab ich von dem noch nie was gehört?"

Die Ergebnisse des Projektes stellt das K20 zur Zeit in der dazu passenden Ausstellung mit dem gleichen Namen aus. Kunstkritikerin Christiane Vielhaber beschreibt im Deutschlandfunk, wie sie sich nach dem Besuch gefühlt hat: Es sei ihr so gegangen, wie in den letzten Jahren, wenn der Literaturnobelpreis verliehen worden sei. "Dann hat man da gesessen und gedacht: 'Warum hab ich von dem noch nie was gehört?'"

Die Ausstellung in Düsseldorf sei "eine Art zweiter Wiedergutmachung", wobei die erste der Ankauf von Werken Paul Klees gewesen sei - die dann unter anderem nach Jerusalem geschickt wurden. Die neue Ausstellung sei etwas mehr "mea culpa, mea maxima culpa", so Vielhaber.

Problemfall Begrifflichkeit

Das Ausstellungsplakat zeigt ein Gemälde von Lasar Segall - er wurde im damaligen Russland geboren, ging nach Dresden, hatte Berührung mit Otto Dix und wanderte in den Zwanzigern nach Brasilien aus. Auf dem Ausstellungsplakat zeigt er sich als Mann mit dunklerer Hautfarbe mit einer weißen Frau vor einer Großstadtkulisse - obwohl er selbst weiß war. Für Christiane Vielhaber fällt der Stil des Bildes unter "Neue Sachlichkeit": "Und ich sage zu der Kuratorin 'Neue Sachlichkeit'. Und die Kuratorin sagt: 'So dürfen wir das nicht so sehen.' Wenn ich jetzt jemandem erzähle, wie sieht das aus, dann sage ich: 'Wie Neue Sachlichkeit', auch wenn das darunter nicht unbedingt firmiert. Aber ich finde das legitim."

Die Bilder des Georgiers Niko Pirosmani haben Christiane Vielhaber beeindruckt: "Da ist ein Stilleben, da hängen die Schweine, und die Fische hängen darunter - es ist so traumhaft schön, also den würde ich sofort in jedes Museum kaufen." Insgesamt aber glaubt sie nicht, dass die Ausstellung das Museum verändert habe. "Ich glaube, dass sich diese ganzen Kuratorinnen unglaublich viel Mühe gegeben haben. Aber ich glaube, dass man die Sammlung des K20 nicht ändern kann. Man hat es jetzt versucht, hat den Pollock ein bisschen zur Seite geschoben. So endet man mit dieser Ausstellung - aber im Grunde genommen freut man sich, wenn wieder alles so hängt, wie es war."

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