Sonntag, 25.08.2019
 
Seit 18:00 Uhr Nachrichten
StartseiteInformation und MusikAm Puls der zeitgenössischen Kunst11.08.2019

Kunstschau BIENALSURAm Puls der zeitgenössischen Kunst

Im Gegensatz zu vielen anderen Kunstbiennalen findet die BIENALSUR nicht nur an einem Ort statt: Sie ist eine Kunstschau mit mehr als 20 Standorten weltweit. "Eine grenzüberschreitende Biennale, die Mauern einreißen will", sagt die künstlerische Direktorin. Es geht um Gender-, Umwelt- und Migrationsthemen.

Von Victoria Eglau

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Video-Installation der arg. Künstlerin Gabriela Golder über Menschen und ihre Migrationsgeschichten - gezeigt in Buenos Aires im Rahmen von BIENALSUR (Victoria Eglau)
Video-Installation der argentinischen Künstlerin Gabriela Golder über Menschen und ihre Migrationsgeschichten - gezeigt in Buenos Aires im Rahmen von BIENALSUR (Victoria Eglau)
Mehr zum Thema

Biennale Venezia Betroffenheitskunst und Symbolpolitik

Ghanas Premiere bei der Kunst-Biennale in Venedig Pavillon "Ghana Freedom" wird zum Kritiker-Liebling

Havanna-Biennale in Kuba Politische Kunst und staatliche Zensurversuche

"Anti"- die 6. Athen Biennale Was bleibt von der documenta-Aufmerksamkeit?

Liverpool Biennale Beautiful World, Where Are You?

10. Berlin Biennale Imagination einer gerechten Welt

"Am Anfang von BIENALSUR stand die Idee, Kunst und Kultur als Vehikel zu nutzen, um Brücken zwischen den Ländern des Südens und ihren Menschen zu schlagen", sagt Aníbal Jozami, Soziologe und Mitgründer der Biennale. Denn in Jozamis Heimat Südamerika waren regionale Integrationsprozesse in den vergangenen Jahrzehnten nicht sehr erfolgreich.

"Ich denke, einer der Gründe war, dass die Nachbarstaaten sich nicht richtig kannten. Die Menschen aus dem Süden wissen weniger übereinander als sie über Europa oder die USA wissen."

Globale Biennale

Die Idee eines Süd-Süd-Dialogs im Rahmen einer Kunstbiennale entwickelte Aníbal Jozami, Rektor der argentinischen Universität UNTREF, gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Diana Wechsler. Aber dann wurde ihr Projekt noch anspruchsvoller und selbstbewusster, als sie ursprünglich geplant hatten: BIENALSUR versteht sich heute als globale Biennale aus dem Süden.

Karte mit den vernetzten Standorten von BIENALSUR (Victoria Eglau)Die Welt trifft sich auf der BIENALSUR (Victoria Eglau)

"BIENALSUR hat auch Standorte in der Schweiz, in Italien, Frankreich oder Japan - also an Orten, die geografisch betrachtet nicht zum Süden gehören. Es ist eine grenzüberschreitende Biennale, die Mauern einreißen will. Innovativ ist auch, dass wir offen für alle Themen der zeitgenössischen Kunst sind, statt ein Thema vorzugeben", sagt die künstlerische Direktorin Diana Wechsler. BIENALSUR misst der aktuellen Kunst also quasi den Puls. Diese wiederum reflektiert Themen, die der Gesellschaft unter den Nägeln brennen.

Wichtige Themen der Gegenwart

"Für diese Biennale haben sich mehr als fünftausend Projekte aus 82 Ländern beworben. Bei mehr als einem Drittel ging es um die Gender-Thematik im weitesten Sinne. Auch Umwelt-, Migrations- und Exilthemen sind stark vertreten", so Wechsler.

Ausgewählt hat die Biennale-Beiträge ein internationales Kuratoren-Komitee nach rein künstlerischen Kriterien. In Metropolen und in der Provinz sind die Arbeiten der vierhundert Biennale-Teilnehmer zu sehen. Nur einige Beispiele: In Potosí, Bolivien, beschäftigt sich eine lateinamerikanische Kunstschau mit ethnischer und rassischer Diskriminierung. Im schweizerischen Crans Montana zeigen argentinische Künstler ihre Open Air-Skulpturen. In Buenos Aires spricht die US-amerikanische Foto-und-Video-Künstlerin Martha Rosler über ihr politisch-feministisches Werk, und der Arte Povera-Pionier Michelangelo Pistoletto setzt mit einer Installation aus bunt bemalten Plastikflaschen im dreckigen Riachuelo-Fluss ein Zeichen gegen Umweltverschmutzung. In der Katholischen Universität Argentiniens wiederum stellen Künstler aus Saudi-Arabien aus.

"Eine kleine Geste, mit der BIENALSUR sich an der aktuellen Herausforderung in der Welt beteiligt, einen Dialog zwischen Islam und Christentum zu schaffen", so Biennale-Chef Aníbal Jozami.

Weltweite Vernetzung

Um ihrem Anspruch eines Austauschs zwischen Ländern, Themen und künstlerischen Ausdrucksformen gerecht zu werden, haben die Veranstalter sich bemüht, viele Standorte von BIENALSUR zu vernetzen. Auf Bildschirmen können die Besucher verfolgen, was an anderen Biennale-Orten in der Welt passiert. Anibal Jozami:

"Es geht uns auch darum, ein neues Publikum anzusprechen, das nichts mit dem traditionellen Kunstpublikum zu tun hat. Und unser Ziel ist, dass die Besucher zwischen den verschiedenen Biennale-Orten interagieren."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk