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StartseiteCampus & KarriereChinesische Kunsthochschule erhält Pergamonfries-Kopie05.03.2019

Kunststudium mal andersChinesische Kunsthochschule erhält Pergamonfries-Kopie

Der Pergamonfries, der den Kampf der Giganten gegen die Götter darstellt, ist ein Magnet für Berlin-Touristen. Künftig kann man ihn aber auch in Fernost bewundern. Die chinesische Kunsthochschule in Hangzhou erhält eine perfekte Kopie des Kunstwerks - zur Freude der dortigen Studierenden.

Von Dietrich Wulf

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Abdruck des Pergamonfrieses in der Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin (Foto: Staatliche Museen zu Berlin/Stefan Kramer)
Zwei Jahre lang wurde an einer perfekten Kopie des Pergamonfrieses gearbeitet, der künftig an einer Kunsthochschule in China zu sehen sein wird (Foto: Staatliche Museen zu Berlin/Stefan Kramer)
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"Wir sind im europäischen oder weltweit wahrscheinlich die Letzten, die noch diese großen Objekte herstellen."

Miguel Helfrich, Leiter der Berliner Gipsformerei. Diese Einrichtung der Berliner staatlichen Museen ist auf Duplikate berühmter Skulpturen spezialisiert. Meist sind es Museen, Architekten oder international bekannte Künstler, die bei der Berliner Kopierwerkstatt ordern. In den letzten zwei Jahren aber war die Gipsformerei fast vollständig mit einem Auftrag der Universität in Hangzhou beschäftigt: Die chinesische Kunstakademie bestellte eine Kopie des gesamten antiken Pergamonfrieses.

"Natürlich ist der Fries sehr, sehr bekannt und auch bei uns in China. Wir alle kennen diesen Altar." Ban Ling Sheng, der Vizedirektor des Instituts für Bildhauerei an der Universität in Hangzhou, vor ein paar Wochen bei seinem letzten Besuch in Berlin.

"Ich bin selbst Bildhauer und auch mich fasziniert, wie die Griechen ihre Objekte gestaltet haben. Und das ist etwas, was in China fehlt. Auch in der Kunstvermittlung."

Warum gerade dieses abendländische Kunstwerk die Chinesen so fasziniert, kann Miguel Helfrich der Leiter der Berliner Gipsformerei, gut verstehen.

"Der Pergamonfries ist ja ein sehr barockes Werk, wo sehr viel Dynamik, sehr viel Ausdruckskraft drin ist, wo Generationen miteinander kämpfen, wo viel auch Gewalt und Kampf da ist und der wird ja auch sehr plastisch, sehr barock ausgeführt und hat auch eine entsprechende Ausdruckskraft und das ist, glaube ich, eine Sache, die dort die Hochschule besonders beeindruckt."

Moderne westliche Kunstauffassung lehren

Und diese griechische Antike, so Bang Ling Sheng, wolle man den eigenen Studenten so authentisch wie möglich präsentieren.

"Früher hatte man in China als Kunststudent einfach nur Bücher oder Bilder und jetzt können wir mit diesem Objekt uns Dinge auch dreidimensional ansehen."

Sich den Pergamonfries als Kopie auf den Campus zu stellen, wird die Universität vermutlich über zwei Millionen Euro kosten.  Für eine Uni, deren Studenten vier bis fünfstellige Eurogebühren pro Semester zu zahlen haben, vermutlich ein Betrag aus der Portokasse. Dass die chinesischen Kunstprofessoren besonders dieses antike griechische Kunstwerk so fasziniert ist für Burkhard Schmitz, Professor an der Berliner Hochschule der Künste, absolut nachvollziehbar.

"Ich glaube, man kann moderne westliche Kunstauffassung nur lehren, wenn man die Ursprünge davon versteht und das ist in dem Fall die Antike. Das macht man hier und so machen die das auch."

Die älteste Kunsthochschule Chinas

Heute werde immer davon geredet, dass die Chinesen alles aus dem Westen kopieren. Historisch aber sei es genau anders herum. Buchdruck, Papiergeld, Porzellan – all das habe es in China bereits gegeben,  Jahrhunderte bevor man es im Westen kannte, meint Burkhard Schmitz.

"Die Chinesen haben ganz lange geglaubt, sie seien der Mittelpunkt der Welt und sie seien das alleine und sie seien nicht drauf angewiesen auf die anderen. Das glauben die nicht mehr, aber sie wollen mitspielen und sie wollen in derselben Liga mitspielen wie wir."

Burkhard Schmitz hat mehrere Jahre im Rahmen einer DAAD-Kooperation auch an der Hochschule in Hangzhou unterrichtet:

"Ich hatte vorher von dieser Stadt noch nie was gehört und die Stadt hat so acht Millionen Einwohner", erinnert er sich. Entsprechend groß ist die Kunstakademie in Hangzhou mit derzeit etwa 9.000 Studenten. Gegründet 1928 ist sie die älteste Kunsthochschule Chinas. 

"In diesem ersten Campus, den ich dort gesehen hab,  so etwas können wir uns nicht leisten -  also nicht mal ansatzweise in der Ausstattung. Es waren alles Neubauten die da hingesetzt wurden. Wann wurde denn in Deutschland das letzte Mal eine Kunsthochschule neu gebaut. Wir können alte Industriegebiete konvertieren, aber das neue Bauen ist ja gar nicht drin."

Ein Neubau für den Pergamonfries

Und an solchen Unis ist dann eben auch die 'Kunst am Bau' entsprechend bombastisch. Wo und wie genau der Antikenfries auf dem Unicampus in Hangzhou präsentiert wird, steht noch nicht ganz fest. Erst mal werden die Kopien wohl in der Bibliothek ihren Platz finden. Langfristig aber plane man ein eigenes Gebäude nur für den Pergamonfries, meint Ban Ling Sheng.

"Wir haben einen Plan. Aber Genaues kann ich noch nicht sagen, aber es wird auf jeden Fall perfekt werden."

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