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StartseiteSternzeitDer Totenkopf mit den drei Sternen23.02.2021

Kurioser Nebel im WalfischDer Totenkopf mit den drei Sternen

Gut 1.600 Lichtjahre entfernt im Sternbild Walfisch schwebt ein Totenkopf – jedenfalls erinnert dieser planetarische Nebel auf den ersten Blick an einen menschlichen Schädel. Jetzt hat ein Team der Europäischen Südsternwarte ESO mit dem Very Large Telescope diesen Nebel so genau beobachtet wie nie zuvor.

Von Dirk Lorenzen

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This planetary nebula, also known as NGC 246, is the first known to be associated with a pair of closely bound stars orbited by a third outer star. (VLT/European Southern Observatory)
Der Totenkopfnebel NGC 246 ist die abgestoßene Hülle eines alternden Sterns (VLT/European Southern Observatory)

Die Strukturen in der Gaswolke erscheinen fast blutrot und in leicht bläulichen Tönen. Die rote Farbe geht auf Wasserstoff zurück, das Blau auf glühenden Sauerstoff.

Tatsächlich hat der Totenkopfnebel mit dem Sterben zu tun. Denn es ist der Überrest eines sonnenähnlichen Sterns. Auch unsere Sonne wird in rund fünf Milliarden Jahren ihre äußeren Schichten ins All pusten und zum Weißen Zwerg werden – vielleicht ähnelt das weggeschleuderte Material dann auch einem Schädel.

Das Sternfeld um den Totenkopfnebel im Sternbild Walfisch (European Southern Observatory/DSS2)Das Sternfeld um den Totenkopfnebel im Sternbild Walfisch (European Southern Observatory/DSS2)

Dieser Nebel ist zwar seit Jahrhunderten bekannt, aber erst 2014 entdeckte ein ESO-Team das bemerkenswerte Innenleben. Dort kreisen der Weiße und ein Roter Zwerg umeinander, die etwa den 500fachen Abstand Erde-Sonne haben. Noch viermal größer ist die Entfernung eines dritten Sterns, der um die beiden Sterne in der Mitte zieht. Im Kosmos ist kein anderer Nebel mit einer solchen Dreier-Konstruktion bekannt.

Der Totenkopf hat inzwischen eine Ausdehnung von etwa fünf Lichtjahren. Er dehnt sich immer weiter aus und das Material verdünnt sich mehr und mehr. In einigen hunderttausend Jahren hat er sich aufgelöst. Und die chemischen Elemente sind dann Rohstoff für neue Sterne – und vielleicht sogar für Planeten und Leben.

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