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StartseiteVerbrauchertippWas Minijobber und Arbeitgeber in der Corona-Krise wissen sollten26.03.2020

Kurzarbeitergeld, Sozialabgaben, KündigungenWas Minijobber und Arbeitgeber in der Corona-Krise wissen sollten

Die Corona-Krise stellt Minijobber und deren Chefs vor große Herausforderungen. Zwar gelten im Krankheitsfall in der Regel die gleichen Voraussetzungen wie für andere Arbeitnehmer. Dennoch: Beim Thema Kurzarbeit oder Kündigungen wegen COVID-19 sollten Minijobber und Arbeitgeber einiges beachten.

Von Klaus Deuse

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Eine Reinigungskraft putzt den Zuschauersaal in einem Theater (picture alliance / Arno Burgi)
Kultur- und Gastronomiebetriebe: Welche Ansprüche haben Minijobber während der Corona-Krise? (picture alliance / Arno Burgi)
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Grundsätzlich gelten für Minijobber die gleichen Voraussetzungen für eine Lohnfortzahlung wie für andere sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, sagt Wolfgang Buschfort von der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, zu deren Verbund die Minijob-Zentrale gehört.

"Das heißt: Wenn ein Minijobber nicht mehr arbeitsfähig ist, dann zahlt der Arbeitgeber bis zu sechs Wochen eben den Verdienst und kann sich das dann letztendlich von der Krankenkasse zurückholen."

Das gilt auch für nachgewiesene Corona-Erkrankungen. Über ein sogenanntes Umlageverfahren erhält der Arbeitgeber dann 80 Prozent von der Krankenkasse erstattet.

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Ist ein Minijobber nicht selbst erkrankt, sondern wird unter Quarantäne gestellt, weil er Kontakt zu Corona-Erkrankten hatte, greifen die Maßgaben des Gesetzes zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

"Dann muss zunächst mal der Arbeitgeber bis zu sechs Wochen den Verdienst weiter zahlen. Im Regelfall dauert die Quarantäne ja nur zwei Wochen – und dann beantragt er anschließend die Erstattung der Kosten bei der zuständigen Gesundheitsbehörde."

Diese Regelung gilt übrigens auch, wenn Quarantänemaßnahmen für Kontaktpersonen eines in der Firma erkrankten Mitarbeiters angeordnet werden. Bei der zuständigen Gesundheitsbehörde handelt es sich in der Regel um ein Gesundheitsamt auf Stadt- oder auf Kreisebene. Somit erhält der Minijobber für diesen Zeitraum weiter seinen Lohn. Der Arbeitgeber tritt dabei nur in Vorleistung.

Anders sieht es beim Kurzarbeitergeld aus, das viele Unternehmen, denen Aufträge weggebrochen sind, für ihre Mitarbeiter beantragen können. Wolfgang Buschfort erklärt warum:

"Grundsätzlich sind Minijobber nicht arbeitslosenversichert und damit steht ihnen letztendlich auch kein Kurzarbeitergeld zu. Das bedeutet, dass Minijobber nicht in Kurzarbeit geschickt werden können und es somit auch keine entsprechende Leistung gibt."

Coronavirus (imago / Science Photo Library)Alle Beiträge zum Thema Coronavirus (imago / Science Photo Library)

Besondere Regelungen in der Sozialversicherung

Für den Fall, dass Arbeitgeber Probleme haben, ihre Minijob-Abgaben zu zahlen, weil wegen der Auswirkungen von Corona der gesamte Betrieb ruht, gelten besondere Regelungen in der Sozialversicherung.

"Die Zahlungsschwierigkeiten werden in diesem Fall durch ein sogenanntes unabwendbares Ereignis verursacht. Und die Einzugsstellen, nicht nur die Minijob-Zentrale, sondern auch die Krankenversicherungen, zeigen sich im Regelfall kulant und verzichten auf die üblichen Gebühren für verspätete Beitragszahlungen. So werden zum Beispiel auch keine Stundungszinsen berechnet oder es werden keine Säumniszuschläge beziehungsweise Mahngebühren erhoben."

Kündigungsfristen gelten weiter

Das setzt aber voraus, dass Arbeitgeber die Minijob-Zentrale umgehend und umfassend über die Gründe informieren. Allerdings können Arbeitgeber, deren Betriebe von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sind, ihren Minijobbern nur deswegen nicht kurzfristig kündigen. An der gesetzlichen Kündigungsfrist ändert sich nichts, betont Wolfgang Buschfort.
 
"Man kann jetzt nicht mit einem Mal einfach sagen, wir haben keine Arbeit mehr, du gehst jetzt. Insofern ist es vielleicht ganz sinnvoll, Minijobber derzeit weiter zu beschäftigen mit den Tätigkeiten, die man irgendwo noch hat, damit man das Ganze irgendwie überbrücken kann."
In Zweifelsfällen gibt die Minijob-Zentrale Auskunft. Informationen können Minijobber auch im Netz unter blog.minijob-zentrale.de abrufen.
 
  

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