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StartseiteVerbrauchertippWie Arbeitnehmer die Krisenhilfe aufstocken können22.04.2020

KurzarbeitergeldWie Arbeitnehmer die Krisenhilfe aufstocken können

Beschäftigte, die von der Coronakrise betroffen sind, können das eigene Kurzarbeitergeld unter Umständen selbst erhöhen. Das geht mit einem simplen, aber wenig bekannten Kniff: die Steuerklasse wechseln. Für wen das funktioniert, wann sich der Wechsel lohnt und wann nicht.

Von Mirjam Stöckel

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Zwei Ein-Euro-Münzen stehen auf einem Geldschein. (dpa / Monika Skolimowska)
Ein Wechsel der Steuerklasse ist zulässig - und damit völlig legal (dpa / Monika Skolimowska)
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Grundsätzlich können nur Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner die Steuerklassen wechseln – Singles und Alleinerziehende nicht. Stefanie Pieper, Organisationsleiterin in Nordrhein-Westfalen des Lohnsteuerhilfevereins "Vereinigte Lohnsteuerhilfe", erklärt das Prinzip des Wechsel-Tricks so:

"Maßgeblich für die Berechnung des Kurzarbeitergeldes ist der letzte Nettolohn. Und den Nettolohn kann ich beeinflussen durch die Wahl der Steuerklasse. Je günstiger die Steuerklasse, desto höher mein Nettolohn."

Immer die Folgen für den Partner mitrechnen

Ein Beispiel: Ein zweifacher Familienvater hat 4.500 Euro brutto pro Monat. Mit Steuerklasse Vier bleiben ihm knapp 2.750 Euro netto, in Steuerklasse drei dagegen gut 3.100 Euro. Die Berechnungsgrundlage seines Kurzarbeitergelds wäre also in Steuerklasse Drei gut 350 Euro höher.

Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)

Wie viel Zusatz-Kurzarbeitergeld ein Steuerklassenwechsel im Einzelfall bringt? Das hängt etwa vom Ursprungsgehalt und vom Umfang der Kurzarbeit ab, ist pauschal also nicht zu sagen. Isabel Klocke, Abteilungsleiterin Steuerrecht und Steuerpolitik beim Bund der Steuerzahler:

"Das kann sehr unterschiedlich sein. Das können mal 50 oder 100 bis 200 Euro oder noch mehr sein." Klocke empfiehlt: Bevor man von der Steuerklassen-Kombination Drei/Fünf zu Vier/Vier oder umgekehrt wechselt, immer die Folgen für beide Partner durchrechnen.

Denn: "Wenn beispielsweise beide in der Steuerklasse Vier bisher waren und in etwa das gleiche Einkommen hatten, und jetzt derjenige Partner mit Kurzarbeitergeld die Steuerklasse 3 wählt und damit sein Kurzarbeitergeld optimiert, rutscht der andere Partner in die Fünf. Und dann muss eben gerechnet werden: Lohnt es sich, das so zu machen? Weil man hat im Monat möglicherweise durch diesen Wechsel zwar mehr Kurzarbeitergeld, aber der Partner in der Steuerklasse Fünf auch weniger Nettogehalt."

Und das muss man sich leisten können. Mit dem Online-Abgabenrechner des Bundesfinanzministeriums unter www.bmf-steuerrechner.de lässt sich die eigene Situation gut prüfen. "Dort kann man auch Brutto- und Nettoentgelte mit Steuerklassen ausrechnen." So Klocke - und dann Szenarien vergleichen.

Dabei auch berücksichtigen: Durch eine neue Steuerklassenkombination können in manchen Fällen am Jahresende Steuernachzahlungen fällig werden. Und: Die sieben Prozentpunkte Kinder-Zuschlag aufs Kurzarbeitergeld bekommen Eltern nur dann, wenn auf ihrer elektronischen Lohnsteuerkarte ein Kinderfreibetrag eingetragen ist. "Für die Steuerklasse fünf können keine Kinder eingetragen werden. Betroffene können aber bei der Arbeitsagentur eine Bescheinigung über ihre Elternschaft erhalten und diese an den Arbeitgeber weiterreichen, um den Zuschlag zu bekommen." (*)

Völlig legaler Trick

Im Zweifel hilft ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfe-Verein bei den Kalkulationen. Der Wechseltrick ist übrigens völlig legal. So schreibt das baden-württembergische Finanzministerium: "Ein Wechsel ist nicht an eine spezielle Motivation geknöpft und somit auch zulässig, um die Berechnungsbasis für das Kurzarbeitergeld zu verändern."

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Der Steuerklassenwechsel an sich ist dann überraschend unbürokratisch. Stefanie Pieper von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe.

"Das ist einseitiges Formular. Das kennt man vom Finanzamt sonst weniger. Aber da gibt es das tatsächlich: einseitig! Sind nur die persönlichen Daten einzutragen, die Stammdaten, und zu unterschreiben – und das war’s dann schon."

Den Antrag auf Steuerklassenwechsel gibt es beim Finanzamt – auch online. Und wer sich sehr beeilt, hat vielleicht schon im Mai mehr Netto vom Brutto – und mehr Kurzarbeitergeld auf dem Konto.

(*) Anmerkung der Redaktion: Was bei Steuerklasse fünf zu beachten ist, wurde an der Stelle noch mal präzisiert.

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