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Zwei Windräder von Offshore-Windpark Alpha Ventus stehen still

Technik. - Vor einem Jahr wurden die ersten Anlage im ersten deutschen Offshore-Windpark "Alpha Ventus" errichtet, Ende des Jahres standen dann alle zwölf Windräder, im April wurden sie feierlich eingeweiht, und seit Mai stehen zwei Anlagen wieder still, weil es Probleme mit dem Getriebe gibt. Der Wissenschaftsjournalist Sönke Gäthke berichtet im Gespräch mit Monika Seynsche über die Hintergründe.

Im Windpark Alpah Ventus in der Nordsee gibt es Probleme. (AP)
Im Windpark Alpah Ventus in der Nordsee gibt es Probleme. (AP)

Seynsche: Herr Gäthke, diese Getriebe sind doch sicher vorher ausführlich getestet worden, oder?

Gäthke: Sie sind sogar ausgiebig getestet worden vorher. Also, 2004 wurde die erste dieser 5-MW-Anlagen als Testanlagen in Bremerhaven errichtet. Und seitdem noch drei weitere. Im letzten Jahr hat man sich diese Anlagen komplett einmal durchgeschaut und hat keinerlei Probleme festgestellt. Der Haken ist jetzt nur, für die Anlage, die auf See gebaut worden sind, hat man andere Materialien für die Getriebe verwendet. Das heißt, dieses neue Material der Gleitlager dehnt sich stärker aus als das alte. Passiert ist das folgende: Die Anlage läuft bei voller Leistung und wird warm, das Getriebe wird natürlich auch warm, es muss etwas tun. Das dehnt sich jetzt aus und weil die Anlage sehr kompakt ist, stößt es links und rechts an die anderen Komponenten an. Das heißt, es schleift, es wird zusätzlich heißer und im schlimmsten Fall kann sich das Öl entzünden. Das will man natürlich nicht, und deswegen sind die Anlagen vorsichtshalber abgeschaltet worden.

Seynsche: Aber wie kann das denn sein, dass man ein Material einsetzt, anstatt das einzusetzen, was vorher erfolgreich getestet worden ist?

Gäthke: Da stehen wir vor einem Rätsel. Also die Betreibergesellschaft Doti zeigt sich auf Anfrage überrascht, offiziell weiß man gar nicht, dass da das Material ausgetauscht wurde. Der Getriebehersteller Renk, das ist derjenige, der diese Getriebe entwickelt hat, der aber auch das Gleitlager einbaut, der verweist auf Anfrage auf eine Pressemitteilung vom Mutterkonzern Areva, also vom Mutterkonzern des Windkraftradherstellers. Da ist aber auch nicht Erhellendes zu finden. Man findet nur einen Satz, der darauf hindeutet, dass man wohl jetzt dieses Problem erkannt hat, und dieser Satz besagt: Für jedes weitere an Areva Wind gelieferte Getriebe setzt Renk jetzt das ursprüngliche Lagermaterial ein.

Seynsche: Sind denn jetzt weitere Anlagen geplant von diesem Hersteller Areva?

Gäthke: Oh ja, die setzen große Stücke auf diese Anlage. Man hofft in Frankreich am Ärmelkanal dort den ersten französischen Offshore-Windpark aufzubauen, man plant in England Offshore-Windparks damit zu bauen, und in der Nordsee ebenfalls. Da kommen solche Probleme natürlich absolut ungelegen. Aber die sind noch nicht die einzigen, die diese Probleme haben. Im Augenblick haben alle Hersteller, alle Windparkbetreiber in der Nordsee ein großes Problem mit den Fundamenten von so genannten Monopiles.

Seynsche: Was ist denn das?

Gäthke: Monopile-Windräder, das sind solche, für die im Meer nur ein einziger großer Stahlzylinder in den Boden gerammt wird. Eben deshalb mono pile. Und über diesen Monopile wird dann ein Rohr gestülpt, und auf diesem Rohr der Turm für die Windanlagen festgemacht. Jetzt muss dieser Zylinder irgendwie festgemacht werden, und das macht man in der Regel mit einer Verfugmasse aus Kies, Sand und Zement. Die hält aber offenbar nicht, das heißt also, es gibt einige Windparkbetreiber, die haben festgestellt, dass dieses Rohr sich etwas bewegt in diesem Fundament. Und das geht natürlich gar nicht, das bedeutet,... ja!

Seynsche: Sie sagten, dieses Problem gibt es in einigen europäischen Offshore-Windparks. Gibt es die auch bei Alpha Ventus in Deutschland?

Gäthke: Nein, nein das gibt es nicht bei Alpha Ventus, denn diese Technik, diese monopiles eignet sich eigentlich nur für eine Tiefe von zehn oder 14 Meter. Alpha Ventus ist wirklich in tieferen Gewässern gebaut worden, bis zu 30 Meter tief. Und da hat man eine andere Technik verwendet. Man hat die Anlagen entweder auf einem Dreibein aufgestellt, oder auf ein regelrechtes Gittergerüst. Ohne Überraschung ist das auch nicht abgegangen: Wenn man solche Gerüste in den Meeresboden stellt, stellt man sie in den Weg von Meeresströmungen, und die neigen dazu, Verwirbelungen zu bilden. Und diese Verwirbelungen können dann Löcher in den Boden bohren, regelrechte Auskolkungen, so nennt man das in Norddeutschland. Und diese Löcher sind größer ausgefallen als gedacht, das heißt, man hat damit gerechnet, dass die einen Meter Tiefe würden, die sind tatsächlich sechs Meter tief geworden.

Seynsche: Das klingt aber auch nicht sehr beruhigend!

Gäthke: Naja, aber es ist jetzt auch nicht wahnsinnig beängstigend. Die Pfeiler selber sind 30 Meter tief in den Boden gerammt, da macht so ein Loch von sechs Metern jetzt nicht so wahnsinnig viel. Außerdem werden diese Löcher kontinuierlich überwacht, und man hat aber festgestellt, dass die seit Januar eigentlich sich nicht mehr vergrößern.

Seynsche: Wie geht es denn jetzt weiter mit diesen Getrieben, die kaputt gegangen sind? Wird das repariert?

Gäthke: Nein, sie werden einfach schlicht und ergreifend ausgetauscht. Das geht an Land einfach viel besser, sie zu reparieren. Und man hofft, dass man dann im August losfahren kann zu den Windkraftanlagen, wenn das Wetter günstig ist, um sie dann in mehreren Wochen auszutauschen. Ob das klappt, hängt dann vom Wetter ab.

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