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StartseiteHintergrundKurzes Tauwetter nach langer Eiszeit25.02.2006

Kurzes Tauwetter nach langer Eiszeit

Vor 50 Jahren: Chruschtschow verurteilt den "Personenkult" um Stalin

"Schon die ersten Worte Chruschtschows über die Gräuel und Verbrechen Stalins ließen mich buchstäblich erschauern." So erinnert sich in seiner Autobiografie der vor kurzem verstorbene Gorbatschow-Vertraute Alexander Jakowlew an den Auftritt des Ersten Sekretärs Nikita Sergejewitsch Chruschtschow vor dem XX. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU).

Chruschtschow nannte die Verbrechen Stalins beim Namen.  (AP)
Chruschtschow nannte die Verbrechen Stalins beim Namen. (AP)
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Jakowlew, damals noch ein junger, untergeordneter Funktionär im Parteiapparat, war – wie er schreibt - eher zufällig in die als "geheim" deklarierte Sitzung geraten. Er wurde Augen- und Ohrenzeuge eines atemberaubenden Vorgangs, der das kommunistische Lager nachhaltig erschüttern sollte und im Westen für eine Sensation sorgte. Denn das "Geheim-Protokoll" dieses Referats fand rasch seinen Weg in die Öffentlichkeit und bald danach auch über die Grenzen der Sowjetunion hinaus.

Inzwischen vertreten manche Historiker sogar die Ansicht, dass mit dieser Moskauer Rede Chruschtschows am 25. Februar 1956 und der darin formulierten vernichtenden Kritik am Politiker und Menschen Stalin - natürlich unbewusst - bereits der Boden für den späteren Gorbatschow’schen Kurs der "glasnost" und "perestrojka" in der UdSSR bereitet worden sei. Mit anderen Worten und gewiss verkürzt gesagt: Ohne die an sich noch sehr vorsichtigen ersten Schritte Chruschtschows vor genau einem halben Jahrhundert, die Verbrechen Stalins beim Namen zu nennen, sowie die darauf folgenden Erosionserscheinungen - vor allem in den mittelosteuropäischen Staaten des "real existierenden Sozialismus"- hätte es bis zum endgültigen Kollaps des Sowjetsystems ab 1989/90 womöglich noch viel länger gedauert.

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