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StartseiteVerbrauchertippLohnt sich ein Darlehen im Pfandhaus?08.02.2019

Kurzzeit-KreditLohnt sich ein Darlehen im Pfandhaus?

Eine unerwartete und teure Reparatur wie bei einer defekten Heizung kann das fest verplante Haushaltsbudget schnell übersteigen. Um diesen kurzfristigen finanziellen Engpass zu überbrücken könnte man zur Bank gehen, falls der Dispokredit noch Spielraum bietet. Viele gehen aber auch in ein Pfandhaus.

Von Klaus Deuse

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Ein Pfandleihhaus im Münchner Bahnhofsviertel. (dpa / picture alliance / M. C. Hurek)
Gegenüber einem Kredit bei der Bank bietet die Verpfändung gewisse Vorteile - aber auch Nachteile (dpa / picture alliance / M. C. Hurek)
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Vor allem Uhren und Schmuck, aber auch teure Smartphones und Tablets gehören zu den am meisten beliehenen Gegenständen. Pfandhausinhaber Joachim Struck weiß darum auch, wer die Dienste seiner Branche in Anspruch nimmt:

"Zu den Kunden des Pfandleihers zählt die gesamte breite Mitte der Gesellschaft. Die ganz Armen haben keine Wertsachen, die ganz Reichen Kreditwünsche, die überhaupt nicht vom Pfandleiher erfüllt werden können."

Die Laufzeit eines Pfandkredits beträgt drei Monate. Falls der Kunde seinen Kredit nicht zurückzahlt, kann der Gegenstand nach vier Monaten versteigert werden. Man sollte folglich gut überlegen, ob man in diesem Zeitraum in der Lage ist, das Pfand wieder auszulösen, sagt Birgit Vorwerk von der Verbraucherzentrale NRW. 

"Der Gang ins Pfandhaus kommt insbesondere in Betracht, wenn jemand kurzfristige Engpässe hat, finanzielle Engpässe, die er überbrücken will und aus irgendeinem Grund seinen Dispo-Kredit nicht benutzen will oder nicht benutzen kann."

Im Pfandhaus lässt sich ein Engpass schnell überbrücken. Zudem bietet der Pfandkredit gegenüber einem besicherten Kredit von der Bank nach den Worten von Rechtsanwalt Wolfgang Schedl, dem Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Pfandkreditgewerbes, einen weiteren Vorteil.

"Aufgrund dieser Besonderheit des Pfandkredits bedarf es auch keiner Nachweise über die Vermögens- und Einkommensverhältnisse des Kunden. Selbst eine Schufa-Eintragung würde nicht entgegenstehen."

Hohe Zinsen und Bearbeitungsgebühren

Das klingt unkompliziert, kostet aber auch Geld. In der staatlichen Pfandleihverordnung ist der Zins festgelegt, den Kunden bezahlen müssen. Unter dem Strich, sagt Birgit Vorwerk von der Verbraucherzentrale NRW, kann das relativ teuer werden.

"Es werden fällig einmal Zinsen, und zwar ein Prozent pro Monat. Das sind immerhin zwölf Prozent pro Jahr an Zinsen. Und zusätzlich noch einmal Bearbeitungsgebühren. Die sind bei Pfandkrediten bis 300 Euro gesetzlich festgelegt. Also für 300 Euro zahlt man beispielsweise 6,50 Euro pro Monat. Bei Krediten über 300 Euro sind sie Verhandlungssache. Es werden meistens zwei bis drei Prozent der Kreditsumme pro Monat genommen."

Man sollte vorher genau ausrechnen, wie viel letztlich durch Zinsen und Gebühren an Kosten entstehen. Falls der Kunde den Kredit nicht zurückzahlen kann, besteht aus Sicht des Zentralverbandes des Deutschen Pfandkreditgewerbes dennoch nicht die Gefahr einer Schuldenfalle. Auch nicht bei einer Versteigerung seines Pfandes, sagt Wolfgang Schedl. Denn:

"Und selbst wenn in dieser gesetzlich vorgeschriebenen Versteigerung kein Erlös erzielt wird, der das Darlehen deckt, so ist dieser Verlust vom Pfandleiher zu tragen. Das heißt: der Kunde haftet auch hierfür nicht."

Überschuss der Versteigerung an Kunden

Umgekehrt bekommt der Kunde den Überschuss, falls die Versteigerung mehr erbringt als Verbindlichkeiten plus Zinsen und Gebühren betragen. Verbraucherberaterin Vorwerk empfiehlt trotzdem, nur so viel Geld aufzunehmen wie man tatsächlich benötigt und nicht den für das Pfand gebotenen Maximalbetrag.

"Wenn ich also nur 200 Euro benötige, aber 400 Euro bekommen könnte, macht es im Grunde keinen Sinn, die 400 Euro zu nehmen, weil man zahlt dafür sehr viel Geld."

An Zinsen und Gebühren. Wer dringend Geld benötigt, hat nichts zu verschenken. Außerdem ist es ratsam, sich Angebote von mehreren Pfandleihern einzuholen.

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