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StartseiteKalenderblattDie Ikone der spanischen Linken12.11.2014

"La Pasionaria"Die Ikone der spanischen Linken

Der Dichter Rafael Alberti widmete ihr hymnische Gedichte, Kommunisten-Führer wie Ho Tschi Minh und Fidel Castro zeigten sich Arm in Arm mit ihr: Dolores Ibárruri, genannt "La Pasionaria" war eine der Ikonen des spanischen Bürgerkriegs. Vor 25 Jahren starb die kommunistische Politikerin.

Von Julia Macher

(picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)
Statue von Dolores Ibarruri in Schottland (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)
Weiterführende Information

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(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 28.11.2012)

Die Internationale zu singen, darum wurde Dolores Ibárruri immer wieder gebeten - auch mit 87 Jahren erfüllte sie den Wunsch gern: Ganz so, wie man es von ihr, der Ikone des Bürgerkriegs, erwartete.

In einem kleinen Dorf im Baskenland war sie am 9. Dezember 1895 geboren worden und wuchs als achtes von elf Kindern in einer katholischen Bergarbeiterfamilie auf. Mit den Ideen von Marx und Engels kam sie erstmals über ihren Mann, einen sozialistischen Minenarbeiter, in Berührung. Unter dem Pseudonym "Pasionaria" publizierte sie erste Artikel und zog 1931, als Redakteurin der vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei herausgegebenen Zeitung Mundo Obrero, nach Madrid.

Journalistin, Politikerin und Frauenrechtlerin

Als Abgeordnete und Präsidentin der Union der antifaschistischen Frauen setzte sie sich vor allem für die Rechte ihrer Geschlechtsgenossinnen ein. Das ganze Talent der Pasionaria als Agitatorin zeigte sich in den unzähligen Ansprachen, in denen sie sich nach dem Militärputsch vom 18. Juli 1936 an ihre Landsleute wandte.

"Volk, das sich erhoben hat! Frauen! Wir müssen alle nur denkbaren Opfer bringen und dürfen nicht zulassen, dass Unterdrückung und Tyrannei den Triumph davontragen. Kämpfen wir gemeinsam gegen den Faschismus! Schulter an Schulter. Bis wir den Feind besiegt haben,"

"No pasarán - sie werden nicht durchkommen", „Besser aufrecht sterben als ein Leben auf den Knien": Ibárruris einprägsame Parolen wurden zu geflügelten Worten. Sie selbst galt vielen als Sinnbild der spanischen Republik: Eine große Frau mit markanten Gesichtszügen, die Haare zum strengen Konten gebunden, stets im traditionellen Schwarz - volksnah, unbeugsam, leidgeprüft: Nur zwei ihrer sechs Kinder überlebten den dritten Geburtstag.

Franco zur Zeit des spanischen Bürgerkriegs im Jahr 1936. (picture alliance / dpa)Franco zur Zeit des spanischen Bürgerkriegs im Jahr 1936. (picture alliance / dpa)

Ende Oktober 1938 verabschiedete Dolores Ibárruri in Barcelona die Internationalen Brigaden, die die Republik im Kampf gegen das aufständische Militär unterstützt hatten. Drei Monate später verließ sie selbst das Land. In Moskau 1942 zur Generalsekretärin der spanischen Exil-Kommunisten gewählt, zeigte sich die linientreue Stalinistin hart und unbeugsam gegenüber angeblichen "Verrätern in den eigenen Reihen". José Manuel Rua vom Bürgerkriegsstudienzentrum CEHI in Barcelona:

"Die "Pasionaria" gehört zu einer Generation, die bereit ist, alles zu tun, um das Paradies auf Erden zu schaffen. Die Kommunisten dieser Zeit sind quasi laizistische Gläubige, die ihre Ziele mit Disziplin und Opferbereitschaft verfolgen: Das Ziel rechtfertigt die Mittel. Insofern steht sie für das Beste und das Schlechteste des spanischen Kommunismus."

Aus dem Moskauer Exil rief Dolores Ibárruri zum Widerstand gegen Franco auf und stellte, gemeinsam mit ihrem Parteifreund Santiago Carrillo, Weichen für entscheidende Entwicklungen. Die Partei verließ ihre Guerrilla-Taktik: Statt sich in den Bergen Scharmützel zu liefern, unterwanderten die Kommunisten die "vertikalen Syndikate", die Pseudo-Gewerkschaften der Franco-Diktatur.

Ab 1956 propagierten Ibárruri und Carrillo die "Politik der nationalen Versöhnung", mit der die von Franco betriebene Teilung in Bürgerkriegs-Sieger und Besiegte überwunden werden sollte. Tatsächlich handelten nach dem Tod des Diktators am 20. November 1975 Oppositionelle und Reformkräfte des Regimes gemeinsam die Grundlagen für ein demokratisches Spanien aus. 1976 wandte sich Ibárruri zum letzten Mal aus der Ferne an ihre Landsleute:

"Ich rufe alle Spanier dazu auf, ein für alle Mal die Spaltung unseres Landes durch Bürgerkrieg und Franco-Diktatur zu überwinden. Heute sage ich nicht "Adiós", sondern "Bis bald" in Madrid."

In Madrid widmete man der Rückkehrerin aus dem Exil Lieder, Lesungen, Filme - aber die Zeit der "Pasionaria" als Politikerin war vorbei. Bei den ersten spanischen Parlamentswahlen blieb die Kommunistische Partei, mit ihr und Carrillo an der Spitze, weit hinter den Erwartungen zurück. Am 12. November 1989 starb Dolores Ibárruri, die große Ikone der Linken an den Folgen einer Lungenentzündung.

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