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StartseiteInformationen am MorgenWas sich gut verkauft, wird auch oft geklaut21.06.2016

LadendiebstähleWas sich gut verkauft, wird auch oft geklaut

Ladendiebe und unehrliche Mitarbeiter haben im vergangenen Jahr im Handel einen Schaden von vier Milliarden Euro verursacht. Das geht aus einer Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI Retail hervor. 120 Firmen mit 20.000 Läden haben sich an der Umfrage beteiligt.

Von Jörg Marksteiner

Scheine und Münzen liegen im Geldfach einer Ladenkasse. (dpa-Bildfunk / Jens Büttner)
Ladendiebstahl macht etwas über die Hälfte des Schadens aus, aber auch unehrliche Mitarbeiter, Lieferanten oder falsch ausgezeichnete Preise verursachen hohe Kosten (dpa-Bildfunk / Jens Büttner)
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Es sind nicht nur Kleinkriminelle, die zugreifen, und Parfum, Kosmetik, Smartphones und Druckerpatronen mitgehen lassen. Zu den Top-Klau-Produkten zählen auch Babynahrung, Akkuschrauber, hochwertige Damenbekleidung und Outdoorjacken -- und wenn die aus den Läden verschwinden, liegt das nicht immer nur an Profis:

"Was sehr dreist ist, was man immer wieder auch erlebt: Dass auch Stammkunden Potenzial haben für Diebstahl. Und das ist eigentlich das Schlimme, weil man auch menschlich enttäuscht wird. Man berät einen Kunden eine halbe Stunde lang über ein Produkt – und nebenbei klaut er sich zur Skiausrüstung noch ein Stirnband. Weil er sich denkt: Ich nehme mir meinen Rabatt noch mit, das steht mir zu."

Hans-Jürgen Nausch arbeitet für Checkpoint Systems, einem Spezialisten für Sicherheitslösungen im Handel. Früher, sagt er, waren es vor allem Elektromärkten und Modeläden, die ihre Sachen mit speziellen Verpackungen und Sicherheitsetiketten geschützt haben. Jetzt ziehen immer öfter auch Supermärkte und Baumärkte nach – und setzen dabei auf Abschreckung:

"Während man früher Produkte sehr versteckt gesichert hat, da war man eher auf Diebfang aus – dass man den Dieb erwischt, gehen wir heute diesen Weg, dass wir Ware ganz bewusst sichern, ganz plakativ und eine Prävention betreiben, dass wir im Vorfeld schon den Diebstahl vermeiden."

Darauf hofft die ganze Branche. Denn die Schäden durch Ladendiebstähle steigen jedes Jahr – erstmals wurde jetzt die Marke von vier Milliarden Euro durchbrochen, hat Frank Horst ausgerechnet, Sicherheitsexperte beim Kölner Handelsforschungsinstitut EHI. Sein Team hatte knapp 120 Unternehmen mit 20.000 Läden befragt. Frank Horst, Leiter des Forschungsbereichs Inventurdifferenzen beim EHI:

"Im letzten Jahr sind die Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel von 3,9 auf Milliarden Euro gestiegen. Der Anstieg um etwa 100 Millionen Euro wird vor allem auf die Zunahme von organisierten Bandendiebstählen zurückgeführt."

Falsch ausgezeichnete Preise, Falschbuchungen, Mitarbeiter, die zugreifen

Die Zahl der schweren Ladendiebstähle habe in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Etwa jeder vierte Euro an Schaden gehe mittlerweile auf das Konto dieser organisierten Bandenkriminalität, heißt es in der Diebstahlsstudie. Frank Horst:

"Generell gilt: Was sich gut verkauft, wird auch oft geklaut. Häufig sind es kleine, relativ teure Artikel, die sich leicht in der Kleidung oder mitgebrachten Behältnissen verstecken lassen. Auch die leichte Wiederverkäuflichkeit spielt eine große Rolle – zum Beispiel bei Beschaffungskriminalität oder Diebstählen auf Bestellung."

Es sind aber nicht nur klauende Kunden und Banden, die Milliardenschäden verursachen. Sie haben zwar im vergangenen Jahr Artikel im Wert von 2,2 Milliarden Euro eingesteckt. Dazu kommen aber auch noch falsch ausgezeichnete Preise, Falschbuchungen und vor allem auch Mitarbeiter, Servicekräfte und Lieferanten, die ebenfalls zugreifen. Sie haben zusätzlich Waren im Wert von 1,1 Milliarden Euro verschwinden lassen, heißt es in der Studie.

Aktuell rüsten viele Läden deshalb technisch auf: 1,3 Milliarden Euro gibt die Branche in diesem Jahr für Sicherheitstechnik aus. Aktuell besonders gefragt sind hoch auflösende, intelligente Kameras.

Bislang kommen nur geschätzt zwei Prozent aller Ladendiebstähle zur Anzeige. Ärgerlich für die Geschäfte: Sie bleiben auf dem Schaden sitzen. Denn anders als bei Einbrüchen, können sie sich gegen Ladendiebstahl in der Regel nicht versichern. Im Zweifel zahlt am Ende der ehrliche Verbraucher: weil der Schaden und die Investitionen in die Sicherheit in die Preise eingerechnet werden.

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