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StartseiteSport am WochenendeCoronavirus als Risiko für die EM01.03.2020

Länderübergreifendes TurnierCoronavirus als Risiko für die EM

In dreieinhalb Monaten soll die Fußball-Europameisterschaft starten - erstmals verteilt auf zwölf Länder. Ist das trotz der stetigen Ausbreitung des Coronavirus möglich? Die UEFA und die nationalen Fußballverbände verhalten sich abwartend. Eine Vorhersage ist schwierig.

Von Mathias von Lieben

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Sicherheitskräfte mit Mundschutz bei einem Fußballspiel in Moskau (imago/ITAR-TASS)
Die Verbreitung des Coronavirus könnte auch Auswirkungen auf die Fußball-Europameisterschaft haben (imago/ITAR-TASS)
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Dem so genannten Ökodesign entsprechen Wertstoffe, die sich möglichst gut voneinander trennen und verwerten lassen. Bei vielen Verpackungen in Deutschland ist das aber bisher nicht der Fall. Darum sollte man beim Gang zur Mülltonne einiges beachten, um möglichst ökologisch seinen Müll zu entsorgenItalien gegen Türkei. Am 12. Juni soll das Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft in Rom angepfiffen werden. So sieht es zumindest der offizielle Terminkalender der UEFA vor. Der wurde allerdings konzipiert, bevor das Coronavirus in China ausbrach – und anschließend auch Europa erreicht hat. Die letzten Tage haben gezeigt: Das Virus breitet sich weiter aus und bringt nicht nur den europäischen Sportkalender schon jetzt gehörig durcheinander. Zwangsläufig stellt sich die Frage: Wird die erste paneuropäische Fußball-Europameisterschaft in zwölf unterschiedlichen Ländern planmäßig stattfinden können?

Der Sportmediziner Hans-Georg Predel von der Sporthochschule Köln ist skeptisch – vor allem vor dem Hintergrund, dass dann auch Hunderttausende Fans quer durch Europa reisen würden. Gegenüber RTL sagte er vor wenigen Tagen: "Das ist natürlich ein Eldorado für jedes Virus, auch das Corona-Virus. Und aus diesem Grunde wird man, wenn die Situation nicht kontrolliert werden kann, auch eine Absage, hoffentlich aber nur eine Verschiebung der EM in Betracht ziehen müssen."

Spiele der italienischen Serie A bereits verlegt

Ein Blick nach Italien: Erst gestern hat die italienische Fußballliga dort fünf Partien der Serie A wegen des Virus auf den 13. Mai verschoben. Der Tag, an dem ursprünglich das Finale des italienischen Pokals angesetzt war. Das soll nun eine Woche später, am 20. Mai, stattfinden. Genau drei Wochen vor dem Start der EM. Da Italien derzeit das Land mit den meisten erfassten Corona-Fällen in Europa ist, drohen weitere Verschiebungen. Terminkollisionen: programmiert.

Ein weiteres Szenario skizzierte auch FIFA-Präsident Gianni Infantino am Wochenende gegenüber der Nachrichtenagentur AP: Er halte es für denkbar, dass wegen des Corona-Virus Fußball-Länderspiele im März abgesagt werden müssen. Das ist der Monat, in dem sich nicht nur die deutsche Nationalmannschaft mit Spielen gegen Italien in Nürnberg und gegen Spanien in Madrid auf die EM vorbereiten will.

Auch Folgen für die Europameisterschaft?

Für die Europameisterschaft bleibe alles beim Alten, heißt es allerdings bei der UEFA in einer Pressemitteilung auf Anfrage des Deutschlandfunks: "Die Europameisterschaft 2020 wird am 12. Juni 2020 in Rom gestartet. Die Uefa steht bezüglich des Corona-Virus und dessen Entwicklungen in Kontakt mit den zuständigen internationalen und lokalen Behörden. Im Moment sehen wir keine Notwendigkeit, am geplanten Zeitplan etwas zu ändern. Die Angelegenheit wird aber ständig überprüft werden."

Etwas skeptischer klang da vor einigen Tagen noch UEFA-Vizepräsident Michele Uva im Interview mit dem italienischen Radiosender Rai Radio Sport 1: "Wir sind in einer Phase des Abwartens und beobachten die Situation Land für Land. Der Fußball muss dann den Anweisungen der Regierungen in den einzelnen Staaten folgen."

Keine Panik, so die UEFA-Devise. Und es stimmt ja auch: Noch sind es mehr als drei Monate bis zum geplanten Start der EM. Prognosen heute: Schwierig und rein spekulativ. Konsequenzen für die Europameisterschaft wollte Uva trotzdem nicht kategorisch ausschließen: "Der sportliche Weg wird erst geschlossen sein, wenn sich die Situation verschlimmert."

Nationale Fußballverbände warten ab

Am 3. März trifft sich das UEFA-Exekutivkomitee zu seiner turnusmäßigen Sitzung, diesmal in Amsterdam. Das Corona-Virus steht dort zumindest bislang noch nicht auf der offiziellen Tagesordnung. Thema sein dürfte es allemal.

An der Sitzung teilnehmen werden auch einige der Präsidenten der zwölf nationalen Fußballverbände Europas, in deren Ländern die Spiele der paneuropäischen Europameisterschaft stattfinden sollen. Wir haben alle zwölf Landesverbände angeschrieben und nach möglichen Konsequenzen des Corona-Virus auf ihre EM-Planung befragt. Der Tenor der Antworten der Verbände aus Italien, den Niederlanden, Dänemark, England und Deutschland: Wir stehen mit allen relevanten Behörden in Kontakt und beobachten die Ausbreitung des Corona-Virus andauernd. Interviews seien derzeit leider nicht möglich, bei allen Fragen zur EM bitte gleich an die UEFA wenden.

Beim DFB gibt es eine Arbeitsgruppe zum Corona-Virus 

Wie der DFB dem Deutschlandfunk allerdings mitteilte, sei bereits eine interne Arbeitsgruppe zu der Corona-Thematik eingerichtet worden. Dieser Gruppe gehören DFB-Sicherheitsexperten, Vertreter aus der DFB-Zentrale und Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer als Vorsitzender der medizinischen Kommission des DFB an. Meyer wies unter der Woche in einem Interview auf der DFB-Homepage mit Blick auf die anstehenden DFB-Pokalspiele darauf hin, dass auch hierzulande Spiele vor leeren Rängen denkbar seien. Entscheidungen über einen Zuschauerausschluss oder Spielabsagen müssten allerdings die Gesundheitsbehörden treffen.

Ähnlich äußerte sich auch DFB-Präsident Fritz Keller am Samstagabend im ZDF-Sportstudio: "Wir müssen das sehr ernst nehmen und wir müssen uns da auf die Institute und die Behörden verlassen und dann handeln. Letztendlich müssen das die Behörden entscheiden, ob ein Spiel stattfindet oder nicht. Das steht nicht in unserer Macht."

EM-Absage beim Austragungsort München offenbar kein Thema

Die Stadt München, geplanter Austragungsort von drei EM-Vorrundenspielen sowie einem Viertelfinale, hat seit dieser Woche einen Stab für außerordentliche Ereignisse wie das Corona-Virus eingerichtet. Doch Christian Müller, Ko-Vorsitzender der SPD-Fraktion im Münchner Stadtrat, warnte im Deutschlandfunk-Sportgespräch vor Panikmache:

"Also erstmal ist die EM ja noch eine ganze Zeit hin. Wir haben uns jetzt mit der Frage wie wir mit den Auswirkungen des Virus umgehen erstmal beschäftigt im Hinblick auf unsere Gemeinschaftseinrichtungen. Das ist viel wichtiger und viel naheliegender. Im Moment geht's um Schulen und Kindertagesstätten aber noch nicht um die EM. Ich bin guten Mutes, dass die Europameisterschaft stattfinden wird."

Auch wenn das Corona-Virus in Deutschland derzeit die Berichterstattung dominiert und täglich neue bestätigte Fälle vermeldet werden: Seriös lassen sich mögliche Auswirkungen auf eine Europameisterschaft im Sommer wahrscheinlich erst in einigen Wochen treffen.

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