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StartseiteSprechstundeBewegungsübungen fürs Gleichgewicht22.01.2019

LagerungsschwindelBewegungsübungen fürs Gleichgewicht

Gutartiger Lagerungsschwindel zählt zur häufigsten Erkrankung des Gleichgewichtsorgans. Ursache sind vermutlich kleine Partikel, die sich durch Unfall oder Alter im Innenohr ablösen und das Gleichgewicht stören. Bei Kristiane Erbe ließen sich die Beschwerden durch gezielte Bewegungen gut therapieren.

Von Lennart Pyritz

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Eine Frau behandelt eine auf einer Liege liegende Frau physiotherapeutisch (Universitätsklinikum Bonn (UKB)/Johann F. Saba)
Mit dem sogenannten Epley-Manöver erzielen Behandler und Behandlerinnen beim Lagerungsschwindel gute Erfolge (Universitätsklinikum Bonn (UKB)/Johann F. Saba)
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"Also ich war mit dem Fahrrad unterwegs. Ein Fußgänger ist mir reingelaufen, dadurch kam's zum Sturz. Ich hatte eine Platzwunde, bin aufgestanden und sagte aber dann gleich – das sagte mir nachher der andere Unfallbeteiligte – dass ich gesagt hätte: Mir ist schwindelig."

Kristiane Erbe – mittellanges graues Haar, Perlenohrringe und rosafarbener Pullover – sitzt auf einer Liege im Behandlungsraum der Physiotherapie am Universitätsklinikum Bonn. Der Unfall, von dem sie berichtet, geschah vor zwei Jahren. Zehn Tage lag die damals 78-Jährige anschließend im Krankenhaus. Nach sechs Tagen traten Probleme mit dem Gleichgewichtssinn auf. Barbara Jahnke, seit knapp 30 Jahren Physiotherapeutin am Universitätsklinikum Bonn, übernahm die Behandlung.

"Wir arbeiten da immer sehr eng mit den Ärzten zusammen. Und die haben dann einen Lagerungsschwindel bei der Frau Erbe diagnostiziert und zwar bei der Kopfdrehung nach rechts."

Das Epley-Manöver

Heute demonstrieren die beiden Frauen noch einmal, wie der gutartige Lagerungsschwindel bei Kristiane Erbe vor zwei Jahren therapiert wurde: mit Hilfe des sogenannten Epley-Manövers. Die Physiotherapeutin steht rechts von ihrer ehemaligen Patientin und fordert sie auf, sich mit ausgestreckten Beinen auf die Liege zu setzen. An deren Kopfende liegt ein schmales Kissen.

"So, Sie drehen den Kopf jetzt einmal zu mir, so 45 Grad, ein bisschen nach hinten nehmen, und legen sich rasch hin, sodass der Kopf über dem Kissen liegt. Und Sie merken, wenn jetzt Schwindel auftaucht, wie Sie es beschrieben haben, wie dramatisch das war – dieser Schwindel dauert maximal 30 Sekunden, meistens zwischen zehn und 30 Sekunden und ist dann vorüber."

Barbara Jahnke wechselt auf die andere Seite der Liege.

"Ohne den Kopf anzuheben, drehen Sie ihn jetzt einmal so 90 Grad zu mir herüber. Auch da: Wir wollen eigentlich, dass der Schwindel auftritt, weil dann wissen wir, dass das Manöver richtig ist, und dass es eben hilft. Sie werden sich jetzt gleich noch mal weiter zu mir drehen. Stellen Sie mal das rechte Bein auf. Und Sie drehen jetzt 90 Grad den Kopf und gleichzeitig den Körper zurück, sodass das Gesicht Richtung Bank zeigt, so schräg nach unten. Und immer wieder wissen: 30 Sekunden verharren. Und nach diesen 30 Sekunden aus dieser Position bitte hinsetzen."

Nach einmaliger Wiederholung bis heute schwindelfrei

Kristiane Erbes erster Eindruck nach der Übung vor zwei Jahren: Horror.

"Ich hab gedacht, ich komme aus diesem Raum nicht wieder raus. Alles drehte sich, die Wände, die Decke. Und wenn hier nicht Frau Jahnke gestanden hätte, wäre ich auch nicht von dieser Liege gekommen."

Nach einer kurzen Weile geht es Kristiane Erbe dann allerdings besser. Der Schwindel ist weg und sie fährt nach Hause. Am nächsten Tag tauchen die Gleichgewichtsstörungen beim Anziehen der Strümpfe allerdings wieder auf. Kristiane Erbe wiederholt die Übung vom Vortag. Wieder wird ihr schrecklich schwindelig.

"Aber ich bin dann auch aufgestanden und hab nie wieder Schwindel gehabt – bis heute."

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