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StartseiteInformationen am MorgenVorteil Dreyer im TV-Duell02.03.2016

Landtagswahl in Rheinland-PfalzVorteil Dreyer im TV-Duell

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer von der SPD will an der Regierung bleiben, Julia Klöckner von der CDU will übernehmen. Am Dienstagabend trafen sie zum ersten Fernsehduell zwischen zwei Spitzenkandidatinnen in einem Bundesland aufeinander.

Von Anke Petermann

CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner, SWR-Moderator Fritz Frey und  die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) beim TV-Duell zur Landtagswahl.  (imago/Alternate)
CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner, SWR-Moderator Fritz Frey und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). (imago/Alternate)
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Malu Dreyer läuft als zweite im Funkhaus ein. Im roten Blazer, wie so oft. Später aber überrascht die SPD-Spitzenkandidatin - mit ungewohnter Angriffslust. Wird man erleben, dass sie – Dreyer - sich in der Flüchtlingspolitik deutlich hinter Angela Merkel und deren Beharren auf einer europäischen Lösung stellt, während ihre Kontrahentin von der CDU das weniger deutlich tut? Vorm Duell weicht die Ministerpräsidentin aus. "Das kann ich ehrlich gesagt nicht vorhersehen, weil ich noch nicht genau weiß, wie der Abend heute läuft."

Doch genau das gehört offensichtlich zur Strategie, nämlich vor laufender Kamera einen Keil zwischen die beharrliche Bundeskanzlerin und ihre mit Plan A 2 drängelnde Stellvertreterin Julia Klöckner zu treiben. Die beschwört zwar stets Einigkeit, setzt sich aber durch enge Kontakte zu Merkels Kritiker Seehofer dem Verdacht der Illoyalität aus. Genau das nutzt die studierte Staatsanwältin Dreyer zum Auftakt des TV-Duells, um Anklage gegen Klöckner zu erheben. "Die Kanzlerin hat einfach recht. Wir brauchen eine europäische Lösung." Dreyer wendet sich der Widersacherin direkt zu. "Sie fallen ihr in den Rücken, anstatt sie zu stärken. Sie braucht eigentlich die Unterstützung von ganz Deutschland."

Moderator Fritz Frey hatte Klöckner zuvor mit Bezug auf ihr Interviewbuch einen Widerspruch vorgehalten. Im Oktober 2015 nannte sie Flüchtlingskontingente inhuman, im März 2016 fordert sie Tageskontingente wie in Österreich. Frage (Frey): "Wie geht das zusammen?" – "Flexible Tageskontingente", betont die CDU-Politikerin im dunkelblauen Kostüm, seien menschlich und praktikabel. – "Und Sie bringen die beiden Kriterien zusammen?" – "Ich schon, es hängt ja vielleicht vom Verständnis ab. Es passt nicht alles in eine Schlagzeile, Herr Frey!"

Das Wahlprogramm der SPD: Ma und lu

Ob das suggerieren soll, dass "Herr Frey" zu oberflächlich fragt oder nicht genau hinhört? Die zuckersüße Anrede immer dann, wenn sich die CDU-Spitzenkandidatin in die Enge getrieben sieht, wirkt jedenfalls herablassend. Klöckners Problem in diesem Duell: Nachdem sie die Eingangsfragen nach mangelnder Solidarität mit Merkel und eigener Inkonsequenz nicht überzeugend beantwortet, wirkt die Glaubwürdigkeit angekratzt. Vielleicht registriert die Herausforderin selbst, dass es nicht wirklich glänzend läuft. Anders als sonst wirkt Julia Klöckner angestrengt. Apropos - vorm Duell wird Malu Dreyer gefragt, ob sie sich mit Entspannungsübungen präpariert. "Dafür habe ich jetzt gerade überhaupt keine Zeit - für Entspannungsübungen."

Doch die Fragen nach Sigmar Gabriel, dem SPD-Chef auf Schlingerkurs, atmet Genossin Dreyer im Duell recht locker weg. Mag der Fernsehchefredakteur des SWR Dreyer noch so oft auf den Berliner Frontmann und den Umfragen-Keller von 23 Prozent der SPD im Bund ansprechen - die sonst nicht übermäßig egozentrische Sozialdemokratin antwortet konsequent in der ersten Person: "Ich kämpfe dafür, dass ich Ministerpräsidentin in diesem Land bleibe, da geht es doch um die Frage, was bringe ich in diesem Land, was leiste ich in diesem Land. Es geht weniger um die Frage, ob ich Rückenwind habe aus Berlin oder nicht."

Soll wohl heißen, der rheinland-pfälzische Wähler kann sich die Mühe sparen, Gabriels verbalen Hakenschlägen zu folgen. Viel einfacher: sich zu konzentrieren auf das kürzeste Wahlprogramm, das die Genossen je hatten. Zwei Silben nur: Ma und lu.

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