Donnerstag, 21.11.2019
 
Seit 17:35 Uhr Kultur heute
Lange Nacht

Neu ab Oktober 2019: Die "Lange Nacht" finden Sie künftig auf den Programmseiten von Deutschlandfunk Kultur. Wie gewohnt können Sie dort die Audios der Sendung für eine Woche nach der Ausstrahlung hören. Auch in der Dlf Audiothek ist die Lange Nacht beim Programm Deutschlandfunk Kultur sieben Tage lang abrufbar.

Nächste Sendung: 23.11.2019 23:05 Uhr

Lange Nacht
„Eingeschlossen zwischen sterbliche Dinge“
Eine Lange Nacht über das Mittelmeer
Von Manuel Gogos
Regie: Claudia Mützelfeldt
(Wdh. v. 5./6.11.2016)

Einst erschien das Mittelmeer als Zentrum der Welt. Als Mare Nostrum war es jahrhundertelang die Arena, in der sich Weltgeschichte abspielte. In der Antike war es Schauplatz von Entdeckungsfahrten und Seeschlachten, von Religionsstiftungen und Kriegen zwischen den Religionen; es war ein Umschlagsplatz für Handel und Ideen. Seit der Renaissance bildete die Méditeranée die geistige Landschaft, in der sich ein humanistisches Europa, fasziniert vom Ideal des Maßes, selbst entwarf. Die ‚Lange Nacht‘ durchmisst das Mittelmeer von West nach Ost. Wenn an Steuerbord die weiße Stadt Algier auftaucht, hört man die frühen Mittelmeeressays des späteren französischen Nobelpreisträgers Albert Camus. Wenn an Backbord die Hafenstadt Marseille vorbeizieht, kommt die besondere Anziehungskraft dieses großen Umschlagplatzes der französischen Kolonialgeschichte zur Sprache. In der Langen Nacht des Mittelmeers geht es um Schiffbrüche, um Seemannsgarn à la Homer, um Aberglauben und Meeresschaum, um den Gesang der Sirenen. Es geht auch um die Inselfahrten nordeuropäischer Sonnensucher, um die Landschaften, in denen die Olivenbäume „mit ihren Händen Licht sieben“ (Odysseas Elytis). Auch Lampedusa kommt in Sicht, dieses raue Eiland zwischen Afrika und Europa, das schon William Shakespeare als Vorbild seines Dramas ‚Der Sturm‘ diente. Heute laufen hier die Flüchtlingsrouten und Sehnsüchte Schwarzafrikas zusammen. Auch dies ist das Mittelmeer: ein Burggraben der Festung Europa und ein Massengrab. Am Ende der Reise gelangen wir ins östliche Mittelmeer und gehen in Athen an Land. Müssen wir Abschied nehmen vom Sehnsuchtsort Mittelmeer? Oder lädt das Mittelmeer gerade heute, wo Europa in einer Identitätskrise steckt, zu einer anderen Art der Geschichtsschreibung ein: Kann man Europa neu denken, von seinem Ursprung, vom Süden her?
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Lange Nacht - Vorschau

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