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StartseiteInformationen am MorgenRennen um CDU-Vorsitz geht in die heiße Phase16.10.2020

Laschet, Merz oder RöttgenRennen um CDU-Vorsitz geht in die heiße Phase

Die Coronakrise hat einen richtigen Wahlkampf um den CDU-Vorsitz bisher verhindert. Aber am 4. Dezember soll der neue Parteivorsitzende gewählt werden. Daher finden die drei Aspiranten Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen ihre eigenen Wege, sich in Stellung zu bringen.

Von Katharina Hamberger

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Das Parteilogo der CDU ist auf dem Landesparteitag der CDU Sachsen-Anhalt zu sehen. (dpa-Bildfunk / Hendrik Schmidt)
Am 4. Dezember will die CDU einen neuen Parteivorsitzenden wählen (dpa-Bildfunk / Hendrik Schmidt)
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Applaus, volle Hallen, viele Menschen, eng an eng sitzend, Aufbruchstimmung – So hatten sich sicher viele das Rennen zwischen Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen wohl vorgestellt. Dann aber kam Corona ­- und damit alles ganz anders.

"Der Wettbewerb um den CDU-Vorsitz hat jetzt keine Priorität mehr, sondern es gibt jetzt andere Prioritäten. Und darum macht dieser Wettbewerb jetzt eine Pause", sagt Norbert Röttgen Mitte März auf seinem damals grade frisch für seine Kandidatur eingerichteten Instagram-Account.

Die Kandidaten für den CDU-Vorsitz: Armin Laschet, Norbert Röttgen und Friedrich Merz (v.l.) (dpa / picture alliance / Federico Gambarini /Eventpress Staufenberg / Kay Nietfeld) (dpa / picture alliance / Federico Gambarini /Eventpress Staufenberg / Kay Nietfeld)Wer wird neuer Parteivorsitzender?
Wegen der COVID-19-Pandemie hat die CDU die Entscheidung um die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer an der Parteispitze vertagt. Kandidaten sind weiterhin Norbert Röttgen, Armin Laschet und Friedrich Merz.

Corona sorgte für eine Vollbremsung im Wettbewerb um den CDU-Vorsitz, der eigentlich schon im April dieses Jahres entschieden werden sollte. Daraus ist nun Dezember geworden – und dabei bleibt es auch nur, wenn Corona den Christdemokraten nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Aus dem kurzen Wahlkampf-Sprint ist ein für Partei und Kandidaten anstrengender Dauerlauf geworden – der nach einem halben Jahr in den entscheidenden Schlussspurt geht.

Bei einer Veranstaltung der Jungen Union NRW Anfang Oktober treten Röttgen, Laschet und Merz zum ersten Mal an einem Ort auf. Wenn auch hintereinander. Damit war die heiße Wahlkampfphase eröffnet.

Bei einer Talkrunde, zu der die Junge Union Deutschland eingeladen hat, werden die drei dann zum ersten Mal nicht nur hintereinander, sondern miteinander vor virtuell zugeschaltetem Publikum reden. Danach können die Mitglieder der Jugendorganisation zwei Wochen lang über ihren Favoriten abstimmen. Und für den November hat die scheidende Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer zusammen mit Laschet, Röttgen und Merz Corona-konforme Formate in der CDU-Parteizentrale geplant – zusätzlich kämpft jeder für sich.

Röttgens Aufschlag

Norbert Röttgen setzt auf sein eigenes Talkformat bei Instagram und arbeitet daran, sein Image als der steife Kopfmensch loszuwerden, als der er oft im NRW-Wahlkampf 2012 beschrieben worden ist.

"Sie haben heute was ganz anderes an". "Klar, ich geh nicht mit Anzug und Krawatte spazieren", erwidert Röttgen. Bei dem Spaziergang mit einer RTL-Reporterin für einen Fernseh-Beitrag ist auch sein Hund Crissy zu sehen, Röttgen wirft Stöckchen. Auf einem anderen, etwas verwackelten Foto hält er Thüringer Rostbratwurst und Bier in die Handykamera. Und natürlich: Röttgen setzt voll auf seine Expertise als Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses im Bundestag – der auch in Corona-Zeiten gefragt ist.

Friedrich Merz hingegen hat Corona am Anfang erstmal härter getroffen als seine Konkurrenten – er war selbst infiziert, hat die Krankheit aber gut überstanden.

"Es geht mir wieder gut, ich bin zurück an der Arbeit und ich grüße Sie mit besonderer Herzlichkeit", sagt er in einem Instagram-Video zu Ostern.

Merz ist aber auch derjenige, der vor allem von den Auftritten auf Festen und in Hallen profitieren kann. Ein politisches Amt, das in Corona-Zeiten gefragt wäre, hat er nicht. Im Frühjahr konnte er also, im Gegensatz zu z.B. Armin Laschet, wenig machen, außer seine Social Media Kanäle zu bespielen. Ein Bild zeigt ihn beim Einkaufen mit Plastikkorb und Maske im Supermarkt vor einem Kühlregal. Die Aussage: Merz ist noch da.

Der Wahlkampf von Merz ist nicht fehlerfrei

Im Juni eröffnet er dann aber offiziell seinen eigenen innerparteilichen Wahlkampf. Mittlerweile tourt Merz, soweit es geht, wieder von Veranstaltung zu Veranstaltung - 14 weitere stehen im Moment noch auf einer Liste auf seiner Homepage. Vor allem bei den ostdeutschen Landesverbänden ist er ein gern gesehener Gast, auch der Wirtschaftsflügel steht hinter ihm. Allein deren Delegierte reichen beim Parteitag aber nicht. Merz arbeitet deshalb genau wie Röttgen offenbar an seinem Image. Es gibt mittlerweile viele Bilder von ihm im Pulli, mal ernst, mal lachend,– und die Kanzlerin kritisiert er wenn dann nur noch homöopathischen Dosen. Fehlerlos bleibt sein Wahlkampf dennoch nicht, ein Beispiel: ein Interview bei bild.de. Auf die Frage, ob er Vorbehalte hätte, wenn heute ein Schwuler Bundeskanzler würde, antwortet Merz zunächst mit Nein, fügt aber dann an:

"Also ich sag mal so, über die Frage der sexuellen Orientierung, das geht die Öffentlichkeit nichts an, solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion"

Dafür wird er heftig kritisiert, ihm wird vorgeworfen einen gedanklichen Zusammenhang zwischen Homosexuellen und Pädophilie herzustellen. Zunächst spricht Merz von einem bösartig konstruierten Zusammenhang und versucht es dann mit einer Entschuldigung: Die Äußerung sei offensichtlich missverstanden worden. Wenn sich irgendjemand davon persönlich getroffen gefühlt habe, bedauere er das wirklich sehr.

Laschet setzt auf Erfahrung als Ministerpräsident

Und Laschet? Während Röttgen seine Kompetenz in der Außenpolitik zur Schau stellt, kaum ein Interview auslässt, Merz Landes-, Kreis- und Stadtverbände am laufenden Band besucht, setzt Laschet auf seine Erfahrung als Ministerpräsident. Offiziell ist er vor allem das und wenig Wahlkämpfer in eigener Sache.

Anfang Oktober sitzt er im großen Saal im Haus der Bundespressekonferenz. Hinter ihm die blaue Wand, neben ihm NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart von der FDP. Sie stellen einen Entschließungsantrag für die anstehende Bundesratssitzung vor – es geht um Bürokratieabbau. Damit soll der Wirtschaft geholfen werden.

"Ja, mit dem 4. Dezember hat das nichts zu tun", beteuert Laschet. Ein wenig bleibt dennoch der Eindruck, da will einer zeigen, dass er genauso über Wirtschaftskompetenz verfügt, wie viele sie Friedrich Merz zuschreiben. Und Laschet liegt in Umfragen meist hinter ihm. Obwohl er zu den handelnden Personen in der Corona-Krise gehört, kann er nur wenig davon profitieren und muss auch noch dabei zusehen, wie ihm Markus Söder zeigt, dass das durchaus möglich ist. Vor Corona hätte wohl kaum jemand gedacht, dass dieser Söder, für den Horst Seehofer einst das Wort Schmutzeleien erfand, zu einem der beliebtesten Politiker im Land wird. So beliebt, dass mancher in der Union ihn sogar schon als Kanzler sieht – auch wenn der CSU-Chef in den unterschiedlichsten Varianten betont: "Ich hab ja immer gesagt, wo mein Platz ist: Hier in Bayern"

Der vierte Mann im Hintergrund

Aber es ist nicht nur Laschet, der noch arbeiten muss, wenn er im Dezember CDU-Chef werden will. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL von Ende September würden nur rund die Hälfte der bisherigen Unionswähler 2021 auf jeden Fall wieder CDU oder CSU wählen. Die andere Hälfte macht dies vom Kanzlerkandidaten abhängig. Würde es Merz, würden laut der Umfrage 9 Prozent zusätzlich weiter Union wählen, bei einem Kanzlerkandidaten Laschet wären es 8 Prozent, bei Röttgen nur 6 Prozent mehr – und für alle drei wohl besonders bitter: Ein Kanzlerkandidat Markus Söder könnte 81 Prozent der bisherigen Unionswähler auf sich vereinen. Und es nicht nur der CSU-Chef, der allen dreien Sorgen bereiten dürfte – denn bei der Veranstaltung der NRW-JU bekam ein vierter auch viel Applaus – trotz Abwesenheit: "und weil wir unterschiedliche Typen sind, bin ich froh, dass Jens Spahn mit in dieses Team hineingegangen ist, er ist einer der …." weiter kommt Armin Laschet erstmal gar nicht mehr, als er denjenigen erwähnt, der mit ihm eigentlich im Team antritt: Gesundheitsminister Jens Spahn. Bislang will er nur Parteivize werden. Aber es sind noch rund zwei Monate bis zum Parteitag und schon der Anfang des CDU-internen Wahlkampfes hat gezeigt: In nur ein paar Wochen kann sich vieles ändern.

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