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StartseiteKommentare und Themen der WocheBlasser Zauderer auf dem Prinzenthron15.03.2021

Laschet und die CDU-WahlschlappeBlasser Zauderer auf dem Prinzenthron

Armin Laschet tut, als wenn ihm die Verluste der CDU bei den Landtagswahlen nichts anhaben können, kommentiert Stephan Detjen. Als CDU-Chef hat schließlich nur er aus eigener Kraft Zugriff auf die Kanzlerkandidatur. Doch die Probleme der CDU können sich zu einer echten Wechselstimmung verdichten.

Von Stephan Detjen

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Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, nimmt an einer Pressekonferenz im Konrad-Adenauer-Haus der CDU nach den Gremiensitzungen zu den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz teil. (picture alliance / Michael Kappeler)
Das Bild vom blassen Zauderer aus Düsseldorf täusche über Laschets tatsächliche Machtposition hinweg, so Stephan Detjen (picture alliance / Michael Kappeler)
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Armin Laschet hat sich verhalten, als wäre er schon, was er erst werden will: Bundeskanzler, der sich schlechte Nachrichten aus der deutschen Provinz wie Haarschuppen vom dunklen Sakko wischt und dann in Regierungsflieger zum nächsten Gipfeltreffen entschwindet. Laschet hat zwar weder das Wahlergebnis vom Sonntag noch die bösen Nachrichten von den Maskendealern in den eigenen Reihen schöngeredet. Aber er hat so getan, als sei das alles keine ernsthafte Bedrohung für ihn. Die Sache mit den Masken hoffte er, durch einen hinter den Kulissen schnell und vernichtend abgeschossenen Bannstrahl gegen die Übeltäter erledigen zu können. Die Wahlergebnisse ließ er mit präsidialer Geste an sich abperlen. 

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (links) sitzt neben seinem bayerischen Amtskollegen Markus Söder und unterhält sich bei einer Veranstaltung 2019 in Münster mit ihm (picture alliance / Flashpic / Jens Krick) (picture alliance / Flashpic / Jens Krick)Politologin: Die CDU hat "ein mehrfaches Problem"
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Was Armin Laschet unterließ

Dass Laschet nicht schon gestern in den Ring gestiegen war, ist ihm - nicht ganz zu Recht - als Wegducken angekreidet worden. Auch Angela Merkel hatte sich nach Landtagswahlen – verlorenen wie gewonnen – immer erst nach den Sitzungen der Führungsgremien am nächsten Tag öffentlich geäußert. Aber Merkel ist eben Kanzlerin, Laschet will es erst werden. Gestern und heute Vormittag hat er die Bühne jenen überlassen, die ihre Ambitionen dort mit sichtbaren Vergnügen zur Schau stellten: Olaf Scholz, Annalena Baerbock, Robert Habeck und heute Morgen auch Markus Söder.

Der CSU Chef tat, was Laschet unterließ: Söder diktierte der großen Schwesterpartei und der Bundesregierung eine To-do-Liste von A wie Aufräumen bis Z wie Zupacken. Das soll und wird erneut die Spekulationen darüber befördern, ob Söder nicht doch selbst Kanzler werden will. Ob es aber mehr ist, als das alt Muskelspiel das zum Rollenbild bayerischer Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden gehört, bleibt weiter offen.

Keine verschworene Riege von Rivalen in der CDU - noch

Doch das vordergründige Bild vom tatendurstigen Kraftprotz in München und blassen Zauderer aus Düsseldorf täuscht über Laschets tatsächliche Machtposition hinweg. Als CDU-Vorsitzender hat nur er aus eigener Kraft den Zugriff auf die Kanzlerkandidatur. Er sitzt auf einem Prinzenthron, von dem ihn Söder allein nicht verdrängen kann. Das weiß auch der CSU-Chef genau. Anders als im Machtkampf zwischen Angela Merkel und Edmund Stoiber 2002 gibt es keine verschworene Riege von Rivalen in der CDU, die nach dem CSU-Chef rufen, um dem eigenen Vorsitzenden den Weg Richtung Kanzleramt zu versperren. Zumindest noch nicht.

CDU und ebenso CSU haben seit dem Jahresbeginn einen dramatischen Stimmungsumschwung erlebt. In der Corona-Politik sind die Regierungsparteien in die Defensive geraten. Der Maskenskandal wird der Union wie Teer an den Füßen kleben. Die Wahlen befeuern den politischen Klimawandel. Im tosenden Sturm der Nachrichten, Spekulationen und schnellen Urteile werden auch Meldungen wie jetzt die vom Stopp der AstraZeneca-Impfungen parteipolitisch wirken. All das kann sich im Laufe der nächsten Wochen zu einer echten Wechselstimmung verdichten. Spätestens dann müsste Armin Laschet das feine Sakko ablegen, die Ärmel hochkrempeln und zeigen, dass er auch zum Raufbold taugt.

Stephan Detjen  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen, Chefkorrespondent von Deutschlandradio. Studierte Geschichtswissenschaft und Jura an den Universitäten München, Aix-en-Provence sowie an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Rechtsreferendariat in Bayern und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1997 beim Deutschlandradio, zunächst als rechtspolitischer Korrespondent in Karlsruhe. Ab 1999 zunächst politischer Korrespondent in Berlin, dann Abteilungsleiter bei Deutschlandradio Kultur. 2008 bis 2012 Chefredakteur des Deutschlandfunk in Köln. Seitdem Leiter des Hauptstadtstudios Berlin sowie des Studios Brüssel.

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