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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin Zukunftsteam mit befristeter Aussicht 03.09.2021

Laschets WahlkampfmannschaftEin Zukunftsteam mit befristeter Aussicht

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet habe ganz bewusst kein Schattenkabinett für den Schlussspurt des Wahlkampfs vorgestellt, kommentiert Stephan Detjen. Für eine neue Regierungsbildung soll noch alles möglich bleiben – wenn es denn überhaupt dazu kommt.

Ein Kommentar von Stephan Detjen

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Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet präsentiert sein Zukunftsteam am 3. September (AFP / John Macdougall)
Laschet und sein Team: Andreas Jung (CDU), Dorothee Bär (CSU), Terrorismus-Experte Peter Neumann, die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien, Barbara Klepsch (CDU), Joe Chialo, Musikmanager, Silvia Breher (CDU) Friedrich Merz (CDU) (AFP / John Macdougall)
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In den Tagen der Not hat die CDU ihre Wahlkampfstrategie gewechselt: Anders als ursprünglich geplant gibt es jetzt doch das Bild, auf dem Armin Laschet von einem Team umstellt ist. Vier Männern und vier Frauen sollen beweisen, dass die CDU mehr zu bieten hat als den Spitzenkandidaten, der seine Partei zuletzt mehr nach unten als nach vorne gezogen hat.

Eine erwartete Mischung

Die Mischung des Teams ist so wie man das eben macht: Repräsentation der Flügel und Landesverbände, bewährte Kompetenzen und aufstrebende Kräfte, Konvention und Überraschung - von der dynamischen Stellvertretenden Parteivorsitzenden Silvia Breher über den Klimaexperten der Fraktion, Andras Jung, bis zu dem afrikastämmigen Musikmanager und Bundestagsdkandidaten Joe Chialo aus Berlin und dem Londoner Terrorismusexperten Peter R. Neumann. Nur Friedrich Merz war früh als Mitglied eines bis heute namenlosen Teams und möglicher Wirtschaftsminister benannt worden.

  (dpa) (dpa)Dafür steht CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet
Für die CDU kandidiert ihr Vorsitzender Armin Laschet ums Kanzleramt. Nach unglücklichen Auftritten und sinkenden Umfragewerten hat der 60-Jährige zum Endspurt des Wahlkampfs ein achtköpfiges Team berufen.

Ein Schattenkabinett ist die Runde nicht und sie soll das ganz bewusst nicht sein. Auch amtierende Bundesminister sind schließlich nicht dabei, weder Laschets Vorgängerin Annegret Kramp Karrenbauer noch sein Running Mate im Wettbewerb um den Parteivorsitz Jens Spahn. Laschet wollte es vermeiden, vor der Wahl eine Auswahl unter noch amtierenden Kabinettsmitgliedern zu treffen. Für eine neue Regierungsbildung soll alles möglich bleiben – wenn es denn überhaupt noch dazu kommt. Die Aussagekraft des heute präsentierten Teams ist deshalb begrenzt.

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Kampagne gegen die SPD

Mindestens ebenso wie als Werbung für die eigenen Köpfe und Ideen aber ist die Präsentation Teil der offensiven Kampagne gegen die neue Umfragenkönigin SPD. Die Behauptung der Union ist, Olaf Scholz könne gar kein entsprechendes Team um sich versammeln, weil vor allem die Widersprüchlichkeit der SPD sichtbar würde, wenn sich die Vorsitzende Saskia Esken oder Parteivize Kevin Kühnert um den Schröder- und GroKo-Mann Scholz versammeln würden, den sie als Parteichef und Kanzlerkandidaten eigentlich mit allen Mitteln verhindern wollten.

Merkels Amtsbonus unterschätzt

Dass ausgerechnet Scholz sich nun als wahrer Nachlassverwalter Angela Merkels in Szene setzt, beweist eine politische Chuzpe, zu der Armin Laschet nicht in der Lage war. Knapp die Hälfte der CDU und mehr noch die CSU sehnte sich lange nach einem konsequenten Kurswechsel der Union nach Merkel. Sie haben unterschätzt, welches politische Kapital sie am Ende ihrer Ära mit dem Vertrauen, der Popularität und dem Amtsbonus der Kanzlerin in den Händen hielten. Scholz hat es der mit sich hadernden Union entschlossen entrissen. Hätte sich Laschet stattdessen darauf verlassen, dass er zwar knapp aber doch mehr als die Hälfte seiner Partei hinter sich hatte und so konsequent wie Scholz einfach die Raute gemacht – er hätte es heute vielleicht nicht nötig gehabt, ein Zukunftsteam um sich zu scharen, dessen Zeit schon in 23 Tagen abgelaufen sein könnte.

Stephan Detjen  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen, Chefkorrespondent von Deutschlandradio. Studierte Geschichtswissenschaft und Jura an den Universitäten München, Aix-en-Provence sowie an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Rechtsreferendariat in Bayern und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1997 beim Deutschlandradio, zunächst als rechtspolitischer Korrespondent in Karlsruhe. Ab 1999 zunächst politischer Korrespondent in Berlin, dann Abteilungsleiter bei Deutschlandradio Kultur. 2008 bis 2012 Chefredakteur des Deutschlandfunk in Köln. Seitdem Leiter des Hauptstadtstudios Berlin sowie des Studios Brüssel.

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