Dienstag, 10.12.2019
 
Seit 15:05 Uhr Corso - Kunst & Pop
StartseiteInformationen am Morgen"Wir hoffen, dass Gott ihn erleuchtet"10.11.2016

Latinos zum Ausgang der US-Wahl"Wir hoffen, dass Gott ihn erleuchtet"

Eine Mauer an der Grenze zu Mexiko will Donald Trump errichten, illegale Einwanderer ausweisen, Mexikaner hat er als Vergewaltiger beschimpft. Die Reaktionen unter den in Kalifornien stark vertretenen Latinos auf die Wahl Donald Trumps zeigen, dass sie ihrem zukünftigen Präsidenten wenig vertrauen - so wenig, dass einige auf göttlichen Beistand hoffen.

Von Wolfgang Stuflesser

Anti-Trump Kundgebung in Mexiko (imago/ZUMA Press)
Teil der Politik Trumps: gegen Hispanics und illegale Einwanderer aus Zentralamerika. (imago/ZUMA Press)
Mehr zum Thema

Alle Beiträge zur US-Wahl

US-Wahl Portal

Nach der Wahl in den USA Tausende protestieren gegen Trump

BDI-Präsident Grillo "Auch ein Präsident Trump wird erkennen, dass Freihandel wichtig ist"

Christoph Bartmann: "Trump hat einen kulturellen Gestaltungswillen der negativen Art"

SPD-Politiker Voigt "Trump muss auf unsere Interessen Rücksicht nehmen"

Wahlanalyse Das Phänomen Trump

US-Wahl Was Trump den Weg geebnet hat

Trump und die Hochschulen "Kritische Stimmen werden aus der Wissenschaft kommen müssen"

Amerika nach dem Trump-Sieg Video: Korrespondent Thilo Kößler über den Wahlausgang

Trump als US-Präsident "Jeder verdient seinen Anfang und seine Zeit"

Trump wird US-Präsident Amerikas Brexit

Greenpeace International "Eine Energiewende stoppt nicht mit Trump"

USA Trump gewinnt die Präsidentschaftswahl

Gregor Gysi (Die Linke) "Er wird die Ungerechtigkeit deutlich verschärfen"

Friedrich Merz (CDU) zu Donald Trump "Das Ergebnis einer zunehmenden Radikalisierung der Parteien"

Norbert Röttgen (CDU) zu Donald Trump "Wenn die Stimme der Wut der mächtigste Mann der Welt wird"

Sie habe vorige Nacht geweint, sagt Gloria, denn sie habe Angst um dieses Land. Gloria ist Anfang 60 und arbeitet in der Stadtbücherei von Boyle Heights, einem von Latinos geprägten Stadtteil von Los Angeles. Wie die meisten ihrer Latino-Freunde hat sie Hillary Clinton gewählt. Zu Donald Trump habe sie einfach kein Vertrauen.

Da ist sie nicht allein: Der 33-jährige Manuel kam als Kind mit seinen Eltern aus El Salvador in die USA. Ich frage ihn, ob er vor einem Präsident Donald Trump Angst hat. "Ich habe Angst", bestätigt er.

Er selbst hat die amerikanische Staatsbürgerschaft - doch es geht ihm um die sogenannten illegalen Einwanderer, die also keine gültige Aufenthaltserlaubnis haben. Ihre Zahl liegt in den USA je nach Schätzung zwischen acht und elf Millionen. Präsident Obama ist zwar daran gescheitert, ihnen einen Weg zu öffnen, amerikanische Bürger zu werden. Aber immerhin gab er denjenigen, die schon als Kinder mit ihren Eltern in die USA kamen, eine Möglichkeit, der drohenden Deportierung zu entgehen. Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, er werde illegale Einwanderer in großem Umfang in Ihre Heimatländer deportieren lassen. Und Manuel befürchtet, dass der neue Präsident sein Versprechen halten wird.

Die Casa del Mariachi ist eine Institution in Boyle Heights. Viele Latinos hier arbeiten als Mariachi-Musiker und spielen auf Familienfesten. Die nötigen Trachtenanzüge dafür kaufen sie in diesem Kleidergeschäft bei Jorge Trello.

Angst habe er keine, sagt der 62-Jährige. Die Sache mit der Mauer, die Trump errichten will, sei eine politische Lüge.

So ganz aber scheint auch er dem neuen Mann fürs Weiße Haus nicht über den Weg zu trauen. Jedenfalls nicht ohne göttlichen Beistand.

"Senor Trump ist der neue Präsident, und wir hoffen, dass Gott ihn erleuchtet, damit er dieses großartige Land führen kann.”

"Es ist schade”, sagt Cesar Alejandro, "dass ein Wahlkampf, der auf Rassismus und dem Niedermachen von Minderheiten basiert, am Ende zur Präsidentschaft führen kann.”

Allerdings glaubt auch der Filmemacher nicht, dass Trump wirklich eine Mauer bauen wird.

Das politische System der USA sei nun mal so, dass Trump schon ab seinem ersten Tag im Amt für seine Wiederwahl werben müsse. Deshalb werde er nun möglichst viele ansprechen müssen, nicht nur seine Kernwähler.

Doch nach zwei Amtszeiten ist für einen amerikanischen Präsidenten in jedem Fall Schluss. Deshalb hat Cesar Alejandro eher Angst vor den möglichen zweiten vier Trump-Jahren.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk