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StartseiteVerbrauchertippSchadstoffe als Spaßbremse21.11.2018

Laufräder für Kinder im TestSchadstoffe als Spaßbremse

Sobald Kinder laufen und das Gleichgewicht halten können, sind sie bereit für das Laufrad. In einer Untersuchung der Stiftung Warentest bekommt die Mehrzahl der untersuchten Laufräder jedoch die Note mangelhaft. Grund sind Schadstoffe, die vor allem in Kunststoff- oder Gummiteilen nachgewiesen wurden.

Von Dieter Nürnberger

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Elf von 15 Modellen wurden als mangelhaft bewertet (picture alliance / dpa / Swen Pförtner)
15 Laufräder wurden ins Rennen geschickt (Archivbild) (picture alliance / dpa / Swen Pförtner)
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"Die Kinder üben ihre Koordinationsfähigkeit. Sie bereiten sich schon mal vor auf das Fahrradfahren-Lernen. Und sie haben unheimlich viel Spaß mit diesen kleinen Laufrädern."

Warentester Rainer Metzger erinnert sich gern an die Laufrad-Untersuchung. Denn Testfahrer waren diesmal drei- bis vierjährige Mädchen und Jungen aus einer Kitagruppe. Sie konnten sich - natürlich mit einem Kinderhelm geschützt - auf den kleinen Flitzern so richtig austoben.

15 Laufräder wurden ins Rennen geschickt und immerhin: zumindest bei den Fahreigenschaften gab es wenig zu beanstanden.

"Die Räder sind in der Mehrheit gut verstellbar in ihrer Größe. Sie können sie also auch gut verschenken, ohne dass Sie es vorher unbedingt mit dem Kind im Laden probiert haben müssen. Es ist auch eine Geschmackssache: Die einen mögen eher Einhorn-Design, die andere lieber eine Art Rennauto-Design. Manche haben Trittbretter. Das finden die Kleinen gut und es wäre auch ein Tipp für den Kauf. Wenn kein Trittbrett vorhanden ist, dann müssen die Kleinen immer irgendwas mit ihren Beinen machen und das ermüdet dann schneller."

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe

Die meisten Rahmen der Laufräder waren aus Stahl oder Aluminium, es gibt aber auch Modelle aus Holz oder Kunststoff. Das hat Auswirkungen auf das Gewicht der Räder, spielte aber bei der Stabilität keine große Rolle. Das trotzdem über die Hälfte des Testfelds in der Untersuchung durchfiel, hing mit der Laboruntersuchung und den hier festgestellten Schadstoffwerten zusammen. Denn meist wurden polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, sogenannte PAKs, nachgewiesen, sagt Warentester Rainer Metzger.

"Die haben wir erstaunlicherweise in den verschiedensten Bauteilen gefunden. In den Griffen, in den Sätteln und ganz oft in den Reifen. Diese PAKs werden über die Haut aufgenommen. Das ist genau das Problem: Wenn die Kinder im Sommer drauf sitzen, haben sie oft nicht viel an. Oder sie greifen die Griffe an und schwitzen an den Händen und Fingern. Dann genau ist dieser Übergang der Schadstoffe in die Haut gewährleistet und das soll ja vermieden werden."

Vor allem Modelle mit luftgefüllten Gummireifen enthielten vergleichsweise hohe Mengen an PAK. In der EU gelten Laufräder als Kinderspielzeug. Für diese Untersuchung setzte die Stiftung Warentest allerdings strengere Maßstäbe als im europäischen Chemikalienrecht vorgegeben an.

Nur drei Laufräder gut bewertet

Entscheidend waren die Kriterien des Zeichens für Geprüfte Sicherheit, so Rainer Metzger: "Wir haben uns nach dem GS-Zeichen für Kinderspielzeug gerichtet. Das ist eine freiwillige Begrenzung. Wir gehen aber stets nach dem Vorsorgeprinzip vor, deshalb das strengere GS-Zeichen als Maßstab. Diese PAKs sind ein klassisches Langzeitgift: Akut merken Sie da gar nichts, es wirkt langfristig und ist beispielsweise krebserregend. Und deshalb muss die Dosis über die gesamte Lebenszeit minimiert werden. Und da fängt man am besten in der Kindheit an."

Waren die festgestellten Schadstoffgehalte zu hoch, wurde das Kinder-Laufrad generell auf mangelhaft abgewertet. Und das war leider bei elf von 15 Modellen der Fall.

Am Ende erreichten nur drei Laufräder eine gute Gesamtbewertung. Drei Modelle mit Stahlrahmen, die auf Kunststoffreifen rollen. Die beste Bewertung erhielt das Laufrad "LR1" von "Puky" für 73 Euro. Interessant dabei: Das Modell "LP 1L" des gleichen Herstellers fiel aufgrund der Schadstoffuntersuchung durch. Platz 2 und 3 erreichten Modelle, die mit 35 beziehungsweise 40 Euro die günstigsten in der Untersuchung waren - Laufräder von "BTwin" und "Kettler". Sie beweisen, dass es auch ohne Schadstoffbelastung geht.

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