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StartseiteVerbrauchertippMit der Immobilie die Rente aufstocken22.01.2020

Lebenslange LeibrenteMit der Immobilie die Rente aufstocken

Nach Angaben der Seniorenliga leben in Deutschland rund zwei Millionen Immobilienbesitzer, die im Monat mit weniger als 1.000 Euro auskommen müssen. Für sie gibt es eine Möglichkeit, das Haus zu Geld zu machen und dennoch weiter darin zu wohnen.

Von Klaus Deuse

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Das Schild mit der Aufschrift "zu verkaufen" hängt am 19.09.2013 in Bargteheide (Schleswig-Holstein) vor einem Haus.  (picture alliance / dpa / Markus Scholz)
Lebenslanges Wohnrecht sollte im Grundbuch eingetragen werden (picture alliance / dpa / Markus Scholz)
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Aus ihrem Haus, in dem sie seit 50 Jahren wohnt, möchte die 84-jährige rüstige Mutter von Rüdiger Diekmann nicht ausziehen. Darum hat er mit seinen Geschwistern nach einer Lösung gesucht.

"Wenn man eine Immobilie im Alter komplett erhalten will, braucht man entsprechend finanzielle Mittel. Da unser Vater sehr früh gestorben ist, waren diese finanziellen Mittel so nicht vorhanden. Und wir mussten uns nach Alternativen umgucken."

Die gefundene Lösung: Verkauf des Hauses der Mutter mit abgesichertem Wohnrecht. In Betracht kommt eine solche Immobilien-Rente nur unter bestimmten Voraussetzungen, sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW.

"Grundsätzlich sollte man bereits Rentner sein oder kurz vor dem Renteneintritt sein. Dann hat man eine Immobilie, die entweder komplett schuldenfrei ist oder zumindest weitgehend schuldenfrei."

"Rente aus Stein"

Für den Verkauf ihrer Immobilie, der auf jeden Fall notariell beglaubigt werden sollte, gibt es für Rentner zwei zentrale Motive.

"Das erste: Ich habe ein lebenslanges Wohnrecht. Das ist dann ganz wichtig auch im Grundbuch einzutragen. Und das zweite ist: Ich bekomme ja eine monatliche Rente, eine Leibrente. Und auch diese Hürde muss ganz dringend im Grundbuch eingetragen sein."

Im Vertrag genau zu regeln ist auch, ob der Käufer sämtliche später anfallenden Instandhaltungskosten übernimmt oder ob sich der ehemalige Besitzer daran zu beteiligen hat. Mit der "Rente aus Stein" kann sich die monatliche Liquidität durchaus beträchtlich erhöhen. Nach Berechnungen der Deutschen Seniorenliga kann eine 75-jährige Seniorin bei dem Verkauf ihres Hauses im Wert von 350.000 Euro mit einer Leibrente von rund 1.150 Euro rechnen.

Die Höhe der Rente hängt auch vom Alter und damit der statistischen Lebenserwartung ab, sagt Verbraucherberater Scherfling.

"Jemand, der dann vielleicht mit 65 Jahren eine solche Immobilienrente abschließt, der wird dann mit einer geringeren monatlichen Rente rechnen können als jemand, der vielleicht schon 78 Jahre alt ist."

Von Profis prüfen lassen

Außerdem kommt es entscheidend darauf an, den Wert der Immobilie verlässlich festzustellen. Auch wenn der Kaufinteressent eine Ermittlung vorgenommen hat, rät Ralf Scherfling: "Trotzdem würde ich auch hier noch ein eigenes Gutachten in Auftrag geben, um zu gucken: Inwieweit sind die Werte, die dort errechnet wurden, auch stimmig. Denn es ist schon ein Unterschied, ob die Immobilie da mit 350.000 Euro bewertet wird oder mit 400.000 Euro. Das macht auch für die spätere monatliche Rente durchaus einen Einfluss."

Vor der Entscheidung für eine Immobilien-Rente sollte man sich gründlich informieren. Denn: "Das ist ein Markt, auf dem es bisher sehr wenige Anbieter gibt, was es sehr schwer macht, mehrere Angebote einzuholen und vernünftig miteinander zu vergleichen."

Darum ist es ratsam, im Vorfeld einen Vertrag von einem Fachanwalt oder dem Notar des Vertrauens prüfen zu lassen, denn: Die Entscheidung für den Verkauf der eigenen Immobilie lässt sich nicht rückgängig machen.

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