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StartseiteUmwelt und Verbraucher Zu viel Zucker, Fett und Salz24.08.2015

Lebensmittel für Kinder Zu viel Zucker, Fett und Salz

Frühstücksflocken, Joghurt oder Fruchtsäfte für Kinder sind nicht immer so kindgerecht, wie die Packung suggeriert. Kritisiert wurde das schon oft, einige Hersteller verpflichteten sich freiwillig zur Besserung. Foodwatch, die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die Deutsche Adipositas Gesellschaft haben sich jetzt jedoch 300 Produkte angesehen - mit eindeutigem Ergebnis.

Von Dieter Nürnberger

Ein Mädchen isst sein Frühstück (imago/Westened61)
Wie gesund sind Lebensmittel für Kinder? (imago/Westened61)

Dieter Nürnberger in Berlin, wie gesund sind Kinderlebensmittel?

Hier geht der Daumen der Experten, die soeben in Berlin vor die Presse traten, eindeutig nach unten. Soll heißen: Die Lebensmittel enthalten eindeutig zu viel Zucker, zu viel Fett und oft sind sie auch zu salzig.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat zum wiederholten Mal jene Lebensmittel unter die Lupe genommen, die speziell Kinder als Konsumentengruppe ansprechen. Und man hat auch ganz gezielt nach jenen Herstellern gesucht, die vor ein paar Jahren eine freiwillige Selbstverpflichtung unterschrieben haben, wonach sie eben keine Produkte mehr bewerben wollten, die aus gesundheitlicher Sicht nicht als ausgewogen gelten.

90 Prozent fallen durch

Das heute vorgestellte Ergebnis ist eindeutig: Foodwatch hat knapp 300 dieser Lebensmittel untersucht - und 90 Prozent davon fielen durch. Diese sehr zucker- und/oder fetthaltigen Produkte werden weiterhin gezielt beworben, sagt Oliver Huizinga von Foodwatch.

"Gerade sehr zuckrige Frühstücksflocken von "Nestlé" oder von "Kellogg's" werden gezielt mit Comicfiguren, mit Gewinnspielen oder ähnlichen kindgerechten Marketingmethoden beworben. Ein anderer Fall sind die "Danone"-Joghurts, die durch die Bank zu viel Zucker enthalten  - gemäß der Kriterien der WHO, der Weltgesundheitsorganisation. Hier wird somit ganz gezielt für unausgewogene Produkte Kindermarketing gemacht. Das ist nicht den Empfehlungen der Ärzteschaft entsprechend, und das empfehlen auch wir nicht."

Unterstützung erhielt Foodwatch heute auch von der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Diese medizinische Fachgesellschaft kritisiert, dass weiterhin überwiegend ungesunde Produkte beworben würden. Seit Jahren steige jedoch die Quote von Kindern, die eindeutig zu dick seien. Dietrich Garlichs, der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft, ist mehr als alarmiert.

"Bei Kindern sind 15 Prozent von Übergewicht betroffen. Das Entscheidende ist aber, dass das Ernährungsverhalten, was im Kinder- und Jugendalter angelegt wird, sich im Erwachsenenalter fortsetzt. Bei den Erwachsenen in Deutschland ist es inzwischen über die Hälfte, die ein Übergewichtsproblem hat. Und Übergewicht wiederum ist für eine große Zahl an chronischen Krankheiten verantwortlich: Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auch viele Krebs-Erkrankungen."

Nur eine Sorte Frühstücksflocken hält WHO-Zucker-Grenzwert ein

Am Pranger stehen somit nicht nur die Kinderlebensmittel, sondern auch die Vermarktung dieser Produkte. Foodwatch kritisiert somit die Hersteller. Diese würden auch bei der Deklaration nicht zur Aufklärung der Verbraucher, also in diesem Fall wohl vieler Eltern, beitragen. Foodwatch-Experte Oliver Huizinga:

"Bei den Frühstücksflocken beispielsweise werden sehr unrealistische Portionsgrößen angegeben. Da wird mit 30 Gramm pro Portion gerechnet. Es werden komplizierte Zahlenwerte angegeben, um zu zeigen, wie wenig Zucker darin sei. In Wahrheit sind fast alle Frühstücksflocken-Produkte unausgewogen, sie enthalten zu viel Zucker. Nur ein einziges Produkt - die normalen 'Kellogg´s Cornflakes' halten den WHO-Grenzwert für Zucker ein.

Interessant ist, dass der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) recht schnell reagiert hat. Die Foodwatch-Studie ist aus Sicht des BLL unseriös und effektheischend. Man verunglimpfe sichere und qualitativ hochwertige Lebensmittel. Und Übergewicht habe viele Ursachen, nicht allein die Ernährung sei verantwortlich.

Foodwatch und die Deutsche Diabetes Gesellschaft bleiben jedoch bei ihrer Kritik. Sie fordern nun auch weitere Maßnahmen. Der Gesetzgeber sei gefordert, so Dietrich Garlichs von der Diabetes-Gesellschaft:

"Die Werbung für Kinderlebensmittel, die den Standards der Weltgesundheitsorganisation nicht entsprechen, sollte verboten werden. Somit hätte die Lebensmittelindustrie auch einen Anreiz, andere Lebensmittel zu produzieren. Die dann den Standards der WHO entsprechen."

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