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StartseiteVerbrauchertippMehr als die Hälfte der sensiblen Produkte zu warm01.10.2018

Lebensmittellieferdienste Mehr als die Hälfte der sensiblen Produkte zu warm

Wer nach der Arbeit nicht mehr durch die Geschäfte hetzen möchte, oder wem einzelne Waren schlicht zu schwer sind, der lässt sich den Einkauf direkt liefern. Die Stiftung Warentest hat zehn Lebensmittellieferdienste in Anspruch genommen - und vor allem den Umgang mit kühlpflichten Produkten kritisiert.

Von Dieter Nürnberger

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Eine junge Frau beim Online-Shopping von Lebensmitteln mit einem Pad. (dpa / picture alliance /  Frank May)
Eine junge Frau beim Online-Shopping von Lebensmitteln mit einem Pad. (dpa / picture alliance / Frank May)
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Online-Lebensmittellieferdienste sind bisher überwiegend in den großen Städten aktiv, doch einige stellen auch bundesweit zu. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Lieferzeiten. In den Städten kommt die Ware meist innerhalb weniger Stunden an. Auf dem Land dauert es länger, hier klingelt der Paketbote dann oft erst am nächsten Tag an der Haustür. Die Lieferdienste geben für die Zustellung Zeitfenster an - und daran halten sie sich in der Regel auch, so Ina Bockholt von der Stiftung Warentest.

"Die Pünktlichkeitsquote lag bei 82 Prozent. Es ging auch recht wenig zu Bruch. Zum Beispiel nur eines von rund 500 Eiern. Und die Lebensmittel waren auch überwiegend richtig abgewogen. Meist enthielt die Lieferung auch das, was man bestellt hatte."

Zehn Lebensmittellieferdienste wurden untersucht. Doch trotz Pünktlichkeit und Verlässlichkeit bei der Lieferung erhielt keiner eine gute Bewertung. Der Grund: Die Warentester ließen auch kühlpflichtige Waren wie Milchprodukte oder Fisch und Fleisch bestellen. Die Test-Kunden wurden mit Thermometern ausgestattet - mehr als die Hälfte dieser sensiblen Lebensmittel waren zu warm.

"Die stellten teilweise Temperaturen von mehr als 20 Grad Celsius fest. Das ist einfach zu viel. Verbraucher sollten diese Produkte entweder reklamieren, wenn sie merken, dass diese zu warm sind. Oder - wenn das zu umständlich ist und sie diese lieber verspeisen wollen - sie sollten sie dann komplett durcherhitzen. Und so schnell wie möglich essen. Denn das Mindesthaltbarkeitsdatum gilt nicht mehr."

Selber einkaufen ist günstiger

Preislich unterscheiden sich die Lieferdienste: Für einen Warenkorb mit vorab festgelegten, einheitlichen Produkten mussten im günstigsten Fall 33 Euro bei "Bringmeister" oder auch 41 Euro bei "Mytime" gezahlt werden. Einige Anbieter haben ähnlich wie stationäre Supermärkte auch günstige Handelsmarken im Sortiment. Die Lieferkosten liegen zwischen knapp 2 und 7 Euro - ab einem bestimmten Bestellwert ist die Zustellung oft sogar kostenlos. Generell gilt: Der Einkauf in einem Supermärkten vor Ort ist meist nicht nur ein paar Euro günstiger, sondern es gibt dort auch in der Regel eine größere Auswahl.

Doch entscheidend für die eher durchwachsenen Gesamtbewertungen war letztlich der Zustand der kühlpflichten Produkte. Insgesamt gab es deshalb nur befriedigende oder ausreichende Noten. Warentesterin Ina Bockholt:

"Der einzige, der das vergleichsweise gut meisterte, war AmazonFresh. Doch hier gab es Probleme mit der Datenschutzerklärung, die nicht auf dem neustem Stand war. Das zog dann runter auf die Benotung "befriedigend". An der Testspitze stehen "MyTime" - ein deutschlandweiter Lieferdienst. Sowie "Bringmeister" und "Rewe Lieferservice". Letzterer liefert in 75 größeren Städten und dem Umland."

Am Ende ein Berg Müll

Und ein anderer Punkt fiel der Stiftung Warentest in dieser Untersuchung noch besonders auf: Nur ein Anbieter, nämlich food.de, liefert in einer großen Mehrwegbox, die der Lieferant nach der Zustellung der Ware auch wieder mitnimmt. Bei allen anderen Lieferdiensten kommt mit den Lebensmitteln auch jede Menge Verpackungsmüll ins Haus:

"Die Produkte sind mit Luftpolster-Folie oder Kunststoff, mit Pappe oder Papier geschützt. Aber sobald man die Produkte dann ausgepackt hat, steht man vor einem Berg Müll."

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