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StartseiteKalenderblattLegende zu Lebzeiten10.04.2009

Legende zu Lebzeiten

Vor 90 Jahren starb Mexikos berühmtester Revolutionär, Emiliano Zapata

Vor nahezu einem Jahrhundert fand in Mexiko die erste große Aufstandsbewegung des 20. Jahrhunderts statt: die Mexikanische Revolution. Sie veränderte das Land der Azteken nachhaltig. Ihr legendärster Anführer war Emiliano Zapata. Er starb heute vor 90 Jahren.

Von Peter B. Schumann

Ein Revolutionär, der aus der Landbevölkerung stammte: Emiliano Zapata. (AP)
Ein Revolutionär, der aus der Landbevölkerung stammte: Emiliano Zapata. (AP)

"Ich werde Euch jetzt von Zapata erzählen, der in Chinameca starb, getötet von Jesús Guajardo, dem infamen Verräter."

Er war schon zu Lebzeiten eine Legende: Emiliano Zapata, Mexicos berühmtester Revolutionär. In Liedern, Büchern, Filmen, auf zeitgenössischen Grafiken und Wandbildern ist längst sein Ruhm verewigt. Und natürlich auch seine Ermordung.

"Ich habe die äußerst traurige Pflicht, Ihnen mitzuteilen, dass heute um 13.30 Uhr unser großer General Emiliano Zapata von Truppen des Kavallerieoberst Jesús Guajardo erschossen wurde. Guajardo hat diesen feigen Anschlag in Chinameca vorsätzlich und heimtückisch unternommen."

So heißt es im offiziellen Bericht über den Tod von Zapata am 10. April 1919. Guajardo hatte den General auf seine Hacienda eingeladen. Er handelte auf Anweisung von Präsident Carranza, dem Zapatas sozialrevolutionäre Ideen entschieden zu weit gingen. Die Mexikanische Revolution, die erste große Aufstandsbewegung des 20. Jahrhunderts, war damals längst zu einem blutigen Machtkampf widerstreitender Interessen verkommen. In ihrem Verlauf verloren mehr als eine Million Mexikaner ihr Leben. Der Einzige, der sich eine gründliche Landreform zum Ziel gesetzt hatte, war Emiliano Zapata. In einem Aufruf "An das mexikanische Volk" ließ er vom Hauptquartier der Befreiungsarmee im Mai 1916 verbreiten:

"Die Revolution will die Landsklaverei abschaffen und das kleine Eigentum an die Stelle der riesigen Ländereien setzen. Denn die Latifundien nehmen den Bauern die Freiheit und ruinieren die Landwirtschaft. Sie dienen einzig und allein dazu, die Allmacht der Großgrundbesitzer zu verewigen."

Emiliano Zapata kannte - anders als die übrigen, meist bürgerlichen Anführer des Aufstands - die Nöte der Landbevölkerung, denn er stammte selbst aus einer Bauernfamilie in der Zuckerprovinz Morelos. Mehr als 90 Prozent der Campesinos hatten die Großgrundbesitzer und eine willfährige Justiz bereits enteignet. Da wurde 1909 Zapata in seinem Heimatdorf zum Vorsitzenden eines Komitees zur Verteidigung der Landrechte gewählt. Der 30-Jährige entschloss sich sofort, mit 80 bewaffneten Männern die lebensnotwendige Aussaat auf dem geraubten Land mit Gewalt durchzusetzen. Viele andere Gemeinden folgten daraufhin seinem Beispiel.

"Zapata, der große Patriot, kämpfte aus reinem Herzen,
und vergoss nicht aus Ehrgeiz sein Blut."

Er hätte Präsident werden können, aber er begnügte sich mit dem Oberbefehl über die Revolutionsarmee im Süden des Landes. Und erklärte, dass seine Truppen solange unter Waffen blieben, bis den Campesinos ihr Eigentum wieder übertragen würde. In seinem berühmt gewordenen "Plan von Ayala" forderte er sogar:

"Da das Land, die Wälder und das Wasser in den Händen einiger weniger monopolisiert sind, soll gegen Entschädigung ihrer Besitzer der dritte Teil dieser Monopole enteignet werden, damit die Gemeinden der Bauern Felder für Aussaat und Anbau erhalten."

Doch die Revolution spaltete sich und begann, immer neue Anführer zu produzieren, die sich gegenseitig bekämpften. Emiliano Zapata gelang es, sich mit seiner Bewegung zu behaupten, denn er war militärisch nicht zu besiegen. Deshalb versuchte es der damalige Präsident Carranza mit Verrat. Oberst Guajardo verabredete ein Treffen mit dem Revolutionär, weil er angeblich mit seinen tausend Mann zu den Zapatistas übertreten wollte. Doch bei der Begrüßung…

" ... drückten die Soldaten, welche die Waffen präsentierten, zweimal ab, ohne irgend jemandem Zeit zu lassen, nach der Pistole zu greifen. Durch diese heimtückische, feige und gemeine List fiel unser General Zapata, um nie wieder aufzustehen."

Mit dieser letzten Bemerkung irrt der Zeitzeuge. Denn Emiliano Zapata verkörpert seither den Wunsch vieler Mexikaner nach einer gründlichen Umgestaltung des Landes. Und seit 1994 gibt es auch wieder Zapatistas in Mexico: die Indios, die in Chiapas um ihre Rechte streiten - heute wie vor 90 Jahren.

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