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StartseiteCampus & KarriereLehrbücher als E-Book22.12.2008

Lehrbücher als E-Book

Pilotprojekt der Universität Würzburg soll Engpässe bei der Ausleihe überbrücken

Heutzutage zu studieren, geht ins Geld. Besonders die fürs ordentliche Studium notwendigen Standardwerke. Die kosten im Schnitt zwischen 40 und 100 Euro. In der Unibibliothek sind sie oft ausgeliehen. Rechtzeitig zum Weihnachtsfest macht die Universität Würzburg ihren Studenten daher ein "Geschenk": 500 Lehrbücher, die statistisch am häufigsten ausgeliehen werden, gibt es bis zu den Feiertagen in elektronischer Form.

Von Patrick Obrusnik

Ausgeliehen? Kein Problem mit dem Lehrbuch als E-Book (Stock.XCHNG / Paul Ijsendoorn)
Ausgeliehen? Kein Problem mit dem Lehrbuch als E-Book (Stock.XCHNG / Paul Ijsendoorn)

Roland Schneiders steht vor einem Regal in der Unibibliothek Würzburg. Der Jura-Student im 10. Semester ist auf der Suche nach der aktuellen Ausgabe des Palandt. Von dem juristische Standardwerk zum Bürgerlichen Gesetzbuch sollten eigentlich 45 Exemplare im Regal stehen:

"Gerade zu Zeiten von Hausarbeiten ist man darauf angewiesen, die aktuellsten Auflagen zu finden und wie wir sehen ist keine einzige vorhanden. Das ist ein Problem, das einen dazu bewegt, dass man oft in andere Städte, andere Bibliotheken fahren muss, um überhaupt an aktuelle Bücher heranzukommen."

Ständig vergriffene Lehrwerke: für dieses Problem schafft die Universität Würzburg jetzt noch vor Weihnachten Abhilfe. Die am meisten ausgeliehenen Lehrbücher sollen – neben der gedruckten Variante – bis zu den Festtagen auch digital zur Verfügung stehen. Dazu werden sie elektronisch eingelesen und dann über die Computer der Unibibliothek den Studierenden zugänglich gemacht. Möglich wird dieses Projekt durch die jüngste Novellierung des Urheberrechts, erklärt Hans-Günther Schmidt, Leiter der Abteilung für Digitalisierung an der Unibibliothek Würzburg:

"Am Anfang des Jahres gab es den Paragraphen 52 b, der zum ersten Mal erlaubt innerhalb einer wissenschaftlichen Einrichtung elektronisch das bereitzustellen, was es auch gedruckt gibt. Also der Freibrief fürs Digitalisieren. Nicht fürs ganze Internet. Sondern für die Nutzer hier vor Ort an PCs, hier in der Bibliothek."

Die Universität Würzburg reagierte schnell. Eine Kommission aus Verwaltung und Studierenden sprach sich für das Projekt aus. Rund 70.000 Euro aus Mitteln der Studiengebühren wurden bereitgestellt. Vor zweieinhalb Monaten begann dann die Digitalisierung der Lehrwerke.

"Es gibt ähnliche Projektstudien, so zum Beispiel in Mainz. Wir sind aber in Würzburg mit Sicherheit am Weitesten von allen. Wir werden in unserer ersten Tranche die 500 meistausgeliehenen Bücher der UB Würzburg digital zur Verfügung stellen. Geplant ist, dass wir das mindestens auf das zehnfache erweitern werden. Das heißt für das Grundstudium aller Fächer, die in Würzburg vertreten sind, die Kernbücher sowohl gedruckt wie auch online hier bereitzustellen."

In einem Untergeschoss der Universitätsbibliothek Würzburg ist Marco Dietrich gerade dabei, den Palandt zu digitalisieren. Für die rund 3000 Seiten des BGB-Kommentars wird er einen ganzen Arbeitstag brauchen:

"Da ist eine Kameraeinheit, die von oben auf das Buch guckt. Und man blättert einfach die Seiten durch. Die Glasplatte justiert das automatisch in die richtige Ebene. Dadurch kann ich dann relativ schnell arbeiten."

Die eingelesenen Seiten werden als Bild abgelegt – aber auch als Textvariante, die den Einsatz in der Textverarbeitung ermöglicht, oder die Suche nach Schlagworten. Auf rund 220 elektronische Lehrwerke kann mittlerweile über den Katalog an den Rechnern der Unibibliothek zugegriffen werden, erläutert der Leiter des Projekts, Hans-Günther Schmidt:

"Sie können ausdrucken, sie können Teile davon herunterladen. Der ganze Text – das wird wohl nicht gelingen. Wir haben verschiedene technische Sicherungen drin, so dass das ganze Buch, wie es das Urheberrecht auch vorsieht, nicht heruntergeladen werden kann…"

Eine Fortführung des Digitalisierungsprojekts hätte jährliche Folgekosten von 20.000 Euro. Gelder, die über Studiengebühren finanziert werden müssen – oder über den Etat der Bibliothek. In einem halben Jahr wird Bilanz gezogen. Denn nur wenn die Studierenden tatsächlich auf die elektronischen Lehrbücher zurückgreifen, wird das Projekt weitergeführt. Doch bereits kurz nach Beginn, ist die Resonanz positiv:

"Ich finde das super, weil gerade in der Informatik ist es so, dass die Bücher schnell veralten. Und manchmal ist es einfach nicht sinnvoll, dann 50 Ausgaben von einem Werk zu haben, das im nächsten Jahr schon wieder veraltet ist. Dann ist es besser, das online zu haben.

Ich finde das auch ganz gut, weil viele Leute auch die Angewohnheit haben, Bücher zu verstecken und man findet sie dann nicht. Das ist gut."

Auch Jura-Student Roland Schneiders freut sich: er hat eine elektronische Variante des gesuchten BGB-Kommentars im Bibliothekskatalog gefunden – und kann weiterarbeiten:

"Das ist für mich ne Supersache, weil ich mir jetzt zu dem einzelnen Paragraphen, den ich mir hier rausgesucht habe mir die einzelnen Artikel mir auf meinen USB-Stick ziehen könnte. Was mir viel Zeit und Aufwand erspart, das Buch woanders suchen zu müssen."

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