Kommentare und Themen der Woche 01.06.2020

Lehre aus dem SpaceX-Flug Europa braucht den eigenen Zugang ins AllVon Dirk Lorenzen

Beitrag hören Die Dragon-Kapsel von SpaceX, mit den NASA-Astronauten Robert Behnken und Douglas Hurley an Bord dockt an die Internationale Raumfahrtstadion ISS an (imago/UPI Photo)Die Dragon-Kapsel dockt an die Internationale Raumfahrtstadion ISS an (imago/UPI Photo)

Mit dem Flug der Dragon-Kapsel zur Internationalen Raumstation ISS ist der Weltraumbehörde NASA und dem privaten Unternehmen SpaceX der Einstieg in die kommerzielle Raumfahrt gelungen, kommentiert Dirk Lorenzen. Europa könne das auch, und müsse es können - wenn es im Weltraum mitspielen will.

Die Durststrecke ist zu Ende: Mit der sicheren Ankunft der beiden Astronauten auf der ISS gehen für die Vereinigten Staaten neun quälend lange Jahre zu Ende, in denen der Weg in den Weltraum immer über russische Raketen in Baikonur führte. Nun also können Amerikaner wieder von US-Boden aus ins All starten. 

So erleichtert die NASA auch ist. Der weitaus größere Stein dürfte SpaceX-Chef Elon Musk vom Herzen gefallen sein. Der leicht exzentrische Unternehmer tut in seinen Twitter-Meldungen gern so, als seien Raumflüge ein Kinderspiel und schwadroniert von Touristen-Reisen zum Mond oder der Besiedlung des Planeten Mars. Dabei wurde oft übersehen, dass sein Unternehmen noch nie einen Menschen auch nur in die Erdumlaufbahn gebracht hatte – das ist am Samstag erstmals gelungen.

Einstieg in die kommerzielle Raumfahrt

Fast auf den Tag genau sechs Jahre zuvor hatte Elon Musk mit viel Tamtam die Dragon-Kapsel der Öffentlichkeit präsentiert. Der Unternehmer, von dem viele glauben, ihm gerate alles, was er anfasse, im Handumdrehen zu Gold, musste bittere Lektionen lernen - die Raumstation fliegt in nur vierhundert Kilometern Höhe, doch die Reise dorthin entspricht eben nicht einer kleinen Fahrt im Elektromobil von Hamburg ins ebenso weit entfernte Dresden. Der irdischen Schwerkraft entkommt man nicht mit schillernden Auftritten, sondern nur durch harte und lange Arbeit.

So war der Flug am Samstag der Einstieg in die kommerzielle Raumfahrt – und nicht etwa in die private. Um Menschen und Material zur ISS zu bringen, bedient sich die NASA nun kommerzieller Dienstleister – eben SpaceX und künftig auch Boeing, das Ende des Jahres mit einem eigenen Raumschiff Astronauten nach oben schickt. Beiden Unternehmen zahlt die NASA Milliarden-Summen, damit die sich um den Routinebetrieb im himmlischen Vorgarten kümmern.

Europäische Raumfahrtpolitiker beneiden SpaceX

Die NASA selbst widmet sich den großen Zielen im All, etwa der Rückkehr zum Mond. Gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA baut man das Raumschiff Orion, mit dem in etwa drei Jahren erstmals Menschen um den herumfliegen sollen. Da trauen NASA und ESA eben nicht den kommerziellen Anbietern, auch wenn Elon Musk schon Tickets für einen Flug um den Mond herum verkauft hat. Im Trubel um den Start der Crew-Dragon ging völlig unter, dass am Donnerstag wieder einmal ein Prototyp seines privaten Mondraumschiffs bei einem Test explodiert ist.

SpaceX kann sich solche Eskapaden leisten, weil das Unternehmen viele Milliarden an Steuergeld bekommt, um für die NASA und das US-Verteidigungsministerium Satelliten und nun auch Menschen ins All zu bringen. Um solche Aufträge darf sich kein ausländischer Konkurrent bewerben. Dank dieser Erträge unterbietet SpaceX beim Kampf um Aufträge für Satellitenstarts oft die europäische Ariane-Rakete. Hierzulande sehen manche Raumfahrtpolitiker mit glänzenden Augen auf SpaceX – und meinen etwas naiv, die eigene europäische Rakete sei im Grunde überflüssig.

Was SpaceX kann, kann Europa schon lange

Dabei muss die Lehre aus dem SpaceX-Flug eine ganz andere sein: Wie die USA, Russland, China und viele Länder mehr braucht auch Europa den eigenen Zugang ins All. Ganz sicher für seine vielen Satelliten zur Telekommunikation und Erdbeobachtung, bei deren Start man besser nicht auf das Wohlwollen fremder Staaten angewiesen ist. Warum aber bringen nur die USA, Russland und neuerdings auch China Menschen ins All? Das könnte Europa auch – ja es muss es können, will es langfristig in der Raumfahrt-Champions-League mitspielen.

Die internationale Zusammenarbeit auf der ISS, bei Flügen zum Mond oder der wissenschaftlichen Erkundung des Weltraums ist wunderbar. Aber beim Zugang zum All braucht der alte Kontinent endlich mehr Zutrauen in die eigene Stärke. Was SpaceX kann, kann Europa schon lange – wenn es denn will.

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