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StartseiteSprechstundeWie sich künftige Pandemien besser meistern lassen07.07.2020

Lehren aus der CoronakriseWie sich künftige Pandemien besser meistern lassen

Mehr Beatmungsgeräte, große Vorräte an Schutzkleidung und wertvolle Erkenntnisse aus der Behandlung von COVID-19-Patienten: Ärzte, Wissenschaftler und Krankenhäuser haben einiges aus der Corona-Pandemie gelernt. Damit ist Deutschland für den Fall einer zweiten Welle besser gerüstet als vor der ersten.

Von Christina Sartori

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Eine Ärztin geht im St. Josefs-​​Krankenhaus Potsdam-​​Sanssouci über einen Flur der Station für an Corona erkrankte Patienten. Ein Schild verbietet den Zutritt zur Covid-19 Isolierstation (picture alliance/Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB)
Krankenhäuser können im Ernstfall innerhalb von wenigen Tagen wieder viele Intensivbetten mit Beatmungskapazitäten zur Verfügung stellen (picture alliance/Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB)
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Auch wenn die Infektionszahlen derzeit in Deutschland niedrig sind, ist die Corona-Pandemie noch nicht ausgestanden. Deutlich sichtbar ist das in Ländern wie den USA, Brasilien, Mexiko oder Israel – aber auch die Ausbrüche der vergangenen Wochen in Deutschland belegen: Die Gefahr ist nicht gebannt.

Einige Menschen sitzen mit Mundschutz in der Straßenbahn in Hannover. (dpa / Ole Spata) (dpa / Ole Spata)Kommt eine zweite Welle?
Sollte es nach den Schulferien zu einer zweiten Welle kommen, müssen die Konsequenzen dennoch nicht dramatisch sein, so die Einschätzung von Dlf-Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth. Regierung und Bevölkerung seien vorbereitet.

Das Vorhandsein einer Gefahr zeigt sich auch in den deutschen Krankenhäusern: Dort kehrt man vorsichtig zur Normalität zurück – allerdings unter Vorbehalt. 

Kehren die Krankenhäusern wieder zur Normalität zurück?

Nein, das kann man nicht sagen. Es stimmt, dass wieder mehr Operationen und Behandlungen durchgeführt werden, die verschoben wurden, als die Infektionszahlen in Deutschland so stark stiegen – aber immer noch nicht in dem Maße, wie vor dem Shutdown. Alles läuft langsam wieder an. Anscheinend haben einige Patienten auch immer noch große Angst, sich im Krankenhaus anzustecken und schieben daher manche Eingriffe oder auch Arztbesuche heraus. 

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Sind die Krankenhäuser im Falle einer zweiten Welle besser vorbereitet als vor der ersten?

Ja, da hat sich viel getan und zwar auch nachhaltig, zum Beispiel bei der Ausstattung: Es gibt mehr Beatmungsgeräte, es gibt getrennte Wege in den Krankenhäusern für Patienten mit COVID-19-Verdacht und andere Patienten, um Ansteckungen mit dem neuen Coronavirus im Krankenhaus zu verhindern, strengere Hygieneregeln, mehr Schutzausrüstungen für das medizinische Personal und auch mehr Intensivbetten, Beatmungsbetten. Diese Betten werden zwar zur Zeit wieder normal genutzt, aber man kann jetzt innerhalb von wenigen Tagen wieder viele Intensivbetten mit Beatmungskapazitäten zur Verfügung stellen, weil man diese Umwandlung schon einmal durchgeplant und durchgeführt hat. Da könnten notfalls sogar die Aufwachräume für COVID-19-Patienten zur Verfügung gestellt werden, im schlimmsten Fall sogar Operationssääle.

Ist mittlerweile mehr Schutzausrüstung vorrätig?

Auf jeden Fall. Der Vorrat, den Krankenhäuser und Praxen etwa an Masken und Kitteln hatten, war zu gering. Da muss mehr im Lager liegen, um im Ernstfall das medizinische Personal ausreichend schützen zu können. Jetzt wird mehr bevorratet, aktuell und auch in der Zukunft. Es ist nur noch die Frage der Finanzierung offen. 

Was hat man über die Behandlung von COVID-19-Patienten gelernt?

Auch da hat sich Einiges getan. Man sieht das unter anderem daran, dass mit der Zeit weniger COVID-19-Patienten versterben als am Anfang. Gerade bei der Beatmung hat man entdeckt, dass es da bei COVID-19-Patienten Besonderheiten gibt, dass man da anders behandeln muss, als bei anderen schweren Infektionskrankheiten - zum Beispiel mit einem anderen Luftdruck. Überhaupt weiß man inzwischen: COVID-19 ist keine Lungenerkrankung allein. Sie betrifft den gesamten Körper, verschiedene Organe. Dazu kommt, dass viele Patienten im höheren Alter sind, an mehreren anderen Krankheiten leiden – das macht die Behandlung kompliziert und erfordert viel interdisziplinäre Zusammenarbeit von verschiedenen Experten.

Ein ganz wichtiger Facharzt fehlt in Deutschland allerdings viel zu oft: Der Facharzt für Infektiologie. Virologen und Mikrobiologen – da steht Deutschland gut da. Aber der Infektiologe, der dieses Wissen direkt in der Behandlung von Patienten anwendet – da gibt es noch zu wenige in Deutschland. Zur Zeit wird nur an einigen Zentren in Deutschland die klinische Infektiologie gelehrt. Es sollte einen Facharzt Infektiologie geben, damit wirklich in der Breite aber eben auf hohem Niveau Ärzte sich entsprechend weiterbilden können, sagen Fachleute. Gerade für komplizierte Infektionskrankheiten, wie eben Covid-19, ist dieses Spezialwissen sehr wichtig für die Behandlung der Patienten. In vielen anderen Ländern gibt es schon einen Facharzt Infektiologie, zum Beispiel in den USA.

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