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StartseiteWirtschaft am MittagEigenkapitalvorschriften für Banken14.06.2017

Lehren aus der FinanzkriseEigenkapitalvorschriften für Banken

Wie werden Banken krisenfester? Indem sie mehr Eigenkapital vorhalten. Darüber wird derzeit international verhandelt - doch besonders Banken in Europa und auch Deutschland wehren sich dagegen. Vor allem bei der Frage, wie Risiken in den Bilanzen deutlicher ermittelt werden können, herrscht Uneinigkeit.

Von Hans-Jürgen Maurus

Die City of London ist der wichtigste Finanzplatz Europas. (dpa / picture alliance / EPA / Andy Rain)
Die City of London ist der wichtigste Finanzplatz Europas. (dpa / picture alliance / EPA / Andy Rain)
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Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht hat Vorschläge über strengere Eigenkapitalvorschriften für Finanzinstitute vorgelegt. Die Verhandlungen befinden sich in der Endphase, ein Kompromiss ist jedoch nicht in Sicht. Bei Basel III geht es um viel, betont Prof. Günter Franke vom Internationalen Institut für Finanzmanagement der Universität Konstanz:
 
"Die Regulierung der Banken hat das Ziel, Finanzkrisen nach Möglichkeit zu verhindern. Dabei geht es um die Fragen: Wie weit soll man Banken regulieren? Und insbesondere inwieweit soll man Banken vorschreiben, Eigenkapital als Puffer für zukünftige Verluste zu halten?"
 
Aus der Finanzkrise 2008 lernen
 
Es gilt also immer noch, die Lehren aus der Finanzkrise von 2008 zu ziehen. Man will Lücken schließen, gerade bei der Eigenkapitalregulierung. Basel III will eine einheitliche Mindestkapitalunterlegung, bessere Vergleichbarkeit und mehr Stabilität, um zu verhindern, dass Banken ihre Risikopositionsbeträge mithilfe interner Modelle herunterrechnen. Das Problem dabei ist, dass es unter anderem mit dem Standardansatz und internen Modellen unterschiedliche Herangehensweisen gibt, so Experte Franke:
 
"Die Baselregulierung erlaubt es den Banken, das erforderliche Eigenkapital mit verschiedenen Modellen zu berechnen. Es gibt den Standardansatz, das ist ein einfacher schematischer Ansatz. Dann gibt es das interne Modell, das kann die Bank selbst entwickeln und sie kann dieses Modell auch mit selbst geschätzten Daten füttern. In Europa hat sich gezeigt, dass Banken, die interne Modelle verwenden, sehr viel weniger Eigenkapital benötigen."

Geringeres Risiko

Auf diese Weise spielen Banken ihre Risikopositionen herunter. Daher hat der Basler Ausschuss einen sogenannten "Floor Faktor" vorgeschlagen, der die Mindestkapitaluntergrenze bestimmen soll. Dieser sieht vor, dass der nach internen Modellen veranschlagte Eigenkapitalbedarf höchstens um 25 Prozent niedriger ausfallen darf als beim Standardansatz. Prof. Franke erläutert dies näher:
 
"Zum Beispiel würde eine Bank nach dem Standardansatz eine Milliarde Eigenkapital benötigen, nach dem internen Modell aber nur 600 Millionen. Hier stellt sich die Frage: Wie kommt dieser Unterschied zustande? Deswegen wird auch von wissenschaftlicher Seite argumentiert, dass man hier eine Untergrenze für das Eigenkapital festlegen soll. Das würde bedeuten, dass diese Bank dann mindestens 750 Millionen Euro Eigenkapital vorhalten muss."

75-Prozent-Quote zu hart

Deutsche und europäische Banken sowie die Bundesregierung lehnen diese 75-Prozent-Quote jedoch als zu hart ab, da sie befürchten, dass dann der Eigenkapitalbedarf stark ansteigt. Finanzinstitute in den USA haben dagegen mit dieser Regel kein Problem, meint Experte Franke:
  
"Hier gibt es einen klaren Interessenkonflikt. In Europa waren die Aufseher relativ großzügig, in den USA ist das sehr viel härter gehandhabt worden. Amerikanische Banken, die das interne Modell rechnen, haben kaum eine Eigenkapitalersparnis gegenüber dem Standardmodell – deshalb haben die Amerikaner kein Problem damit, eine hohe Untergrenze festzulegen. Dies würde die amerikanischen Banken nicht treffen, wohl aber die europäischen Banken."

Ungünstig für europäische Banken

Darunter würden vor allem die großen, systematisch relevanten Banken leiden – etwa in Deutschland und Frankreich, aber insbesondere auch in England. Prof. Franke erklärt, warum:

"Diese Banken haben eben auch ein starkes Interesse daran, ihr Geschäft mit weniger Eigenkapital zu betreiben. Deswegen wehren sie sich auch dagegen und aufgrund ihrer Connection zur Regierung haben sie diese auch dazu bewegen können, dass sie sich gegen einen Outputfloor wehren, der über 70 Prozent liegt."
 
Beim G-20 Gipfel in Hamburg steht das Thema einmal mehr auf der Agenda, doch eine Einigung wird es nicht geben, prophezeien die Kenner der Materie:
 
"Dort werden diese Fragen eine Hintergrundrolle spielen – es ist nicht zu erwarten, dass eine Einigung erfolgt."

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