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StartseiteForschung aktuellWie Corona das Wissen um Virenübertragung verändert30.08.2021

Lehren aus der PandemieWie Corona das Wissen um Virenübertragung verändert

Weltweit leiden die Menschen seit mehr als eineinhalb Jahren unter der Corona-Pandemie. Für die Wissenschaft hält sie dabei viele Lehren bereit. Eine aktuelle Übersichtsstudie zeigt: Die Forschung zu Sars-CoV-2 hat zu neuen Erkenntnissen darüber geführt, wie Atemwegsviren übertragen werden.

Von Christina Sartori

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Corona Virus Aerosols Indoor Aerosols with the corona viruses indoors. 3d illustration.  (www.imago-images.de)
Bei der Übertragung von Sars-CoV-2 spielen Aerosole eine wichtige Rolle. (www.imago-images.de)
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Lange gab es Diskussionen über die Wirksamkeit von Masken beim Infektionsgeschehen und die Übertragungswege von Sars-CoV-2. Inzwischen liegen viele Untersuchungen dazu vor, und die Wissenschaft hat eine Reihe von Lehren aus der Pandemie gezogen. Ein internationales Team hat jetzt im Fachjournal Science eine Studie vorgelegt, die zeigt, wie die Corona-Pandemie das Wissen um die Übertragung von Atemwegserkrankungen vergrößert hat.

Worum geht es in der aktuellen Studie?

Es geht um Aerosole, besonders kleine Tröpfchen, über die das Coronavirus sich verbreitet. Und es handelt sich um einen Review, also eine Übersichtsarbeit. Das heißt, da haben Wissenschaftler nach guten Studien zum Thema Aerosole gesucht und die dann zusammen ausgewertet. Die Autoren kommen aus den USA, Taiwan, Israel und China, und veröffentlicht wurde diese Übersichtsarbeit in der sehr angesehenen Fachzeitschrift Science.

Zu welchem Ergebnis kommen die Autoren?

Sie stellen fest: Am Anfang der Pandemie ging man noch davon aus, dass Corona, aber auch andere Atemwegserkrankungen vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen werden: Also über Tröpfchen, die Viren enthalten und beim Sprechen, Husten, Singen oder Atmen durch die Luft ins Gesicht eines anderen Menschen gelangen, oder auf seine Hände – und so übertragen werden. Da Tröpfchen relativ groß sind, sinken sie schnell zu Boden, das heißt sie bleiben nicht lange in der Luft. Bei Studien zur Übertragung von Sars-Cov-2 hat man dann gesehen: Nicht nur Tröpfchen, sondern auch Aerosole spielen eine Rolle bei der Übertragung.

Welche Rolle spielen Aerosole bei Infektionen in Innenräumen?

Aerosole sind so winzige Tröpfchen, das sie länger in der Luft schweben, mehrere Stunden, das bestätigt diese Übersichtsarbeit nochmal. Und sie können – auch das bestätigen die Autoren –, je nachdem wie die Luft sich bewegt, über weit mehr als ein bis zwei Meter durch einen Raum getragen werden, also auf größere Distanz jemanden anstecken. Diese neuen Erkenntnisse hatten ja auch Einfluss auf die konkreten Maßnahmen: Nur Abstand halten reicht eben nicht, um sich vor den Aerosolen zu schützen. Lüften und Masken sind ebenfalls wichtig. Und die Autoren dieser aktuellen Übersichtsarbeit, die schreiben: Das ist wahrscheinlich auch für andere Atemwegserkrankungen wichtig, zum Beispiel Grippe oder MERS oder Rhinoviren - auch da müssen wir in Zukunft mehr an die Aerosole denken. Und dazu gab es während der Pandemie eben auch viele Studien: Wie verbreiten sich Aerosole genau? Wie kann man sich davor am besten schützen? Etc.

Gibt es weitere Lehren aus der Corona-Pandemie?

Einmal beim Thema Masken: Am Anfang der Pandemie war umstritten, ob Masken schützen oder nicht. Da gab es noch sehr wenige aussagekräftige Studien. Man befürchtete, dass Menschen unvorsichtig werden, wenn sie Masken tragen und den Schutz durch Masken überschätzen. Inzwischen gibt es mehrere gute Studien, die zeigen: Masken schützen - mich selbst und meine Umgebung. Und ein weiteres Beispiel für Fortschritt sind mRNA Impfstoffe. Durch die Pandemie kennt man jetzt ein ganz neues Prinzip von Impfstoff, das zu Beginn der Pandemie noch als exotisch galt. aber jetzt zeigen mRNA-Impfstoffe Sicherheit und Wirksamkeiten, von denen viele andere Impfstoff weit entfernt sind. Das ist ein großer Gewinn. Auch, weil man jetzt diese Grundtechnik hat und darauf basierend andere Impfstoffe entwickeln kann – gegen neue Corona-Varianten, gegen andere Krankheiten wie zum Beispiel Malaria. Da tun sich viele Möglichkeiten auf.

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