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StartseiteKommentare und Themen der WocheMehr Personal bedeutet auch mehr Sicherheit für die Patienten06.06.2019

Lehren aus Prozess gegen PatientenmörderMehr Personal bedeutet auch mehr Sicherheit für die Patienten

Der erneute Mordprozess gegen den Ex-Krankenpfleger Niels Högel habe eklatante Schwachstellen im System Krankenhaus aufgezeigt, kommentiert Ulrike Nehls. Krankenhäuser bräuchten mehr Personal - denn Zeit zum Hinschauen hätten nur Pflegerinnen und Pfleger, die auch Zeit für Patienten hätten.

Von Ulrike Nehls

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Die Hand einer Pflegerin einen intravenösen Tropf vor. (dpa/Britta Pedersen)
Mit einem Appell an Zivilcourage allein ist es in unseren Krankenhäusern jedoch nicht getan, meint Ulrike Nehls (dpa/Britta Pedersen)
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Musste das wirklich sein? Solch ein aufwändiger  Prozess mit 30 Zeugen, fünf Sachverständigen, 17 Anwälten? Eine für jeden Prozesstag teuer angemietete Kongresshalle, weil der normale Gerichtssaal für so viele Leute nicht reicht? Und das alles für diesen ehemaligen Krankenpfleger, der bereits in früheren Verfahren wegen Mordes und versuchten Mordes schuldig gesprochen wurde. Zu lebenslanger Haft. Dem die besondere Schwere der Schuld bereits bescheinigt wurde - und der dafür seit Jahren hintern Gittern sitzt? Und jetzt ein neuer Gerichtsspruch, aber ein altbekanntes Urteil: Lebenslang, mit besonderer Schwere der Schuld.

Notwendig für den Rechtsfrieden

Ich sage: Ja. Das musste sein. Nein, das hätten wir uns nicht sparen können. Deutschland erhebt den Anspruch ein Rechtsstaat zu sein. Und da geht es nicht nur um die gerechte Strafe für einen Mann, der unfassbar viel Schuld auf sich geladen hat. Und es geht auch nicht nur darum, die Öffentlichkeit vor einem Mörder zu schützen. Es geht auch um Rechtsfrieden. Unser Rechtssystem blickt ganz bewusst nicht nur auf den Täter, sondern vor allem auf die Opfer.

Jeder Hinterbliebene muss sich darauf verlassen können, dass jedes einzelne Verbrechen an seinem Vater, seiner Mutter, seinem Ehepartner aufgeklärt, aufgearbeitet und rechtlich bewertet wird. Die Angehörigen haben ein Recht darauf zu erfahren, wie und vielleicht auch warum ihre Lieben sterben mussten.

Nicht in allen Fällen ist dies wirklich gelungen. Richter Bührmann formulierte es heute so: Wir wollten so viel Wahrheit ans Tageslicht bringen wie möglich, aber wir hinterlassen in 15 Fällen Steine statt Brot. Trotz der akribischen Arbeit in diesem Verfahren von Polizei und Staatsanwaltschaft. Es ist nicht in allen Fällen gelungen, weil der angeklagte Niels Högel, aber auch so mancher Zeuge sich nach 19 Jahren nicht mehr erinnern kann oder will.

Mordserie mit Konsequenzen

Und trotzdem: Dieser neuerliche Prozess war gut und richtig. Er hat eklatante Schwachstellen im System Krankenhaus aufgezeigt: überlastete Pflegekräfte und Ärzte, Leitungen, die wegen des enormen Kostendrucks bei Problemen lieber wegschauen als die Dinge beim Namen zu nennen. Und es hat sich auch bereits etwas bewegt: In Niedersachsen gibt es jetzt Stationsapotheker, die den Medikamentenverbrauch überwachen.

Die erweiterte Leichenschau wurde eingeführt, bei der ein Arzt bei äußeren Auffälligkeiten schneller Polizei und Staatsanwaltschaft einschaltet. Und es wurde ein anonymes Meldesystem für Verdachtsfälle an den Kliniken etabliert. Und genau das ist der Weg. Hinschauen, nicht wegschauen. Das geht uns alle an. Es ist so bequem ein Problem zu ignorieren oder weiter zu schieben. Wie fatal die Folgen sein können, zeigt diese Mordserie.

Mit einem Appell an Zivilcourage allein ist es in unseren Krankenhäusern jedoch nicht getan. Zeit zum Hinschauen hat nur der Pfleger, die Schwester, die auch Zeit für den Patienten hat. Wenn dieser Prozess uns alle etwas gelehrt hat, dann dies: Wir brauchen mehr Personal in der Pflege. Denn mehr Personal bedeutet auch mehr Sicherheit für die Patienten.

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