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StartseiteKommentare und Themen der WocheKultusminister haben ihr Pulver verschossen28.08.2019

LehrermangelKultusminister haben ihr Pulver verschossen

Pensionäre, Sozialpädagogen oder Quereinsteiger als Lückenbüßer: Die Maßnahmen der Kultusminister gegen den Lehrermangel seien ausgereizt, kommentiert Sandra Pfister. Dem leergefegten Markt sei am besten mit der Abschaffung des NC zu begegnen - und mehr Wertschätzung den Lehrern gegenüber.

Von Sandra Pfister

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Unterricht in der 4. Klasse  (picture alliance / Jens Kalaene)
Lehrermangel vor allem in der Grundschule (picture alliance / Jens Kalaene)
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Lehrermangel "Wir werden Qualitätsprobleme im Bildungswesen bekommen"

Das Lehrerzimmer ist zwar noch kein leeres Zimmer, aber die große Pause ist doch ziemlich groß, wenn andauernd Unterricht ausfällt. Elternwut hat das Zeug dazu, Landtagswahlen zu entscheiden. Und der Lehrermangel ist die Mutter aller Schulprobleme, die wir im Moment haben.

Die Kultusminister sind selbst schuld. Jahrelang gab es keine oder zu niedrige Zahlen zum Lehrerbedarf. Die Kultusminister tun jetzt so, als seien sie von steigenden Geburtenraten ebenso überrascht worden wie von der Zuwanderung.

Der Markt scheint leergefegt

Sie haben allmählich ihr Pulver verschossen. Berlin hat versucht, bei den Hessen zu rekrutieren, Sachsen hat frisch ausgebildete Lehrer aus Bayern abgezogen. Doch nun ist der Markt anscheinend leergefegt.

Einige Bundesländer flehen Pensionäre an, zurückzukommen. Andere locken Gymnasiallehrer ohne Stellen in Grundschulen. Teilweise fungieren Sozialpädagogen als Lückenbüßer, noch häufiger Quereinsteiger. Obwohl sie oft motiviert und fachlich gut sind, haben viele zu kämpfen. Einige mit Eltern, die sie nicht akzeptieren. Andere damit, dass ihnen niemand pädagogisches Rüstzeug gibt oder gutes Mentoring. Und zudem landen sie oft in Problemschulen. So beginnt eine Abwärtsspirale, in der sie ausbrennen und die Unterrichtsqualität leidet.

Wo also liegen die Lösungen?

Reserven bilden - weg mit dem NC

Lieber ein paar Lehrer zu viel einstellen als zu wenige. Die Bundesländer sollten auf Reserve einstellen, einen Vorrat anlegen. Zehn Prozent mehr Lehrer, als aktuell gebraucht würden, in guten Zeiten. Das ist die einzige Möglichkeit, später Engpässe zu vermeiden.

Weg mit dem Numerus Clausus, mehr Studienplätze für das Lehramt.

Es wollen ja nicht zu wenige junge Leute Grundschullehrer werden, sondern es gibt zu wenig Studienplätze. Muss der NC in manchen Fächern wirklich bei 1,2 liegen? Viele mit Spitzennoten studieren lieber Jura oder Medizin. Andere, die gut wären, kommen nicht rein.

Und dann ist noch die Frage: Wie gut gehen wir mit unseren Lehrern um? 

Zwar gibt es ernstzunehmende Indizien dafür, dass Unterricht auch in großen Klassen gelingen kann. Aber Lehrer brennen dann eher aus. Kleinere Klassen, zwei Lehrer oder zumindest ein zusätzlicher Assistenzlehrer pro Klasse – das sollte kein Luxus sein. 

Und, zu guter Letzt: Es ist wohlfeil und weit verbreitet, über Lehrer zu schimpfen - und zugleich zu fragen, wer den stressigen Job denn überhaupt noch machen will. Jeder einzelne sollte darüber nachdenken, wann wo er wohlwollender und wertschätzender mit Lehrern und über Lehrer reden könnte.

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