Sonntag, 16.06.2019
 
Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteVerbrauchertippSchlechte Noten für die Bremsen29.04.2019

LeihfahrräderSchlechte Noten für die Bremsen

App herunterladen, Kontodaten hinterlegen und schon kann die Fahrt losgehen: Vor allem in großen Städten gibt es mittlerweile eine große Auswahl an Leihfahrrädern. Sechs Anbieter hat die Stiftung Warentest untersucht- und bei vier von sechs ein großes Sicherheitsmanko festgestellt.

Von Dieter Nürnberger

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
 Ein Radfahrer fährt in der Landeshauptstadt an abgestellten Leihfahrrädern der Anbieter Mobike und Ford-Pass-Bike vorbei. (picture-alliance / dpa / Martin Gerten)
In puncto Datenschutz fiel der Anbieter Mobike negativ auf (picture-alliance / dpa / Martin Gerten)
Mehr zum Thema

Leihräder China und der Fahrrad-Müll

Fahrrad-Verleih in Berlin Droht eine Invasion der Mieträder?

Hoffnung auf eine Verkehrswende Das Fahrrad auf dem Vormarsch

Fahrradfahrer Pannenhilfe fürs Fahrrad rund um die Uhr

"Ja, das ist sehr praktisch. Vor allem viele Fahrräder, da hat man auch Auswahl und kann sich das Beste aussuchen."

Dieser Leihfahrrad-Kunde ist am Berliner Hauptbahnhof recht schnell fündig geworden. Dutzende Räder von verschiedenen Anbietern stehen zur Auswahl, teilweise an festen Verleihstationen oder auch irgendwo rund um den Bahnhof abgestellt.

"Bei dem einen hier, muss man wohl ein Guthaben aufladen, das wusste ich nicht. Und bei denen hier, bin ich schon seit Jahren Kunde. Das ist ganz einfach, die buchen das von meinem Konto ab."

Anmeldung und Entsperrung funktionieren meist gut

Doch wie steht es um den Zustand der Räder? Die Stiftung Warentest hat deshalb sechs große Anbieter von Leihrädern untersucht. Zu den schon länger und deutschlandweit agierenden Platzhirschen "Nextbike" und "Call a bike" haben sich in den vergangenen Jahren einige internationale Anbieter gesellt, etwa aus den USA oder China. Für die Untersuchung wurden jeweils zehn Räder eines Anbieters an fünf verschiedenen Orten in Deutschland gemietet. Warentesterin Anke Scheiber:

"Was man als Erstes braucht, ist die App des jeweiligen Anbieters, von dem man das Fahrrad leihen möchte. Das findet man im jeweiligen App-Store oder man schaut bei dem Rad selber mal nach. Auch da gibt es Hinweise, vielleicht einen QR-Code oder anderes, was man einlesen kann. Dann geht es recht flott - man muss noch Zahlungsdaten hinterlegen und dann kann es losgehen."

Dieses Prozedere funktionierte bei den meisten Leihrädern reibungslos, ebenso das Entsperren und Abschließen. Auch Fahreigenschaft und Komfort der Räder waren bis auf eine Ausnahme in Ordnung. Beim chinesischen Verleiher "Mobike" fährt aber ein Teil der Flotte mit Vollgummireifen und auch ohne Gangschaltung. Das kann anstrengend werden.

Hauptknackpunkt war allerdings die technische Prüfung der Räder. Und hier fielen vier der sechs Anbieter mit "mangelhaft" durch.

"Da mussten wir leider feststellen, dass doch bei sehr vielen Rädern, die wir in der Prüfung hatten, die Bremswirkung nicht ausgereicht hätte, um im Notfall das Fahrrad gut und rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Das ist für uns natürlich ein großes Sicherheitsmanko. So etwas darf nicht sein."

Nutzer sollten Räder selbst überprüfen

Weiterer Schwachpunkt: Beim Anbieter "Limebike", der auch Pedelecs vermietet, fehlte ein vorgeschriebener Sicherungsmechanismus für den Elektromotor. Wie häufig eine Kontrolle oder auch Reparatur der Räder erfolgt, ist gesetzlich nicht geregelt. Weshalb Kunden vor dem Mieten selbst prüfen sollten, ob beispielsweise die Bremsen wirklich ziehen oder ob Kabel der Beleuchtung defekt erscheinen.

Ärgerlich für die Kunden zudem: Beim Anbieter "Donkey Republic" gibt es die Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht auf Deutsch und "Limebike" bezieht sich in den AGBs auf kalifornisches Recht. Nicht in die Bewertung mit einging, ob die Anbieter ausreichend vertraulich mit den Kundendaten umgingen. Vorbildlich sei beim Datenschutz ohnehin kein Verleiher, sagt Anke Scheiber, aber es gehe trotzdem auch noch schlechter: 

"Da ist uns leider auch ein Anbieter - "Mobike" - negativ aufgefallen. Vor allem wurden eben auch sensible Daten, wie beispielsweise die Telefonnummer, unverschlüsselt rausgesendet. So etwas soll natürlich nicht passieren."

Bei den Kosten unterscheiden sich die Anbieter nicht groß. Je nach Taktung fallen für 30 bis 40 Minuten Verleihzeit 1 bis 2 Euro an. Am Ende war die Sicherheit der Räder entscheidend, so die Stiftung Warentest.

"Die beiden großen Anbieter "Nextbike" und "Call a bike" sind bei uns als Testsieger hervorgegangen. Nur bei diesen Anbietern konnten wir sagen, da ist die technische Sicherheit der Räder durchweg in Ordnung."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk