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StartseiteKulturfragen„Unsere Mission ist, den eigenen Bestand zu erhellen“05.01.2020

Leihgaben in Museen„Unsere Mission ist, den eigenen Bestand zu erhellen“

Kunst muss für viele Menschen zugänglich sein. Dafür geben Museen ihre Werke als Leihgaben zeitweise in die Obhut anderer Häuser. "Wir haben als Museen eine Bringschuld", sagte Bernhard Maaz, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, im Dlf.

Bernhard Maaz im Gespräch mit Antje Allroggen

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Bilder des Museums Gotisches Haus werden für eine Ausstellung verpackt (imago / Michael Schick)
Ein wertvolles Kunstwerk wird für den Transport verpackt (imago / Michael Schick)
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Die Philosophie des Schenkens "Geschenke sind Beziehungsangebote"

Beim Leihverkehr spielen die Münchner Pinakotheken eine tragende Rolle: In ihnen wird "das Tafelsilber Bayerns" verwaltet, so Maaz: "Unsere Kollegen wissen ganz genau, worauf zu achten ist. Dass man beispielsweise eine große Holztafel, die aus mehreren Brettern besteht, nicht mal eben hin- und her schickt." Grundsätzlich gibt man aber gern. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen verleihen derzeit rund 4.000 Werke an verschiedene Museen. Allein im Germanischen Nationalmuseum befinden sich über 220 Dauerleihgaben. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen umfassen die Münchner Pinakotheken, das Museum Brandhorst und ein Dutzend Außenstellen im Freistaat Bayern.

Restauratoren begutachten Leihgaben vorab

Das Geben und Nehmen im Museum ist Teamarbeit: Bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen verwaltet ein Registrar die Sammlungen und den Leihverkehr. Restauratoren überprüfen regelmäßig gemeinsam mit den Kuratorinnen und Kuratoren den Zustand der Kunstwerke. Umsicht sei bei allem Geben und Nehmen oberstes Gebot: "Wenn wir eine Leihgabe versenden, dann brauchen wir etwa ein dreiviertel Jahr vorneweg", sagt Maaz. Erst, wenn die Restauratoren das Werk inspiziert haben und der Referent eine Ausleihe gebilligt hat, wird das Werk für den Leihverkehr versichert. Über den Versicherungswert werde dabei nie gesprochen: "Das ist eine Frage der Umsicht."

Leihen statt sammeln?

Das Geschäft mit den Leihgaben ist auch deshalb so wichtig für Museen, weil Neuerwerbungen kaum noch möglich sind: "Selbst die klassische Moderne ist von einem Museum heute kaum mehr zu bezahlen", erklärt Maaz. Deshalb sammeln die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen vor allem Kunst der Gegenwart mit dem Fokus auf Medien und Fotografie und vermeiden, dass es dabei zu Doppelungen kommt. Für Sonderausstellungen leihe man sich Werke, die den eigenen Bestand ergänzen. Bis Ende Januar läuft in der Alten Pinakothek eine Van Dyck-Ausstellung, an der man jahrelang geforscht habe. In der Ausstellung seien in etwa 60 eigene Werke vertreten, ergänzt durch 48 fremde Leihnahmen. "Und daran merken Sie, was unsere Mission ist: den eigenen Bestand zu erhellen", erläutert Maaz.

Ein Museum nimmt auch gern

Grundsätzlich handele es sich um einen Methoden-Mix. Private Leihgaben könnten auch in Staatseigentum übergehen. Private Sammlungen seien deshalb wichtig, weil sie "die Stimme des Sammlers oder der Sammlerin" dokumentieren. Die Stiftung etwa – dessen Museum gehört zu den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen - sei hier ein wichtiges Beispiel. Daneben gebe es auch Schenkungen, die den eigenen Bestand ergänzen. Vor einem Jahr vermachte Georg Baselitz der Neuen Pinakothek sechs Gemälde und eine Skulptur. Auch von Jonathan Meese gab es eine Schenkung.

Der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, Bernhard Maaz, lächelt am 22.06.2015 im Museum Brandhorst in München (Bayern) während einer Pressekonferenz. (picture-alliance / dpa / Sven Hoppe)Bernhard Maaz, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlung (picture-alliance / dpa / Sven Hoppe)

Minimaler ökologischer Fußabdruck

Bei allem Geben und Nehmen spiele die Dauerausstellung eine große Rolle: viele Schätze befänden sich vor Ort. Einige Kunstwerke würden zwar auf Reisen geschickt. Deren Fußabdruck sei aber "ökologisch betrachtet minimal" und verbrauche nur einen "Bruchteil dessen, was an CO2 in der Welt entsteht". Markenkern sei bei allem Geben und Nehmen immer das Original: "Das Original überlebt uns alle." Selbst das digitale Bild führe immer wieder zu diesem hin. "Das dreidimensionale Bild, das ist das große Pfand der Museen."

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