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StartseiteKultur heuteSuche nach postkolonialer Identität08.12.2020

Leipziger Buchpreis zur Europäischen VerständigungSuche nach postkolonialer Identität

Für sein Buch "Afropäisch. Eine Reise durch das schwarze Europa" wird der Autor Johny Pitts mit dem Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung ausgezeichnet. "Eine gute Wahl", kommentierte der Historiker Andreas Eckert die Juryentscheidung im Dlf.

Andreas Eckert im Gespräch mit Michael Köhler

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Der Autor Johny Pitts erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2021 (Jamie Stoker/Penguin)
Der Autor Johny Pitts erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2021 (Jamie Stoker/Penguin)
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Das Buch erzähle in vielen interessanten Episoden auf subjektive Weise von der Heterogenität schwarzer Menschen in Europa, sagte Andreas Eckert, Professor für die Geschichte Afrikas an der Humboldt-Universität in Berlin. Vor allem aber mache es deutlich, "dass das sehr essentialistische Bild, das von diesen Menschen herrscht, in keiner Weise mehr zu rechtfertigen ist.

Geschichte und Gegenwart

In einer "flotten Sprache mit eingängigen Bildern und gut ausgewählten historischen Beispielen" verbinde Johnny Pitts dabei sehr eindringlich die Geschichte mit der Gegenwart - bis hin zu den Fleischarbeiter*innen des Jahres 2020:

"Bestimmte Arbeit - und gerade schmutzige Arbeit, Dienstleistungs-Arbeit, Arbeit, die es ermöglicht, dass bestimmte Produkte oder Dienstleistungen für Andere einigermaßen erschwinglich sind: Das gibt es lange. Aber das Buch zeigt eben auch, dass vielleicht verhältnismäßig viele Afrikanerinnen und Afrikaner davon betroffen sind oder diese unsichtbare Arbeit verrichten - und das eben nicht erst seit gestern."

Nicht nur in der Opferrolle

Der nun ausgezeichnete Autor beleuchte das, was nicht gesehen werden solle oder wolle, so Andreas Eckert:

"Das Buch bringt diese Geschichte sehr stark ins Zentrum. Es ist aber kein Buch, das Afrikanerinnen und Afrikaner rein auf die Rolle von Opfern reduziert. Es zeigt durchaus auch die Handlungsmöglichkeiten, auch mögliche Spielräume, Engagement, die kritische Auseinandersetzung dieser Menschen mit ihrer Situation." Das mache dieses Buch aus seiner Sicht "fulminant". 

Johnny Pitts und sein Buch könnten den Anfang einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik markieren. Seine Auszeichnung sei schon deshalb eine richtige und wichtige Entscheidung, sagte Eckert: "Er macht eben deutlich, wie stark Afrikanerinnen, Afrikaner, ihre Tätigkeiten, inzwischen Teil Europas sind."

Johny Pitts ist Sohn einer weißen Arbeiterin aus Sheffield und eines schwarzen Soul-Sängers aus New York. Er arbeitet als Autor, Fotograf und Journalist. Für sein Engagement für eine afropäische Identität wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem vom Europäischen Netzwerk gegen Rassismus. Im Mai kommenden Jahres soll er zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse den "Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung" erhalten.

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