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LeitzinssenkungBrexit-Angst zwingt britische Notenbank zum Handeln

Der Chef der Bank of England, Mark Carney. (picture-allaince/ dpa/ Andy Rain)
Der Chef der Bank of England, Mark Carney. (picture-allaince/ dpa/ Andy Rain)

"Wir erleben eine Zeit der erheblichen Verunsicherung", sagte der Chef der Bank of England, Mark Carney mit Blick auf das Brexit-Votum. Englands Zentralbank fürchtet Folgen für die britische Wirtschaft. Nun senkte sie den Leitzins. Experten bleiben indes skeptisch, dass dadurch eine Rezession verhindert werden könne.

Von vielen Beobachtern war es erwartet worden: Die Bank of England senkte heute den Leitzins – auf ein neues Rekordtief. Der Schlüsselsatz wurde von derzeitig 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent herabgesetzt. Es war die erste Anpassung seit nunmehr sieben Jahren.

Seit dem Brexit sieht die wirtschaftliche Prognose auf der Insel düster aus. Pfund und Wirtschaft schwächeln, der Bausektor schrumpft und Londons Immobilienpreise sind im Keller. Großbritannien steuert auf den stärksten Konjunktureinbruch seit der Weltwirtschaftskrise von 2009 zu. "Wir erleben eine Zeit der erheblichen Verunsicherung", sagte der Chef der Bank of England, Mark Carney mit Blick auf das Brexit-Votum. Die wirtschaftlichen Aussichten hätten sich deutlich verschlechtert." Die Briten hatten im Juni entschieden, die EU zu verlassen. Seitdem herrscht Unsicherheit bei Politik, Wirtschaft und Verbrauchern, die auch für Zurückhaltung bei Investitionen sorgt.

Milliardenschweres Anreizprogramm gegen drohende Rezession

Zeit also, um gegenzusteuern. Neben der Senkung des Leitzinses legte die Notenbank noch ein milliardenschweres Anreizprogramm auf, um ein Abdriften in die Rezession zu vermeiden. Das Ankaufprogamm für Wertpapiere soll von derzeit 375 Milliarden auf 435 Milliarden Pfund aufgestockt werden. Außerdem stellt sie zehn Milliarden Pfund für den Anfkauf von Unternehmensanleihen bereit. Carney mahnte die Politik, sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht allein auf die Notenbank zu verlassen: "Wir können diesen strukturellen Schock nicht sofort und vollständig bewältigen." Die Banken mahnte er, die günstigeren Bedingungen bei der Geldbeschaffung an die Bürger weiterzugeben.

Finanz-Experten bleiben indes skeptisch, dass dadurch eine Rezession verhindert wird. Jens Kramer von der NordLB sprach von einem "Paukenschlag mit Nebenwirkungen". Er geht davon aus, dass die Inflationsrate mittelfristig durch den Wechselkurseffekt steige. "Die Bank von England macht kurzen Prozess und eröffnet beim Kampf gegen den Brexit das Feuer", kommentierte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank die Entscheidung. Je niedriger das Zinsniveau sei, desto schwieriger werde es, die Löcher zu stopfen.

(sima/ts)

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