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StartseiteHintergrundLibyen - Vom Paria zum Partner18.12.2004

Libyen - Vom Paria zum Partner

Gadhafis Kehrtwende

Der große Traum des Beduinensohnes Mu’ammer al-Gadhafi: ein starkes, ein unabhängiges Vaterland, frei von kolonialen Fesseln, frei von Feudalherrschaft und ausländischer Gängelung.

Von Reinhard Baumgarten

Der libysche Staatschef Gaddafi (AP)
Der libysche Staatschef Gaddafi (AP)
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Minal Muhiid ilal Chalidsch – vom Atlantik bis zum Golf. Die arabische Einheit, das ist der zweite große Traum des Ach al-’Aqiid, des Bruder Oberst, wie Gadhafi seit der Revolution von 1969 in Libyen genannt wird.

Unmengen von Geld hat Gadhafi ausgegeben, um sein spärlich besiedeltes Land im Chor der Großen mitsingen zu lassen. Doch der heute 62jährige ist im Laufe seiner 35 Regierungsjahre vor allem durch Misstöne aufgefallen.

Stärke und Entschlossenheit, Glaube und Sieg. Militärparade am Jahrestag der Revolution auf dem alten Flughafen in Tripolis. Tausende von Soldaten ziehen vorbei. Vom Gefreiten bis zum General – sie alle müssen ihre Waffen prüfen lassen, denn es könnte noch eine Kugel im Lauf sein. 42 Anschläge und Umsturzversuche soll Gadhafi überstanden haben. Dichtung oder Wahrheit? Niemand weiß es wirklich. Gadhafi leidet angeblich unter schweren Depressionen, er soll Krebs – einen Gehirntumor - im fortgeschrittenen Stadium haben. Viele dieser Gerüchte sind möglicherweise von seinem eigenen Sicherheitsapparat in die Welt gesetzt worden. Sie sind Teil der Verschleierungsstrategie um den 1942 geborenen Führer der Revolution.

Wenn er aufrecht steht, legt er den Kopf meist leicht in den Nacken. Seine braunen Augen werden zu schmalen Schlitzen. Seine Haltung soll Überlegenheit signalisieren, sie drückt Verachtung aus für die Niederungen der Welt. Wenn er spricht, kommt seine Stimme aus den Tiefen der Kehle. Er öffnet den Mund nur wenig, er nuschelt und ist daher schwer zu verstehen. Gern preist er sein "Grünes Buch" als die dritte sogenannte Universaltheorie.

Als wir die Theorie der Gleichberechtigung vorgestellt haben, konnten die Menschen ohne Regierung, Armee, Waffen, Führer oder Präsident leben. Libyen wurde dann konfrontiert mit Boykott, Vorurteilen und Krieg. Das war normal, wir haben es hingenommen. In der Geschichte war es oft so. Wir sind wie Propheten, Denker, und Reformer, die die Welt verändern.

Mu’ammer, der "Prophet" der Großen Sozialistischen Arabischen Libyschen Volksdschamahiria.

Schleifen und hämmern, bohren und anstreichen. In der Altstadt von Tripolis herrscht Aufbruchstimmung. Libyen öffnet sich. Das nordafrikanische Land richtet sich neu aus – politisch, strategisch und auch wirtschaftlich.

Libyen - mehr als zwei Jahrzehnte lang geschnittener Paria - kehrt zurück in die internationale Völkergemeinschaft. Alte Feindschaften werden begraben. Nicht zuletzt wegen der guten Geschäftsaussichten in dem nordafrikanischen Land. Libyen besitzt gesicherte Ölreserven von 36 Milliarden Fass. Aber unter dem großteils noch nicht untersuchten Wüstenboden schlummern noch weitaus gewaltigere Vorkommen. Das libysche Öl ist schwefelarm und eignet sich bestens zur Weiterverarbeitung. Die Förderkosten zählen mit zwei bis vier Dollar pro Fass zu den niedrigsten weltweit.

Doch was nutzt der potentielle Reichtum, wenn er aufgrund widriger Umstände nicht genutzt werden kann? Jahrelang haben auf Libyen Sanktionen gelastet, musste das Land mit Handelshemmnissen und Reisebeschränkungen leben. Gadhafi vollzieht nun eine Kehrtwende. Der vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" gerne als Irrwisch Geschmähte beugt sich dem internationalen Druck. Natürlich tut er das auf seine Weise. - Niemand habe Libyen isoliert, erklärt Staatschef Gadhafi jetzt seinem 5,5 Millionen-Volk. Und sein Volk muss ihm das abnehmen. Was bleibt den Menschen auch übrig? Libyen ist kein Land, in dem man öffentlich einem seit 1969 regierenden Herrscher widerspricht. In Libyen herrscht keine Meinungsfreiheit, gibt es kein Mehrparteiensystem, keine Opposition.

Frag’ mich nicht nach Politik, sagt der Student Mohammed. Libyen sei nicht Griechenland oder Italien, wo er antworten könnte. Der Wind des Wandels ist in Libyen noch ein laues Lüftchen. Doch die Öffnung nach außen, das Ende der – laut Gadhafi selbstgewählten - Isolation wird begrüßt. Wesam, Politik-Student an der al-Fatih Universität in Tripolis.

Wir durchlaufen eine Phase des Wandels, wir müssen mit dem Strom schwimmen. Die große Mehrheit der Menschen begrüßt das – vor allem die jungen. Die Generation der '69er und ’70er ist noch nicht vom Wandel überzeugt. Wenn wir nicht eingelenkt hätten, dann wäre unsre Lage schlimmer gewesen als die des Irak.

Woher rührt der Sinneswandel von Mu’ammer al-Gadhafi? Die Bush-Administration ist überzeugt davon, dass ihr konsequentes Vorgehen gegen Saddam Hussein und dessen Regime Gadhafi dazu bewogen habe, am 19. Dezember vergangenen Jahres zu verkünden, alle Programme zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen aufzugeben. Doch Gadhafi habe bereits vor dieser nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ausgerufenen "Bush-Doktrin" den Weg aus der Isolation gesucht, meint Martin Indyk, Bill Clintons einstiger Sondergesandte für den Nahen Osten.

1999 war klar, dass Gadhafi eine Entscheidung getroffen hatte. Er wollte Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und war bereit, alles Notwendige zu tun, um die Sanktionen los zu werden. Ich glaube, das war ein Wandel in der Gesinnung dieses Schurken-Führers. Die Geschwindigkeit des Wandels wurde dadurch vorgegeben, dass wir innenpolitische Belange zu berücksichtigen hatten.

Konkret ging es damals um Lockerbie. Washington und London waren schon früh überzeugt davon, dass Libyen schuld ist an dem im Dezember ’88 über der schottischen Ortschaft Lockerbie verübten Terroranschlag mit 270 Toten. Libyen hat mittlerweile die politische Verantwortung übernommen und eine Wiedergutmachung von 2,7 Milliarden Dollar an die Hinterbliebenen der Opfer gezahlt. Die Entscheidung, dies zu tun, ist offenkundig aus rein pragmatischen Gesichtspunkten und nicht aus tieferer Einsicht oder gar Schuldgefühlen heraus getroffen worden.

Ein Internetcafé in der Altstadt von Tripolis: viele junge Leute. Sie surfen und chatten, sie telefonieren, spielen und recherchieren. In Libyen nutze jeder das Internet, sagt der Besitzer Bashir al-Sharif

Die Menschen probieren’s aus, und manche lassen sich richtig schulen. Es kommen sogar kleine Kinder, die keine Ahnung vom Internet haben. Die Libyer sind hungrig nach Informationen. Sie sind neugierig auf das für sie neue Medium, mit dem sie einen Blick nach draußen auf die große, weite Welt werfen können. Bis jetzt gibt’s keinerlei Einschränkungen, aber ich hab’ gehört, es soll künftig welche geben. Ich weiß nichts Genaues, nur dass bestimmte politische und religiöse Seiten blockiert werden sollen.

Libyen öffnet sich. Welche innenpolitischen Wandlungen Gadhafis neue Politik mit sich bringen wird, ist noch unklar. Aber die Menschen hoffen nach jahrelanger Isolation, nach Jahrzehnten der Unterdrückung auf Veränderungen.

Libyens Öffnung kommt nicht von ungefähr. Die politische Isolierung und vor allem die Wirtschaftssanktionen haben dem Land schwer zugesetzt. Auf 18 Milliarden Dollar schätzt die Weltbank die libyschen Einnahmeverluste – andere Quellen gehen von bis zu 33 Milliarden Dollar aus. Das ist viel für ein Volk von fünfeinhalb Millionen Menschen. Vor allem dann, wenn zwei Drittel jünger sind als 30, auf den Arbeitsmarkt drängen und keine adäquaten Jobs finden. Studenten der al-Fatih-Universität in Tripolis:

Ja, es gibt hier Arbeitslosigkeit. Ich kann keine Zahlen nennen, aber viele sind arbeitslos – Männer wie auch Frauen.

Es gibt Arbeit, aber es gibt auch faule Männer und Frauen. Selbst wenn jemand keinen Uni-Abschluss hat, dann kann er Arbeit finden. Die Jungen mit reichen Vätern, die scheuen die Arbeit.

Du siehst die arbeitslosen Libyer auf der Straße. Die Afrikaner schnappen ihnen die Jobs weg.

Seinen Namen will er nicht nennen. Vor sieben Jahren ist er nach dreiwöchiger Irrfahrt durch die Wüste aus Nordnigeria gekommen. Er ist Schneider. In der Altstadt von Tripolis hat er eine kleine Werkstatt.

In diesem Land leiden die Schwarzafrikaner. Die Libyer misshandeln uns. Wenn du mit einem in Streit gerätst, dann kommen 10, 20 oder sogar 30 von denen und schlagen dich. Die können dich umbringen, und es kümmert keinen.

In Libyen leben rund eine Million Schwarzafrikaner – manche sagen, es sind eher zwei Millionen. Sie kehren die Straßen, waschen Autos, entsorgen den Müll – sie erledigen zumeist jene Arbeiten, die Libyer nicht machen wollen. Manche haben kleine Werkstätten oder Geschäfte aufgemacht.

Du arbeitest für sie, und sie zahlen nicht. Sie sind egoistisch und gierig. Sie sind unfreundlich zu Ausländern, sie mögen keine Schwarzen und quälen uns.

In den 90er Jahren öffnete Mu’ammer al-Gadhafi die Grenzen seines Landes für Afrikaner. Damals hatte er die Nase voll von seinen arabischen Brüdern. Sein neues Utopia hieß afrikanische Einheit. Seine Landsleute haben Gadhafis Liebe zu Schwarzafrika jedoch nie geteilt.

Der Straßenbazar am Bab al-Hurriya, dem Tor zur Altstadt von Tripolis. Schwarzafrikaner beherrschen die Szene.

Probleme? Natürlich gebe es Probleme, sagt ein aufgebrachter Libyer, die seien ja unvermeidlich. Dann sieht er das Mikrophon - und schnell korrigiert er sich.
Es gebe natürlich keine Probleme, sagt er nun, der gerade noch Schwarze beschimpft hat. Alle seien gleich, die Afrikaner und die Libyer seien Brüder.
Aber die Afrikaner handelten mit Drogen, belästigten unsre Frauen und verbreiteten Aids, mischt sich jemand ein, der jedoch schnell zurechtgewiesen wird.

Libyen mag das reichste Land in Afrika sein mit Öl, mit Geld und Jobs. Aber auch hier nehmen die sozialen Probleme rasch zu wie Armut und Arbeitslosigkeit. Unter den jungen Libyern beträgt sie fast 30 Prozent. Konkurrenz aus Schwarzafrika will hier keiner. Im Oktober 2000 ließen viele Libyer ihrer Wut freien Lauf über die als Freizügigkeit gegenüber den Afrikanern empfundene Politik Gadhafis. Sie machten regelrecht Jagd auf Schwarzafrikaner. Die libyschen Behörden stellen die Unruhen bis heute als Bandenkrieg zwischen afrikanischen und libyschen Drogenhändlern dar.

Mu’ammer al-Gadhafi setzt nicht mehr so sehr auf die afrikanische Karte. Sein Sinnen und Trachten konzentriert sich nun auf den Westen und Norden des Planeten. Mit den USA versöhnt er sich, mit Amerika und Europa will er Geschäfte machen. Anfang März hat der libysche Volkskongress die Bewegungsfreiheit der Schwarzafrikaner in Libyen deutlich eingeschränkt. Wer keinen nachweisbaren Job hat, soll gehen. Viele möchten auch weg, nach Süden in die Heimat, oder nach Norden Richtung Europa. Aber für beides fehlt oft das Geld. So sitzen sie hier in der Falle, auch ohne die von Otto Schily in die Diskussion geworfenen Auffanglager in Nordafrika.

Libyen öffnet sich. Übers Internet sowie über die allgegenwärtigen Satellitenschüsseln kommen Ideen und Gedanken ins Land, vor denen das weitgehend abgeschottete Libyen jahrzehntelang gefeit war. Zum Beispiel Meinungsfreiheit, politische Mitbestimmung, Demokratie. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Mu’ammer al-Gadhafi seinen Landsleuten mehr als das zugestehen wird, was in Libyen seit drei Jahrzehnten praktiziert wird. -- Mu’ammer al-Gadhafi. Seine Bilder sind allgegenwärtig: Gadhafi im Beduinengewand; Gadhafi in Paradeuniform; Gadhafi mit geballter Faust, dunkler Sonnenbrille, ordensgeschmückter Brust. Seine Spitzel und Agenten sind offenbar auch überall. Niemand kritisiert ihn im Land – weder offen, noch verdeckt. Angst und Misstrauen herrschen vor.

Der 62jährige hat sich in der Vergangenheit nicht zimperlich im Umgang mit Andersdenkenden gezeigt. Seit Jahrzehnten werfen Menschenrechtsorganisationen Libyen massive Menschenrechtsverletzungen vor. Wer nicht für Gadhafi sei, sagt der Exillibyer Mohammed Fayek Jibril, dem drohten schlimme Konsequenzen.

Offiziere und Studenten sind umgebracht worden. Ich habe vier meiner Vettern verloren. Zwei wurden im Gefängnis umgebracht, die beiden anderen außerhalb des Gefängnisses. Einer wurde aus dem Hinterhalt ermordet, als er in die Stadt kam, um seine Familie zu sehen. Allen wurde vorgeworfen, ihr Bruder sei ein Aktivist gewesen.

Libyen öffnet sich und geht wieder auf Tuchfühlung zu Europa und vor allem zu den USA.

Damit Libyen vorankomme, sagt Khadija Teri, eine seit 16 Jahren in Libyen lebende Amerikanerin, müsse es einen großen Wandel geben. Libyen, so die Mutter von sechs Kindern, könne sich nicht länger von der Welt abschotten.
Wie schnell der Wandel kommt, welche Ergebnisse er zeitigen wird, ist angesichts der schwierigen innenpolitischen Lage und der gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme Libyens kaum vorhersehbar.

Wenn du mit einem Libyer über Demokratie sprichst, dann ist das etwas, was er nicht wirklich einordnen kann. Sie können einordnen, ob sie genug Lohn fürs tägliche Leben kriegen, ob sie ihre Kinder ernähren und kleiden können. Diese Dinge sind für sie wichtiger als die Politik dieses Landes, ob es nun demokratisch oder nicht-demokratisch ist. Sie haben andere Sorgen.

Es gibt ein Arbeitslosenproblem. Die Hochschulabsolventen finden keine Arbeit. Was sollen sie machen? Als ich nach Libyen kam, konnte man hier kein privates Geschäft haben – es gab nur diese staatlich gelenkten Läden, in denen die Leute subventionierte Waren kaufen konnten. Aber als sie dann die Gesetze geändert haben und sagten, ihr könnt euren eigenen Laden aufmachen, da haben die Leute direkt vor ihrem Haus ein Geschäft aufgemacht. Jetzt haben wir so viele Läden, aber es ist kein Geld zum Ausgeben da. Aber – immer noch besser als arbeitslos zu sein.

Schleifen und hämmern, bohren und streichen. In der Altstadt von Tripolis herrscht Aufbruchstimmung. Libyen hat hochtrabende Pläne. Das nordafrikanische Land will die grassierende Arbeitslosigkeit bekämpfen, in dem es groß in den Fremdenverkehr einsteigt.

Libyen werde in den kommenden zehn Jahren zu einem der bedeutendsten touristischen Ziele im Mittelmeerraum, prophezeit Tourismusminister Ammar al-Tayyef.

Touristen suchen immer nach neuen Gebieten, von denen sie noch nichts gehört haben, und nach archäologischen Stätten, die sie noch nicht besucht haben. Libyen bietet ein neues Kultur- und Freizeitangebot in der Region an. Ich bin mir sicher, es wird eine große Zukunft haben.

In den 90er Jahren war Libyen durch die von den Vereinten Nationen verhängten Sanktionen wie dem unterbrochenen Flugverkehr nur schwer zugänglich. Aber nun kommen sie – Touristen aus Italien, aus Frankreich und aus Deutschland. - Rund 150.000 Touristen kommen bislang pro Jahr nach Libyen. Schon bald soll der Fremdenverkehr neben der Öl- und Gasindustrie das zweitwichtigste Standbein der libyschen Wirtschaft und damit die erhoffte Jobmaschine werden. Sowohl im Tourismus- wie auch im Öl- und Gassektor braucht das potentiell reiche Libyen dringend ausländische Investitionen. Gegenwärtig fördert Libyen etwa 1,6 Millionen Fass Öl am Tag. Langfristig sollen drei Millionen erreicht werden. Das Potential ist da. Libyen besitzt große Lagerstätten günstig zu förderndes schwefelarmen Öls. Doch Libyen will mehr als nur ein Rohstofflieferant sein. Libyen will das Dubai Afrikas werden mit Handel, Banken, Dienstleistungen. Viele hochfliegende Pläne kursierten in Tripolis, sagt Francesco von Hildebrand vom Libyschen Verbindungsbüro München. Doch der Schritt von staatlicher Planwirtschaft in den freien Weltmarkt wird nicht leicht.

Den Libyern ist im letzten Vierteljahrhundert beigebracht worden, er ist kein Arbeiter, sondern ein Partner. Dieses erschwert manchmal die normale hierarchische Produktionsgestaltung.

Konkret: Viele Libyer möchten lieber Chef und weniger gern Bediensteter sein. Aber gerade in der Tourismusindustrie sind Dienstleistungen gefragt: Kellner, Köche, Kofferträger und Zimmermädchen. Das alles gibt es bereits jetzt im Reiche Gadhafis, doch die Jobs werden von Menschen aus Ägyptern, dem Maghreb und Schwarzafrika erledigt.

Der große Traum des Beduinensohnes Mu’ammer al-Gadhafi: ein starkes, ein unabhängiges Vaterland, frei von kolonialen Fesseln, frei von Feudalherrschaft und ausländischer Gängelung.

Der Wandel im autokratisch regierten Libyen vollzieht sich – im Gegensatz zum Irak – schnell und ohne militärische Intervention von außen, und er verspricht, erfolgreich zu werden. Nicht Krieg, sondern politische Isolierung, diplomatischer Druck und vor allem schmerzhafte Wirtschaftssanktionen haben Gadhafi zum Umdenken bewogen.
Die Fehler des Revolutionsführers sollen nicht verziehen werden, aber sie werden aus realpolitischen Gründen in Vergessenheit geraten. Letztlich ist es auch nicht an den USA oder den Europäern, über Gadhafi zu richten. Das ist Sache des libyschen Volkes. Vielleicht wird es dazu noch zu Lebzeiten des sichtlich alt gewordenen Revolutionsführers Gelegenheit haben.

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