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StartseiteCampus & KarriereLiebe Studierenden, Studentinnen und Studenten und Student-Innen07.04.2006

Liebe Studierenden, Studentinnen und Studenten und Student-Innen

Geschlechtsneutrale Sprache aus wissenschaftlicher Sicht

Wie muss es richtig heißen: "StudentInnen" oder "Studierende" oder doch "Studentinnen und Studenten"? Die Sprache sollte fair zu den Geschlechtern sein, also Männer und Frauen nennen, wenn beide gemeint sind. Manche Formulierungen klingen aber ungewohnt, umständlich oder sind unhandlich lang. Vielleicht wissen ja die Sprachwissenschaften einen eleganten Ausweg.

Von Armin Himmelrath

Hier gilt: "Absolventinnen und Absolventen" ja, "Absolvierende"  aber eher nicht. (AP)
Hier gilt: "Absolventinnen und Absolventen" ja, "Absolvierende" aber eher nicht. (AP)

Claudia Riehl ist Professorin für Linguistik an der Universität Köln:

" Die feministische Linguistik hat ja seit den 70er Jahren immer mehr gefordert, dass die weibliche Form zumindest mitgenannt werden sollte; es gab auch mal sehr extreme Vorschläge, dass man nur die weibliche Form nennen sollte. Das wirkt natürlich in der Sprache unnatürlich. Und deswegen ist man nun auf die Alternative gekommen, in den Fällen, wo es möglich ist, neutrale Formen zu verwenden. Und da eignen sich vor allem Adjektive oder Partizipien. Und das haben wir jetzt in dem Fall der Studierenden eigentlich vorliegen, diesen Fall, nämlich dass man das Partizip studierend einmal mit Maskulin - der Studierende - oder Feminin - die Studierende - benutzen kann."

Ihren Studenten - Entschuldigung, ihren Studierenden - bringt Claudia Riehl bei, dass Partizipien wie das Wort Studierende aus sprachwissenschaftlicher Sicht völlig in Ordnung sind.

" Eine ähnliche Geschichte haben wir bei bereits bestehenden Begriffen wie Angestellte - der Angestellte, die Angestellte - auch schon gehabt, und deswegen ist das natürlich eine elegante Lösung."

Doch immer wieder gibt es Sprach-Puristen, die behaupten: Studierende, das bezeichnet doch nur Menschen während einer aktuellen Tätigkeit. Wer gerade in diesem Moment nicht studiert, sondern jobbt, ist ein Jobbender und eben kein Studierender. Richtig oder falsch, Frau Riehl?

" Passen Sie mal auf: wenn sie nämlich die ursprüngliche Form nehmen von Student - das kommt ja aus dem Lateinischen. Und studens ist auch das Partizip I, das bedeutet genauso studierend, und deswegen würde ich sagen, nur weil es Lateinisch ist und sich als Berufsbezeichnung festgesetzt hat, muss man ja jetzt nicht sagen, dass es deswegen eine andere Form ist. Also, das ist durchaus eine Sache der Konvention, würde ich sagen."

Also eine Frage der Sprachgewohnheit - und die kann sich ändern. Bei den Studentinnen und Studenten auf dem Campus jedenfalls ist die Meinung zur korrekten, geschlechtsneutralen Bezeichnung ziemlich eindeutig.

Studentin: " Das ist ziemlich affig im Prinzip. Es heißt ja Studierendensekretariat, damit man da niemanden diskriminiert. Aber ich fühl mich auch ehrlich gesagt nicht diskriminiert, wenn man Studenten sagt. Ich finde das affig."

Studentin: " Das geht mir genauso, ich besteht da nicht drauf, auf die weibliche Form. Nee. Ist mir total egal. Ich bin auch nicht der Meinung, dass das was mit Diskriminierung zu tun hat."

Student: " Von Frauen, was ich mitbekommen habe, die sagen ja auch immer Studenten. Also, man müsste ja im Grunde die Frauen fragen, ob die sich diskriminiert fühlen. Mich stört's nicht, "Studenten" genannt zu werden."


Doch die Studenten sind ein sprachliches Auslaufmodell, das über kurz oder lang durch die Studierenden ersetzt werden wird, vermutet Claudia Riehl.

" Ich denke, das ist wirklich eine Sache der Konvention. Und so unschön das auch klingen mag: Ich denke, so in 10, 20 Jahren ist das dann der gängige Begriff und keiner wird sich mehr dran stoßen. Das ist einfach eine Sache des Sprachwandels."

Keine Chance räumt die Deutsch-Professorin dagegen dem Vorschlag radikaler feministischer Linguistinnen ein, Bezeichnungen wie Student oder Professor einfach zu neutralisieren: das Student, das Professor. Der Student Belait aus Marokko, der in Berlin an der Universität der Künste studiert, fände diese Art der Kreativität allerdings richtig gut:

" Ich glaube, ich habe früher, als ich noch gar nicht so lange hier in Deutschland gewesen bin, habe ich immer gesagt: "das Professor". Und wenn ich da wieder anknüpfen kann - ja super!"

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