Freitag, 21.09.2018
 
Seit 16:30 Uhr Nachrichten
StartseiteDeutschland heuteSofa aus Stein13.08.2018

Lieblingsort: Bodensteiner Klippen in NiedersachsenSofa aus Stein

Der Weg hoch auf die Bodensteiner Klippen, südwestlich von Salzgitter, ist anspruchsvoll. Oben angekommen nach anstrengender Wanderung auf dem Höhenzug, entschädigt eine außergewöhnliche, ungefähr 120 Millionen Jahre alte Sitzgelegenheit.

Von Dietrich Mohaupt

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Bodensteiner Klippen bei Salzgitter (Deutschlandradio/Dietrich Mohaupt)
Jetzt fehlen nur noch einige Kissen: An den Bodensteiner Klippen liegt das Sofa aus Stein. (Deutschlandradio/Dietrich Mohaupt)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Lieblingsort Siefersheimer Weinberge Auf (Ur)Küstenwanderung in Rheinland-Pfalz

Lieblingsort: Schloss Kummerow in Mecklenburg-Vorpommern DDR-Spuren im alten Adels-Schloss

Lieblingsort Dänisch-Nienhof Ein Waldweg zum einsamen Ostseestrand

"Die Route wird berechnet."

Immerhin - auf mein Navigationsgerät kann ich mich verlassen, das hat mich zielsicher zu dem Parkplatz in der Nähe der Bodensteiner Klippen südwestlich von Salzgitter geführt. Damals - als kleiner Junge - bin ich ständig mit meinem Bruder mit dem Fahrrad hierher gefahren, regelmäßig war das der Anlaufpunkt für Ausflüge mit der Familie. Jetzt bin zum ersten Mal seit, naja, seit etwa 40 Jahren hier, auf diesem Parkplatz - dem Potsdamer Platz.

Also - ich bin tatsächlich ein bisschen überrascht gewesen im ersten Moment. So genau hatte ich das dann auch nicht mehr in Erinnerung und war der Meinung: Potsdamer Platz, das ist eigentlich irgendwo in Berlin - aber nein, es ist hier oben in diesen Hainberg-Höhen. Und da drüben geht auch der Weg rein Richtung Bodensteiner Klippen - ganz eindeutig, zwei Kilometer steht auf dem Schild. Das ist ein Weg, den schafft man - den haben wir damals schon geschafft, schaffen wir jetzt auch, vor allen Dingen in so guter Begleitung. Henning Zellmer ist bei mir vom Geopark - in was für ein Gebiet begeben wir uns jetzt hier eigentlich rein?

Teil des Salzgitter Höhenzuges

"Ja - wir sind hier in den Hainbergen - die Hainberge sind für sich ein Teil des Salzgitter Höhenzuges. Der Salzgitter Höhenzug ist insgesamt eine Salzstruktur, er ist deshalb jetzt ein Berg oder ein Hügel, weil das Salz es nach oben gedrückt hat, und im westlichen Teil hier ist Sandstein an der Oberfläche, der eben nicht so schnell verwittert wie die Gesteine ringsherum und deswegen hier Klippen bildet."

Die Bodensteiner Klippen - man sieht da drüben schon die ersten Felsen durch die Bäume durchschimmern.

"Ja, genau - also es ist so, dass es eine ganze Kette von Klippen hier gibt, die sich vom Süden, von Bodenstein, nach Norden bis hin zum Jägerhaus ziehen, also kurz südlich von Baddeckenstedt. Und wir gehen einfach mal ein Stück weiter in Richtung - ja, was kommt jetzt? Geroldsklippe, Sofaklippe, das sind alles so Einzelbegrifflichkeiten für diese wie auf einer Perlenkette aufgereihten einzelnen Klippen?"

"Genau - der Volksmund hat denen natürlich Namen gegeben, weil sie besondere Formen haben, oder wie wir bei der Sofaklippe sehen werden, dass man da drauf steigen kann und sich dann auf eine, naja, sagen wir mal Sofa-ähnliche Struktur hinsetzen kann - auch wenn es ein bisschen härter ist, als ein Sofa." Aber - manchmal kann man es ganz gut gebrauchen, nach einer anstrengenden Wanderung dahin. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich nicht einmal ansatzweise, wie anstrengend die Wanderung noch werden sollte - aber schon bald wurde mir klar, dass irgendetwas anders war als vor vier Jahrzehnten.

Ja, der Schritt wird schwer, der Atem geht stoßweise - da muss man schon mal ein bisschen verschnaufen. Ich kann mich entsinnen, dass das, als ich so 15 oder 16 Jahre alt war, ein bisschen anders war. Es geht halt einfach hoch. Es ist schwül-warm, drückend - das bisschen Schatten, das die sehr trockenen Fichten und ein paar Laubbäume hier bieten, das ist nicht so sonderlich erquickend! Wir versuchen einfach mal den Gipfelsturm - es geht hier links herum, nochmal ein paar steile Anstiege, und dann müssten da tatsächlich die Klippen sein, unter anderem meine geliebte Sofaklippe!

Mehrere Liter Schweiß und zweifelnde Blicke auf die Smartphone-Karte später: Ja - das war vor gut einer halben Stunde, das mit den "noch ein paar zackige Anstiege". Der Schritt wurde noch kürzer, die Pausen länger - "Herr Zellmer, wir sind jetzt aber da, das ist jetzt tatsächlich die Sofaklippe, so wie ich sie noch vor Augen habe von damals! Aber - naja gut, man kann nicht mehr so schön ins Land schauen."

"Ja - die Bäume sind ein bisschen hoch gewachsen und nehmen die Sicht. Man kann eigentlich von hier Richtung Harz - konnte - Richtung Harz gucken und durch die Bäume durch in den Ambergau. Das ist ein bisschen behindert - die Sicht jetzt."

Vom Flussdelta zur Steinlandschaft

"Wir gehen trotzdem mal nach ganz vorne hin, ein paar Stufen sind das hier in den Stein geschlagen - eins, zwei, drei, vier, fünf, und dann windet sich hier so ein kurzer Gang durch das Felsgestein vorne an die Spitze dieser Klippe - und da ist tatsächlich ein Sofa! Und raten Sie mal, Herr Zellmer, was ich jetzt mache."

Naja, was wohl - hingesetzt habe ich mich, und erst einmal zehn Minuten nix mehr gesagt. Eine Frage hatte ich dann aber noch an meinen Begleiter Henning Zellmer vom Geopark Harz / Braunschweiger Land / Ostfalen. Wir genießen das hier oben auf der Sofaklippe – das ist ja wirklich ein richtig schickes, gemütliches Sofa - aber eben aus Stein. Lassen Sie uns noch einmal kurz über diese Felsformation reden - Hilssandstein!

"Ja, das ist ein Sandstein, der ist vor ungefähr 120 Millionen Jahren hier abgelagert worden, da war das Ganze hier eine Flussdelta-Landschaft, und wir können uns vorstellen, ringsherum wo Land war, da waren die Dinosaurier unterwegs, die haben ja auch ihre Fährten hinterlassen etwa zeitgleich - Münchehagen - und da wurde hier vom Südosten Sand abgelagert, und das ist zu diesem schönen Sandstein geworden, auf dem wir hier sitzen."

Wenn man jetzt den Blick ein bisschen schweifen lässt - wir haben es vorhin schon festgestellt, man sieht nicht mehr so fürchterlich viel, aber man hat eine Ahnung, dass man hier einen schönen Blick haben könnte, so ab und zu schimmert da mal was zwischen den Bäumen durch. Wie gesagt - für uns war das früher eigentlich so der Wochenendausflug schlechthin, da sind wir mit den Eltern losgezogen zu fünft durch den Wald stapfen und dann oben auf den Sofaklippen rumturnen – das ist jetzt nicht mehr so, das ist… ja, wie würden Sie es nennen? So eine Art Geheimtipp?

"Im Augenblick ist das so. Wir im Geopark arbeiten natürlich daran, dass das nochmal wieder anders wird, dass man wieder besser her kommt, dass der Weg frei ist, besser ausgeschildert ist - im Augenblick muss man gut zu Fuß sein."

Und das müssen wir jetzt auch sein - wir machen uns jetzt auf den Weg nach unten machen wieder… ich weiß, dass ich hier nochmal wieder herkommen werde, vielleicht habe ich ja dann nochmal wieder die Aussicht wie vor 40 Jahren.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk