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LiedermacherWolf Biermann: Populismus kotzt mich an

Der Liedermacher und Schriftsteller Wolf Biermann in einem Interview (Sophia Kembowski/dpa)
Der Liedermacher und Schriftsteller Wolf Biermann (Sophia Kembowski/dpa)

Der Liedermacher Wolf Biermann hat vor Vereinfachern im rechten und linken Polit-Spektrum gewarnt.

Populismus etwa von Pegida oder Linken kotze ihn an, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Deren Anhänger schlagen Kapital daraus, dass viele Menschen enttäuscht seien in dem falschen Hoffen, die Demokratie sei eine Idylle. Deutschland sei es noch niemals so gut wie jetzt gegangen. Doch Wohlstand und Demokratie würden schlecht geredet. Was im Moment vor sich gehe, empfinde er als politische Hysterie. "Ja, es gibt Probleme, wie immer im lebendigen Leben, aber deshalb darf man nicht unsere Lage und unser Land schlecht reden."

Die Unzufriedenheit in Teilen der ostdeutschen Bevölkerung allerdings kann Biermann, der 1976 aus der DDR ausgebürgert worden war, gut nachvollziehen: Es wäre ein Wunder, wenn es nicht so wäre. Große gesellschaftliche Umbrüche gingen "nicht so flott und nicht so flach". Der heute in Hamburg lebende 82-Jährige fügte hinzu, die allermeisten "DDR-Menschen" seien jedoch heilfroh, "dass sie in der Freiheit endlich mal neue Probleme haben und nicht mehr die alten."

Biermann führte aus, er habe in beiden Systemen gelebt und sei nicht nur als Tourist mal vorbeigekommen, "um ein bisschen am Sozialismus zu lecken oder am Kapitalismus". Demokratie ist für ihn auch 30 Jahre nach dem Mauerfall eine anstrengende und zugleich wunderbare Lebensform der Gesellschaft. Deswegen sei sie seit der Antike immer wieder gefährdet.