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StartseiteInformationen am MorgenDer "Obama" von Sachsen-Anhalt04.03.2016

Linken-Politiker Wulf GallertDer "Obama" von Sachsen-Anhalt

Wulf Gallert ist ein Kämpfertyp: Zwei Mal hat er schon für das Amt des Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt kandidiert, zwei Mal ist er gescheitert - aufgeben will er aber nicht. Als Spitzenkandidat der Linken geht er bei der kommenden Landtagswahl erneut ins Rennen. Lange sah es gut aus, bis die Flüchtlingskrise kam.

Von Christoph Richter

Wulf Gallert, Spitzenkandidat der Partei Die Linke, stellt am 22.01.2016 in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) den Start der Landtagswahlkampagne seiner Partei vor. (dpa/picture alliance/Jens Wolf)
Der Linken-Politiker Wulf Gallert (dpa/picture alliance/Jens Wolf)
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Heimspiel für Wulf Gallert, den Spitzenkandidaten der Linkspartei in Sachsen-Anhalt. Mit einem rotten Kittel bekleidet hilft er bei der Essensausgabe der Tafel in Weißenfels. Eine Kleinstadt im Süden Sachsen-Anhalts, die vom demografischen Wandel und von Arbeitslosigkeit geprägt ist. Weil die Umfragewerte für die Linkspartei sinken brauche man jede Stimme sagt Gallert:

"Was wir nicht machen werden, die Stimmung von Angst verstärken, Hass und Aggression akzeptieren. Wir bleiben dabei, wir kämpfen für ein weltoffenes, solidarisches Sachsen-Anhalt."

Kompliziertes Unterfangen. Denn in Sachsen-Anhalt kann man mit humanistischen Reden beim Wähler derzeit nicht punkten. Wulf Gallerts Markenzeichen ist der buschige, fast kauzig wirkende Oberlippenbart. Er will der Obama Sachsen-Anhalts sein. "Ich kann, ich will, ich werde", so steht es zumindest auf den Plakaten.

"Obama war im Wahlkampf ein Vorbild. Was er danach gemacht, war nicht so toll."

Reformer mit klaren Zielen

Der 52-jährige Gallert sieht sich als Umgestalter, als jemand der Sachsen-Anhalt aus den Umfragetiefen führen kann, wie er sagt. Sein Ziele hat er klar vor Augen:

"Auch Wohlstand. Aber in erster Linie mehr Dynamik und soziale Gerechtigkeit. Ja das will ich."

Gallert wirkt wie eine Mischung aus Thomas de Maizière und Franz Müntefering. Gallert ist ein Pragmatiker, an seinem knielangen schwarzen Mantel – mit dem er derzeit durch das winterliche Sachsen-Anhalt zieht - klebt kein Fussel Ewig-Gestrigkeit. Ostalgie ist für ihn ein Fremdwort.

Eine Million Fehlstunden an Sachsen-Anhalts Schulen, 1200 fehlende Polizisten, die mangelhafte kommunale Finanzausstattung: Der studierte Politologe Gallert kennt jedes Detail des Landes, die er immer wieder frei referiert. Zu jeder Tag- und Nachtzeit. Weshalb er weniger der Obama, sondern eher der Cicero Sachsen-Anhalts ist, dem es nur wenig an Selbstbewusstsein mangelt. Mitarbeiter klagen über sein zuweilen autoritäres, selbstherrliches Auftreten.

"Ich sage nochmal ausdrücklich: In einem direkten Duell, da bin ich mir klar und deutlich sicher, kann der Kollege Haseloff nicht wirklich bestehen."

Dritter Versuch, in die Staatskanzlei einzuziehen

Gemeint ist der CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff. Lehrer-Sohn Gallert - 1986 ist er in die SED eingetreten, 1994 ist er erstmal für die PDS in den Landtag eingezogen – ist zäh und hat Ausdauer. Denn nach 2006 und 2011 versucht er nun zum dritten Mal den Einzug in die Staatskanzlei. Als Ministerpräsident einer rot-rot-grünen Koalition. Lange sah es gut aus, bis die Flüchtlingskrise kam. Denn nach Angaben der Demoskopen wechseln viele Wähler der Linkspartei nun ins Lager der AfD.

"Ob es jetzt Wählerwanderung in Richtung AfD gibt, darüber kann man jetzt lange reden. Aber wir müssen davon ausgehen, dass sich Menschen, die sich an den Rand gedrängt fühlen und die auch bei uns im Normalfall ihre Adresse sehen, um die müssen wir kämpfen."

Gallert ist ratlos. Und er muss zerknirscht zugeben: Die Flüchtlingskrise – sie hat seinen Einzug in die Staatskanzlei höchst kompliziert gemacht. Sie hat Haseloff gerettet, schiebt er fast etwas wütend noch hinterher. Und ob Linken-Politiker Gallert noch mal fünf Jahre wartet, um den vierten Versuch zu wagen, um Ministerpräsident zu werden, ist ungewiss. Und unwahrscheinlich. Aus seinem Umfeld ist zu hören ist, dass er seine eigenen Oppositionssätze schon selbst nicht mehr hören könne.

"Herr Wulf Gallert, wenn er mal Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt wird, das wäre ein Plus. Dass er uns nie vergisst, dass wir kleinen Leute auch noch da sind."

Der Besuch bei der Tafel in Weißenfels: Für Linken-Spitzenkandidat Wulf Gallert – Balsam für die Seele. Für einen Mann, der sich als Obama Sachsen-Anhalts in Stellung gebracht hat, der nicht müde wird zu sagen, dass er 2016 in die Magdeburger Staatskanzlei einziehen will.

"Das stimmt und zwar als Ministerpräsident."

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