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StartseiteBüchermarktDas beste Buch zum Feste 17.12.2013

LiteraturDas beste Buch zum Feste

Kurz vor Toresschluss: Die Weihnachtsempfehlungen der Buchredaktion des Deutschlandfunks.

Bücherregal in einer Filiale des kirchlichen Weltbild-Verlags. (picture-alliance / dpa / Jens Kalaene)
Wenn schon ein Buch verschenken, dann das richtige. (picture-alliance / dpa / Jens Kalaene)

Weihnachtsempfehlungen von Tanya Lieske

Maris Putnins: Die wilden Piroggenpiraten. Roman für Kinder, aus dem Lettischen übersetzt von Matthias Knoll, mit Bildern von Karsten Teich, Fischer Schatzinsel, 653 Seiten gebunden, 14,99 Euro

Die lettische Antwort auf Käpt'n Blaubär! Wer entweder das Feingebäck oder die Seefahrt schätzt, wird diese Piratengeschichte lieben.

Es geht um eine von Speckpiroggen entführte Mohnschnecke, ihre beiden wagemutigen Retter und um die für Eltern nüchterne Erkenntnis, dass eine Kaperfahrt auch Mädchen mehr Spaß macht als zuhause Spitzen zu klöppeln. Letzte Erkenntnisse über die nautischen Eigenschaften einer Piratenbrigg und die historische Wahrheit über die Seeschlacht von Trüffelgar sind garantiert. Ein Spaß für alle Generationen.

Russ Kick (Hg): The Graphic Canon. Weltliteratur als Graphic Novel, Galiani Berlin, 504 Seiten, 49,99 Euro

Der erste Band einer auf drei Bände angelegten Reihe, in der Texte der Weltliteratur mit den Mitteln der Graphic Novel vorgestellt werden. Sechzig meist amerikanische Künstler adaptieren und zeichnen ihre Lieblingstexte vom Altertum bis zur Französischen Revolution, vom Epos des Gilgamesch bis zu den "Gefährlichen Liebschaften". Sie werfen einen ungewöhnlichen, manchmal scharfsinnigen Blick auf ihre Vorlagen oder suchen den Witz an der Sache. Poetisch, frech und sinnlich ist das Ergebnis. Eine Leistungsschau der Gegenwartskunst der Graphic Novel, zugleich eine Einladung zum Lesen und Weiterlesen (welt)literarischer Texte.

Weihnachtsempfehlungen Angela Gutzeit

Rüdiger Safranski: Goethe. Kunstwerk des Lebens. Biographie, Hanser Verlag, 750 Seiten, 27,90 Euro

Dass Rüdiger Safranski diesen Gipfel auch noch besteigen würde, zeichnete sich bereits 2009 ab, als er den Band "Goethe und Schiller. Die Geschichte einer Freundschaft" vorlegte. Nun also widmet er sich dem Schöpfer des "Werther", der "Wahlverwandtschaften", des "Faust" in einer großen biografischen Arbeit. Sein Motto lautet: Goethe zur Anschaulichkeit zu verhelfen, ihn in seiner Zeit lebendig werden zu lassen. Man folgt Safranski sehr gern, wenn er den Weimarer Dichterfürsten nicht nur wegen seiner dichterischen Kraft bewundert, sondern diesen Tatmenschen Goethe vor allen Dingen als Künstler seines eigenen gelungenen Lebens porträtiert.

Dieter Wellershoff: Was die Bilder erzählen. Ein Rundgang durch mein imagniäres Museum, Kiepenheuer & Witsch, 368 Seiten, 39,99 Euro

Mehr als 40 Publikationen hat der Schriftsteller Dieter Wellershoff vorgelegt. Nun überrascht der 88-Jährige mit einem wunderbaren literarischen Spaziergang durch die Welt der Bilder von der Renaissance bis in die Moderne der Jetztzeit. Kunstgeschichtlich versiert, aber bewusst subjektiv erzählt Wellershoff, was ihm die rund 240 ausgesuchten Werke von Boticelli über Dürer, Goya, Adolph Menzel, Ilja Replin bis Beckmann, Balthus, Bacon, Lucian Freud oder Neo Rauch offenbaren. Ein schön gestaltetes Buch mit überraschenden Einblicken.

Weihnachtsempfehlungen Denis Scheck

Uljana Wolf: Meine schönste lengevitch. Kookbooks, 80 Seiten, 19,90 Euro

Was ist eigentlich los mit der deutschen Literaturkritik? Warum pfeifen nicht längst alle Spatzen vom Dach, dass Uljana Wolf wieder ein Meisterwerk veröffentlicht hat? Dass ihre Gedichte schön und voller Erkenntnisse, und ja, auch voller Witze und Kalauer sind? ("Sist zappenduster im gedicht, / welche sprache es wohl / spricht?")

Dass Uljana Wolf in ihrem neuen Band dem Reiben beim Zusammenstoß sprachlicher Interkontinentalplatten nachlauscht?  Dass ihr Nachdenken über Sprachmacht in Form des Gedichts, ihr Ringen um die eigene Sprache zwischen Märchenton und Gesetzestext,  zu den tollsten Büchern des Jahres zählt? Weil die deutsche Literaturkritik sich das für Weihnachten aufspart? Ach so.

Volker Reiche: "Kiesgrubennacht“. Suhrkamp, 231 Seiten, 21,99 Euro

Volker Reiche ist einer der bedeutendsten deutschen Comic-Künstler der Gegenwart und war mit seinem Comicstrip "Strizz“ viele Jahre der beste Grund, das Feuilleton der FAZ der lesen. Nun wählt er die Form des buchlangen Comics, um sein eigenes Leben zu erzählen - von den Prägungen seiner Kindheit  und dem langen Schatten, den sein Vater, ein gewalttätiger gläubiger Nazi, auf diese warf. Reiches genialer Kunstgriff dabei: auf einer Metaebene diskutiert Reiche mit seinen gewitzten Comic-Figuren Kater Paul, Hofhund Tassilo und Dackel Müller über die Darstellung seines Lebens und dessen philosophische  Implikationen.

Weihnachtsempfehlungen Hubert Winkels

Christoph Peters: Einschreiben. Aufzeichnen. Matthes & Seitz Verlag, Berlin, 425, 29,90 Euro

Es ist das persönlichste Buch des 1966 in Kalkar geborenen Erzählers Christoph Peters: Ein Geschenk, ein neuer Füller, wird zum Auslöser für die tägliche Niederschrift. Christoph Peters schreibt sein neues Arbeitsgerät ein, und lässt den Leser für ein Jahr an den Beobachtungen und Gedanken seines Alltags teilhaben. Scheinbar Banales wird beschreibenswert, Routine wird zum Ereignis. "Einschreiben Aufzeichnen" eben. Matthias Beckmann hat Zeichnungen dazu gefertigt, die den Charakter der Notate präzise widerspiegeln und Peters' Alltag illustrieren. Christoph Peters erster Roman "Stadt Land Fluß" von 1999 machte ihn auf Anhieb bekannt. Peters hat bislang fünf Romane (darunter "Tuch aus Nacht", "Ein Zimmer im Haus des Krieges", "Mitsukos Restaurant") und mehrere Bände mit Erzählungen veröffentlicht. Sein letzter Roman "Wir in Kahlenbeck" aus dem vergangenen Jahr war für den Deutschen Buchpreis 2012 nominiert. Christoph Peters lebt und arbeitet in Berlin.

Jürgen Kaiser (Text), Florian Monheim (Fotos): Die großen romanischen Kirchen in Köln. Greven Verlag, 176 Seiten mit 177 farbigen Abbildungen, 38 Euro

Es gibt nicht nur den Dom in Köln, mag er auch noch so oft besungen werden. Die zwölf großen romanischen Kirchen Kölns, die ihn kreisförmig im Stadtraum umgeben,  gehören zu den bedeutendsten Sakralbauten Deutschlands. Mit Ihrer Schönheit, ihrer architektonischen und kunsthistorischen Bedeutung und in ihrem viele Epochen dokumentierenden Erhaltungszustand sollen sie in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen werden. Die Berechtigung für dieses Ansinnen belegt dieser opulente Bildband eindrucksvoll. Dank der klaren, fast hyperrealistisch wirkenden Bildsprache von Florian Monheim und den schnörkellosen, gelegentlich auch erzählerischen Texten von Jürgen Kaiser sehen wir alt bekannte Bauwerke mit ihren Kunstschätzen in ganz neuem Licht. Das Überwältigende ist die Stein gewordene Verbundenheit der Gotteshäuser mit der Stadtgeschichte hinab bis in die Römerzeit. Dies macht diesen Kranz von Sakralbauten so vielfältig und einzigartig.

Zusätzlich erscheint eine Vorzugsausgabe mit einem signierten und nummerierten Pigment-Fotoprint (Auflage: 12 Ex. + 1 h. c.) in großer Präsentationskassette für 350 Euro.

Weihnachtsempfehlungen Hajo Steinert

Leben und Schreiben, Der Erzähler Warlam Schalamow. Mit 180 Abbildungen, Verlag Matthes & Seitz, 254 Seiten, 24,90 Euro

1907 im nordrussischen Wologda als Sohn eines orthodoxen Geistlichen geboren, ging  der Schriftsteller Warlam Schalamow 1924 nach Moskau, um Jura zu studieren. 1929 wurde er wegen "konterrevolutionärer Agitatation" zu Lagerhaft im Ural verurteilt. Nach zwei Jahren ging er zurück nach Moskau und wurde abermals verhaftet und in die Kolyma-Region, in Sibirien gelegen, deportiert. Seit 2007 erscheint im Verlag Matthes & Seitz die Werkausgabe Schalamows. Im Zentrum seines Werks, das detaillierte und beklemmende Einblicke gibt in den Alltag des Lagerlebens, wie es sie neben Solschenizyns Werk kaum sonst wo in der Weltliteratur gibt, stehen die ebenso lakonischen wie literarisch erschütternden "Erzählungen aus Kolyma". Im Zuge einer Ausstellung im Literaturhaus Berlin erstellten Wilfried F. Schoeller und Christina Links anhand von bisweilen und noch unveröffentlichten Briefen, Fotos und anderen Dokumenten ein hervorragend komponiertes und geschriebenes Buch, das mehr ist als ein üblicher Ausstellungskatalog. Es stellt ein Leben dar, wie es ein Vergleichbares über die Geschichte des  Gulag nicht gibt.

Ralf Beil, Burghard Dedner, Institut Mathildenhöhe Darmstadt u.v.a. (Hrsg.): Georg Büchner. Revolutionär mit Feder und Skalpell. Verlag Hatje Cantz, 403 Abbildungen, 612 Seiten, 65,00 Euro

Ein neuer, unser Denken über das Universalgenie Georg Büchner (1813 – 1837) verändernder, überaus anschaulicher Blick auf sein Leben und Werk anhand von Gemälden, Skulpturen, historischen und zeitgenössischen Texten, Faksimiles, anatomischen Präparaten und anderen spektakulären Dokumenten. Der opulente Bild- und Textband zeigt, wie aktuell die Dramen und seine Prosa heute noch sind. Der literaturhistorisch gewichtige Band dokumentiert den leidenschaftlichen Briefschreiber Büchner ebenso wie den lachenden Philosophen und ambitionierten Naturwissenschaftler, den engagierten Dramatiker und stillen Poeten. 

Maris Putnins: Die wilden Piroggenpiraten. Roman für Kinder, aus dem Lettischen übersetzt von Matthias Knoll, mit Bildern von Karsten Teich. Fischer Schatzinsel, 653 Seiten gebunden, 14,99 Euro

Graphic Novel: Russ Kick (Hg) The Graphic Canon. Weltliteratur als Graphic Novel. Galiani Berlin, 504 Seiten gebunden, 49,99 Euro

Rüdiger Safranski: Goethe. Kunstwerk des Lebens. Hanser Verlag, 750 Seiten, 27,90 Euro

Dieter Wellershoff: Was die Bilder erzählen. Ein Rundgang durch mein imagniäres Museum, Kiepenheuer & Witsch Verlag, 368 Seiten, 39,99 Euro

Uljana Wolf: Meine schönste lengevitch. Kookbooks, 80 Seiten, 19,90 Euro

Volker Reiche: Kiesgrubennacht. Suhrkamp Verlag, 231 Seiten 21,99 Euro

Christoph Peters: Einschreiben. Aufzeichnen. Matthes & Seitz Verlag, Berlin, 425 Seiten, 29,90 Euro

Jürgen Kaiser (Text), Florian Monheim (Fotos): Die großen romanischen Kirchen in Köln, Greven Verlag, 176 Seiten mit 177 farbigen Abbildungen, 38 Euro

Leben und Schreiben – Der Erzähler Warlam Schalamow. Mit 180 Abbildungen, Verlag Matthes & Seitz, 254 Seiten, 24,90 Euro

Georg Büchner. Revolutionär mit Feder und Skalpell. Hrsg. Von Ralf Beil, Burghard Dedner, dem Institut Mathildenhöhe Darmstadt u.v.a., Verlag Hatje Cantz, 403 Abbildungen, 612 Seiten, 65,00 Euro

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