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StartseiteSport am Wochenende"Die Empörung ist noch gar nicht groß genug"11.11.2018

Literaturkritiker über Footballleaks und Doping"Die Empörung ist noch gar nicht groß genug"

Neue Enthüllungen über dunkle Machenschaften im Fußball stehen an der Tagesordnung. Aktuell beschäftigen die "Football-Leaks" diverse Staatsanwälte. Im Zusammenhang zwischen Profifußball und Ethik fordert der Autor Klaus Zeyringer im Dlf einen Boykott von Sportgroßveranstaltungen.

Klaus Zeyringer im Gespräch mit Matthias Friebe

Geldscheine neben einer Kamera im Fußballstadion (imago sportfotodienst)
Der Kommerzfußball von heute hinterlässt bei vielen Fans ein unschönes Bauchgefühl. (imago sportfotodienst)
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Klaus Zeyringer ist ein österreichischer Germanist, war Professor für Germanistik und ist Literaturkritiker für Zeitschriften. Im Dlf sagte er, dass ihn die aktuellen kommerziellen Entwicklungen im Sport und im Speziellen im Fußball nicht überraschten: "Zum einen ist es tatsächlich so, dass man es wissen konnte. Man kann ja die Entwicklung des Sportbetriebes insgesamt verfolgen seit der Modernisierung, seit der Industrialisierung, das lässt sich genauer zeigen. Und auch, wenn man verfolgt, wie Neoliberalismus und Sport zusammenhängen, dann darf es einen nicht wundern, dass solche Sachen passieren."

Das Boykott-Szenario

Andererseits müsse man sich tatsächlich darüber empören und Zeyringer findet, dass die Empörung noch gar nicht groß genug ist über diese Zustände. Er befürwortet in diesem Zusammenhang zum Beispiel einen Boykott von Fußballgroßereignissen wie der Weltmeisterschaft: "Wenn der Boykott wirklich flächendeckend funktionieren würde, wenn die Quoten im Fernsehen sinken würden und zwar drastisch, dann würde das Fernsehen weniger Geld bezahlen, ganz einfach gesagt, für den Sport, für den Fußball. Dann würde weniger Geld im Umlauf sein und dann würde die Spirale, die seit zwei, drei, mehreren Jahrzehnten noch oben geht, wieder nach unten gehen können." Allerdings räumt er dabei ein, dass das eine sehr idealistische Vorgehensweise sei.

 Der Germanist und Literaturkritiker Klaus Zeyringer 2015 am dritten Tag der oberösterreichischen Kulturvermerke im Stadttheater Gmunden (imago / Rudolf Gigler)Der Germanist und Literaturkritiker Klaus Zeyringer 2015 am dritten Tag der oberösterreichischen Kulturvermerke im Stadttheater Gmunden (imago / Rudolf Gigler)

Zeyringer kann nicht nachvollziehen, warum die deutschen Zuschauer noch immer Spiele sehen wollten, denen es an Spannung fehle. "Wer in Deutschland Meister wird, das weiß man schon."

Kritik an der "eingeredeten Gemeinnützigkeit"

Man merke es auch bei allen anderen Sportarten, dass in erster Linie der kommerzielle Erfolg stünde: "Und es wird uns eingeredet, das seien gemeinnützige Vereine." Das müsste man kritisch sehen und darüber in der Öffentlichkeit viel öfter reden. Dass die Kommerzialisierung des Sport lediglich ein unaufhaltbarer Mechanismus des Neoliberalismus sei, bestreitet Zeyringer: "Es ist nicht der Lauf der Zeit, denn der Lauf der Zeit bestimmt sich ja nicht von selbst. Und es sind Menschen die am Rad der Zeit drehen."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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