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StartseiteUS-Wahlblog"Little house I used to live in ... "31.10.2012

"Little house I used to live in ... "

Jasper Barenberg besucht seine ehemalige Gastfamilie

Ein Wiedersehen nach über 20 Jahren. Kein Zweifel, wir sind alle erkennbar älter geworden. Aber auch das spüren die Gasteltern und der Austauschschüler von damals gleich im ersten Augenblick: Das Gefühl der Vertrautheit hat die Zeit unbeschadet überstanden.

Von Jasper Barenberg

Die ehemalige Gastfamilie von Jasper Barenberg (Deutschlandradio - Jasper Barenberg)
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Scott hat seinen Job als Fire Chief von Winnetka im Norden von Chicago vor einer Weile an den Nagel gehängt, eine Reihe von Helmen, glänzenden Dienstmarken und ein Foto an der Seite von Präsident George W. Bush bezeugen seinen Werdegang vom einfachen Feuerwehrmann bis hinauf zum Chef der Wache. Kathy dagegen schneidet nach wie vor vier Tage die Woche Haare. Allerdings schon ein paar Jahre als Chefin ihres eigenen hair salons im eleganten Viertel von Lincoln Park downtown.

Es sind Menschen wie Kathy und Scott, um deren Gunst Barack Obama und Mitt Romney buhlen wie um keine andere Bevölkerungsgruppe. Und in der Tat: Ein schmuckes Häuschen im Vorort der Millionenstadt, ein Blockhaus in den Wäldern von Wisconsin sechs Autostunden weiter nördlich, zwei Einkommen, zwei SUVs auf der Einfahrt, zwei Hunde, zwei Kinder – die beiden scheinen mir geradezu der Inbegriff von Middle class America. Zumal ihnen der Wohlstand nicht durch Erbschaft oder Börsenglück in den Schoß gefallen ist. Sie haben ihn sich hart erarbeitet.

Ihnen das Leben nicht schwerer zu machen, sondern leichter, versprechen Amtsinhaber wie Kandidat. Doch zumindest in diesem Haus hat der Herausforderer keine Chance. Ein Wahlsieger namens Mitt Romney? Scott verzieht das Gesicht. "Dann müssen wir den Kopf einziehen. Er wird uns abzocken!"

Länger schon wittert Scott Gefahr. In dieser Gegend von Illinois stimmen sie am 6. November nicht nur über den nächsten Präsidenten ab. Sondern auch darüber, ob man ehemaligen Angestellten wie ihm die Pension ein gutes Stück kürzen wird. Für Scott ein weiteres Zeichen dafür, dass die Mittelschicht unter Druck steht. Sorgen macht er sich aber vor allem, wenn er an seine Kinder denkt: An Eric, der im nächsten Jahr Lauren heiraten will, eine Lehrerin. Der als Rettungssanitäter jedes Wochenende Dienst schiebt. Und doch nicht einmal im Traum daran denken kann, ein eigenes Haus finanzieren zu können. Und an Jessica, deren Job als Hebamme von Jahr zu Jahr härter wird. Die nicht weiß, wann sie die Schulden für das Studium an der Uni je wird zurückzahlen können.

Scott, Kathy, Eric, Jessica. Ihnen geht es gut, sie kommen gut zurecht. Aber sie alle treibt ein Gedanke um: Dass es der Generation der Kinder möglicherweise nicht besser gehen wird, als der Generation der Eltern. Dass sie sich werden einschränken müssen. Scott ist sicher, dass ein republikanischer Präsident Mitt Romny in dieser Frage auf dem Gaspedal stehen würde: "Er würde dafür sorgen, dass die großen Unternehmen weiter gutes Geld verdienen. Und sich um den Rest von uns nicht scheren!"


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