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StartseiteKommentare und Themen der WocheGeld auch Voraussetzung für Erfolge08.05.2019

Liverpool im Finale der Championsleague Geld auch Voraussetzung für Erfolge

Der britische Fußball gelte vielen Fans als abschreckendes Beispiel für eine Disneysierung, kommentiert Friedbert Meurer. Aber die britischen Profis seien immer noch gut für magische Momente. Und das viele Geld der Investoren helfe dabei.

Von Friedbert Meurer

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Liverpool-Spieler Georginio Wijnaldum bejubelt sein zweites Tor im Halbfinal-Rückspiel im Liverpooler Anfield-Staion gegen den FC Barcelona (picture alliance / empics / Peter Byrne)
Liverpool-Spieler Georginio Wijnaldum bejubelt sein zweites Tor im Halbfinal-Rückspiel im Liverpooler Anfield-Staion gegen den FC Barcelona (picture alliance / empics / Peter Byrne)

Das Verhältnis der deutschen Fußballfans zur englischen Premier League ist durchaus zwiespältig. Einerseits weiß jeder, wie hochklassig die Clubs in dieser Liga sind. Aber dann gibt es auch das Naserümpfen über den Kommerzfußball in England. Die Vereine gehörten doch nur Milliardären, Scheichs, Oligarchen oder Konzernen. Das gilt übrigens auch für Liverpool, der Club gehört einer US-amerikanischen Vermarktungsfirma.

England gilt uns als das Mutterland des Fußballs. Das Wembley-Spiel von 1966 gilt als ein fast mythisches Ereignis. Vor unseren Augen laufen englische Spieler in Schwarz-Weiß-Fernsehübertragungen auf dem Platz auf, während auf der Tribüne die Massen der britischen Arbeiterklasse mit viel Herz und Leidenschaft wogen.

Englischer Fussball eher abschreckend?

Fußballfans aus Deutschland, die auf der Insel ein Spiel der Premier League sehen, sind oft etwas enttäuscht. Stehplätze gibt es nicht mehr, Ultras schon gar nicht, keine Fan-Choreografie, wie sie den Bundesliga-Fans heilig ist. Der englische Fußball gilt heute als eher abschreckendes Beispiel der Disneyisierung des Fußballs. Alles sei nur noch Theater und Geld, echte Emotionen gäbe es dagegen doch viel mehr in der Bundesliga.

Aber der Fußball lebt auch in England noch, anders als früher zwar, aber immer noch fähig, große Emotionen hervorzurufen. Am hellsten strahlt der Fußball zurzeit auch nicht in London, sondern in Liverpool und Manchester, den beiden Arbeiterstädten im Norden. Liverpool stand gestern Abend für alles, was mit der großen Vergangenheit des englischen Fußballs verbunden wird: dass das Publikum eins mit der Mannschaft ist, dass die Spieler sich mit ihrem Club identifizieren und nicht nur das Scheckbuch vor Augen haben. Das Stadion an der Anfield Road war gestern Abend ein magischer Ort für große Gefühle und Leidenschaften.

Bundesliga europaweit nicht mehr konkurrenzfähig 

Auch in Liverpool ist natürlich vieles nicht mehr authentisch. Im Publikum sitzen auch Millionäre aus Nahost und Asien, die sich mit Learjets zu den Spielen einfliegen lassen. Aber ganz ohne Geld geht es im Sport des 21. Jahrhunderts nicht. Liverpool zeigt der Bundesliga und ihren nostalgischen Anhängern, dass die Millionen und Milliarden auch die Voraussetzung für solche Abende wie gestern sein können.

Die Bundesliga ist im Moment europaweit nicht mehr konkurrenzfähig. Leidenschaften in Sankt Pauli oder Rostock sind ja schön und gut, sorgen aber nicht für das Erlebnis einer leuchtenden Europanacht, an der eine halbe Nation Anteil nehmen kann.

Fast ganz Fußball-Deutschland freut sich für den FC Liverpool und seinen deutschen Trainer Jürgen Klopp. Da kann man im Moment nur neidisch sein, den Hut ziehen und hoffen, dass auch ein deutscher Club mal wieder für einen solch großen Auftritt sorgen kann.

Friedbert Meurer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Friedbert Meurer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Friedbert Meurer, Jahrgang 1959, studierte Germanistik und Geschichte in Mainz und Bielefeld mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. 1986/87 gehörte er zum Gründungsteam des Privatradios RPR in Koblenz und volontierte dann 1988/89 beim Deutschlandfunk. 1995 bis 1999 arbeitete Meurer als Parlamentsreporter in Bonn mit dem Schwerpunkt Außenpolitik. Bis 2015 war er Ressortleiter Zeitfunk und moderierte u. a. "Informationen am Morgen". Seit August 2015 ist er Korrespondent von Deutschlandradio in London.

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