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StartseiteKommentare und Themen der WocheGüterverkehr gehört auf die Schiene18.04.2019

LKW-EmissionenGüterverkehr gehört auf die Schiene

In der EU gelten nun erstmals verbindliche Kohlendioxidgrenzwerte für schwere Nutzfahrzeuge wie Lastwagen und Busse. Ein konsequenter Schritt, kommentiert Britta Fecke. Noch besser wäre die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene.

Von Britta Fecke

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Ein Güterzug und ein LKW auf der Autobahn A43 überqueren die Emscher bei Recklinghausen (picture alliance/ dpa/ Johannes Glöckner)
Güterzug versus LKW (picture alliance/ dpa/ Johannes Glöckner)
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Der große Wurf ist es nicht, auch nicht sonderlich ambitioniert, aber es ist ein Anfang. Heute hat das EU-Parlament CO"-Grenzwerte für LKW bestätigt. Damit gelten in der EU erstmals verbindliche Kohlendioxidgrenzwerte für schwere Nutzfahrzeuge wie Kleinlastwagen, LKW oder Busse.

Dieser Schritt ist nur konsequent. Mit Blick auf die selbst gesteckten Klimaziele und die Glaubwürdigkeit der EU als auch im Vergleich zu den PKW, für die schon lange Grenzwerte gelten. Schwere Nutzfahrzeuge wie Trucks oder LKW stoßen mehr als ein Viertel der Treibhausgasemissionen im Straßenverkehr aus. Will man den UN-Klimavertrag von Paris ernst nehmen, dann kann dieser wichtige Sektor nicht ausgespart werden.

Sorgloses Einkaufsverhalten

Zumal er immer größer wird, denn unser Konsumverhalten - acht Paar Schuhe bestellen und alle wieder zurück schicken - hat den Güterkraftverkehr auf der Straße stark steigen lassen. Tendenz weiter zunehmend. Das liegt allerdings nicht nur an unserem sorglosen Einkaufsverhalten, sondern auch daran, dass die Güter größtenteils auf dem Asphalt und nicht auf der Schiene transportiert werden. Eine Nebenstrecke dieses Gerangels um CO2-Grenzwerte, die aber eine intensiverer Diskussion verdienen würde.

Die Schweiz hatte schon vor Jahren keine Lust mehr, in den Abgasen der LKW zu ersticken, und zwingt den Güterverkehr auch mithilfe des neuen Gotthardbasistunnels auf die Schiene. Sie hat auch auf die Vernunft der europäischen Anrainer gehofft und an der Grenze große Verladestationen gebaut. Wer nicht mitzieht? Deutschland. Dafür sollen aber nun wieder ein paar Weichen gebaut werden. Ja Glückwunsch!

Und bis irgendein Minister im Verkehrsministerium mal begreift, dass das Schienennetz nicht so lange vernachlässigt werden darf, so lange werden immer mehr LKW mit noch mehr Waren unterwegs sein und somit CO2 in die deutschen Innenstädte und die Atmosphäre blasen. Und in dem Zusammenhang kommen wir besser nicht auch noch auf die Feinstaubemissionen dieser Verkehrsteilnehmer zu sprechen, denn die sind eine noch größere Belastung.

Deutschland stand auf der Bremse

Bis also das Bewusstsein wächst, dass der Güterverkehr besser auf der Schiene fährt, dafür aber eine intakte Infrastruktur und mehrgleisige Strecken notwendig sind. Bis es dafür eine stärkere Lobby gibt, stehen immer mehr PKW-Fahrer im Stau hinter dem Auspuff eines LKW. Dass da in Zukunft weniger CO2 und wohl auch weniger Feinstaub rauskommen sollen, sind doch gute Aussichten.

Sie wären allerdings noch besser gewesen, wenn die Reduktionsziele etwas höher gesteckt worden wären. Doch wer stand auf der Bremse? Wie so oft, wenn es um Klimaschutz geht und die Lobbyisten in Berlin und Brüssel einen guten Job gemacht haben? Richtig, Deutschland. Mit dem ewigen Totschlagargument: dem Verlust von Arbeitskräften. War dieses Land nicht mal führend in der Entwicklung innovativer Antriebssysteme? Wollen wir uns denn tatsächlich so lange auf alten Errungenschaften ausruhen bis uns alle überholt haben?

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