Donnerstag, 09. Februar 2023

Kommentar zum LNG-Terminal
Zu teuer: Mit grünem Gas werden sich Wohnungen nicht heizen lassen

Die Bundesregierung sollte die Pläne für neue Gasterminals kräftig zusammenstreichen und stattdessen mehr Geld in die Energiequellen der Zukunft stecken, kommentiert Georg Ehring. Deutschland sei nicht auf dem richtigem Kurs.

Ein Kommentar von Georg Ehring | 17.12.2022

Das Spezialschiff "Höegh Esperanza" liegt am neuen Anleger für das LNG-Terminal im Jadebusen.
Unter großen Sicherheitsvorkehrungen hat das Flüssiggas-Spezialschiff "Höegh Esperanza" am neuen LNG-Anleger in Wilhelmshaven festgemacht. Es gilt als Herzstück des ersten deutschen LNG-Terminals. (Hauke-Christian Dittrich / dpa / Hauke-Christian Dittrich)
Ein Raunen der Erleichterung geht durch Deutschland: Das erste schwimmende Terminal für Flüssigerdgas ist fertig. Ein Schiff ist gekommen, die Esperanza, zu Deutsch „Hoffnung“ mit 165.000 Kubikmetern Gas an Bord. Das reicht für die Versorgung von 50 bis 80.000 Haushalten für ein ganzes Jahr. Viele weitere Schiffe werden folgen. Die neu geschaffene Gas-Infrastruktur soll uns unabhängig machen von Lieferungen aus Russland und in der Tat: Das erste schwimmende Terminal in Wilhelmshaven hilft dabei und es ist hoch willkommen. Zumal wir jetzt schon an den Winter 2023 denken müssen, auch da steht die Gasversorgung vor Herausforderungen. Es ist gut, jetzt zusätzliche Importkapazitäten zu haben, um auch den nächsten Winter gut und sicher überstehen zu können.

Doch das, was derzeit an unseren Küsten geplant und errichtet wird, geht weit darüber hinaus: Insgesamt elf Terminals zum Import von Flüssigerdgas per Schiff sollen zwischen Wilhelmshaven und Lubmin in Dienst gestellt werden, drei davon sogar fest an Land installiert. Die Gaswirtschaft sieht die Chance, eine Import-Infrastruktur für Jahrzehnte zu installieren. Doch ein Ausbau in dieser Größenordnung wäre ein enorm teurer Fehler. Werden alle Terminals gebaut, würden die Kapazitäten sogar weit größer werden, wir könnten mehr Gas darüber importieren als bisher aus Russland.

Die aufwendig installierte Infrastruktur rechnet sich nur, wenn sie lange genutzt wird

Im Ergebnis würde Deutschland nicht unabhängig, sondern erneut abhängig – nicht von einem einzigen Lieferanten, sondern von Gas als Energiequelle: Die aufwendig installierte Infrastruktur rechnet sich nur, wenn sie lange genutzt wird. Und so würden wir auf Jahre und Jahrzehnte festgelegt auf eine Energiequelle, die wegen ihrer Klimaschädlichkeit möglichst schnell auslaufen muss. Die Ampel-Regierung hat mit Robert Habeck einen Minister für Wirtschaft und Klimaschutz. Er müsste festlegen, wohin die Reise geht. Doch er plant zwei Reisen zu unterschiedlichen Zielen zur gleichen Zeit. Während Habeck sich für Erfolge beim Einkauf von Gas und bei der schnellen Errichtung von Terminals feiern lässt, verspricht er gleichzeitig eine schnelle Begrenzung des CO2-Ausstoßes – was nur mit einer konsequenten Verringerung der Gasimporte möglich ist.

Weniger Gas, Kohle und Öl zu verbrennen, dafür soll vor allem der Europäische Emissionshandel sorgen, er verteuert die Nutzung fossiler Rohstoffe. Im Laufe der Jahre immer weiter sinkende Obergrenzen für die Emission von Treibhausgasen erzwingen den Abschied von fossilen Energien und das ist auch gut so. Deutschland fördert den Umstieg zusätzlich - auch mit vielen Programmen aus dem Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: Zuerst dem Ausbau der erneuerbaren Energiequellen, also von Windkraft und Photovoltaik Dazu kommen Hilfen für den Ersatz von Gas- und Ölheizungen, für die Wärmedämmung von Häusern und für dichte Fenster. Auch die Industrie kann auf Unterstützung zählen, wenn sie ihre Prozesse von Gas, Öl und Kohle auf Elektrizität umstellt und so das Klima schützt. All das steht im Widerspruch zu den Planungen für so viel Flüssigerdgas aus aller Welt. Und beim Gassparen gibt es erste Erfolge: Schon in diesem Jahr sinkt der Gasverbrauch deutlich – Schätzungen zufolge liegt er um zwölf Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres.

Die neuen Gas-Terminals sollen auch bereit sein für den Import von „Grünem Wasserstoff“. Diese klimafreundliche Energiequelle soll in Zukunft fossiles Erdgas dort ersetzen, wo es anders nicht zu ersetzen ist. So vernünftig es ist, auch für diese Zukunftstechnologie vorzusorgen, so wenig taugt der Verweis darauf als Begründung für die geplanten Überkapazitäten. Denn das umweltfreundlich erzeugte Gas ist absehbar teuer, viel teurer als die erneuerbaren Energien, mit dessen Hilfe es erzeugt werden soll. Wohnungen heizen wird man damit jedenfalls nicht. Die Bundesregierung sollte die Pläne für neue Gasterminals also kräftig zusammenstreichen und stattdessen mehr Geld in die Energiequellen der Zukunft stecken. Weder beim Ausbau von Wind- und Solarenergie noch bei der energetischen Sanierung von Gebäuden ist Deutschland auf Kurs – beides muss viel schneller gehen, damit wir unsere Klimaziele einhalten können. Wirklich unabhängig werden wir bei der Energie dann, wenn wir sie einsparen oder soweit es geht zuhause erzeugen.