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StartseiteKommentare und Themen der WochePhilipp Amthor muss sich schnell erklären15.06.2020

Lobbying-AffärePhilipp Amthor muss sich schnell erklären

Die Tätigkeit des Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor für ein US-Unternehmen sorgt für Kritik – auch parteiintern. Kann der 27-Jährige noch CDU-Landeschef in Mecklenburg-Vorpommern werden? Das könne er - aber nur, wenn er schnell und glaubwürdig reinen Tisch mache, kommentiert Silke Hasselmann.

Von Silke Hasselmann

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Philipp Amthor (CDU), Mitglied des Bundestages, spricht mit Buergern im Rahmen der Abschlussveranstaltung des CDU-Wahlkampfes in Leipzig, 30.08.2019. (imago / Florian Gaertner)
Gilt bislang als Hoffnungsträger für die CDU in Mecklenburg-Vorpommern: Philipp Amthor, nun aufgrund von Lobbying-Vorwürfen unter Druck (imago / Florian Gaertner)
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Kann Philipp Amthor noch CDU-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern werden?  

Natürlich kann er das – rein technisch betrachtet. Noch steht seine Kandidatur, und seine einzige Konkurrentin hat erst vorigen Dienstag zugunsten von Philipp Amthor  zurückgezogen. Es gibt keine neuen Interessenten, und es drängt sich aus dem personaltechnisch seit Jahren unterbelichteten Landesverband von Kanzlerin Merkel auch niemand auf.

Doch warum will der CDU-Landesvorstand bis Freitag warten, um sich von dem 27-jährigen Prädikats-Juristen aus dem vorpommerschen Ueckermünde erläutern zu lassen, was es mit seiner Türöffner-Tätigkeit für ein US-Unternehmen auf sich hat? Ja, erst dann findet eine lange geplante Vorstandssitzung statt und Amthor war wegen der Vorbereitung des Sonderparteitages ohnehin geladen.

Ein frischer, zupackender Charakter wird gebraucht

Doch sollte sich Philipp Amthor nicht deutlich eher erklären? Ich finde: Ja, und zwar nicht nur gegenüber Parteigremien, sondern gegenüber der Öffentlichkeit. Schließlich ist er Bundestagsabgeordneter. Schließt sich also die Frage an: Sollte Philipp Amthor CDU-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern werden?

Ein frischer, zupackender Charakter an der Parteispitze wird jedenfalls gebraucht, um den selbstgefällig gewordenen CDU-Politikbetrieb in Regierung und Landtagsfraktion aufzumischen. Das ist der erklärte Wunsch der meisten Kreisverbände, und es kann grundsätzlich für die politisch-demokratische Hygiene nicht gut sein, wenn sich eine Volkspartei wie die CDU auf Dauer damit zufrieden gibt, seit einer Ewigkeit unter einer anderen Partei - hier die SPD - als Juniorpartner mitregieren zu dürfen.

Übrigens egal, wie übergriffig die jeweiligen SPD-Ministerpräsiden beziehungsweise jetzt Manuela Schwesig als Ministerpräsidentin gegenüber CDU-geführten Ministerien agieren. Dass sich viele Christdemokraten in Mecklenburg-Vorpommern eine wertkonservativere Ausrichtung ihrer Partei wünschen, ist offen bekannt. Dafür könnte Amthor der richtige Mann sein oder werden.

Warum braucht Amthor so lange?

Zu seinen Gunsten kann man also Amthors fast noch jugendliches Alter in Betracht ziehen und sein Verhalten auch als Folge eines geschmeichelten Egos aus der Provinz deuten. Gut, dass er es rasch als Fehler bezeichnet hat. Doch das geschah lediglich als schriftliche Stellungnahme am Wochenende. Seitdem: Nichts von dem Mann, der mit jeder denkbaren Äußerlichkeit vom Scheitel bis zur Sohle signalisiert, dass ihm Recht, Ordnung und Anstand viel wert sind und der im Zuge der Flüchtlingskrise 2015/16 den Merkel-kritischen Konservativen Kreis in Greifswald mitgegründet hat.

Kommt da etwa noch mehr? Oder braucht er so lange, um Anspruch und Wirklichkeit passend erzählen zu können, damit der Vorfall nicht als "ach so, auch korrupt"  an ihm kleben bleibt, sondern als "sieh an: der irrt sich, fällt hin, steht auf und lernt daraus"? Beides keine vertrauenerweckenden Möglichkeiten. Je länger Philipp Amthor schweigt, desto lauter sollten die Glocken bei der Landes-CDU bimmeln – zum Begraben ihrer Hoffnung auf diesen Hoffnungsträger.

Silke Hasselmann wuchs in Vorpommern auf. Von 1985 bis 1991 arbeitete sie für das DDR-Jugendradio DT64 und begann ein Fernstudium der Kultur- und Theaterwissenschaften in Berlin. Später war sie als Chefredakteurin von Rockradio B und freie Journalistin für den ORB tätig. Für den Mitteldeutschen Rundfunk berichtete Hasselmann ab 1999 als bundespolitische Hörfunkkorrespondentin aus dem ARD-Hauptstadtstudio und zwischen 2009 und 2014 als Korrespondentin aus den USA. Seit April 2015 ist sie Landeskorrespondentin von Deutschlandradio in Mecklenburg-Vorpommern.

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